SteelSeries Arctis Nova Pro Omni im Test: Genialer Multi-Device-Allrounder mit klanglichen Schattenseiten

24. Mai 2026, 01:51 Uhr · Quelle: PixelCritics
Das SteelSeries Arctis Nova Pro Omni ist ein grandioser Multi-Plattform-Allrounder mit unschlagbarer Konnektivität – aber die schrille Werksabstimmung und die plastiklastige Verarbeitung machen den Preis von 399 Euro nicht für jeden zur lohnenden Investition.

SteelSeries schickt mit dem Arctis Nova Pro Omni eine abgespeckte Version des 600-Euro-Flaggschiffs Nova Elite ins Rennen und die Versprechen sind groß: ANC, Multi-Plattform-Konnektivität und ein Akku, der nie schlapp machen soll. Doch der Sparzwang an der Materialfront und die schrille Werksabstimmung werfen Fragen auf: Ist die günstigere Alternative wirklich der bessere Deal, oder hat SteelSeries am falschen Ende gespart?

Von 600 auf 399 Euro: Wo SteelSeries den Rotstift angesetzt hat

Klar vorweg: Das Arctis Nova Pro Omni ist kein billiges Headset – aber im Vergleich zum 600 Euro teuren Nova Elite spart man immerhin 200 Euro. Die Frage ist nur, wo dieser Preisnachlass herkommt. Die Antwort fällt beim ersten Anfassen nicht schwer: Plastik statt Metall. Wo der große Bruder mit Aluminium-Komponenten glänzt, setzt das Pro Omni fast durchgehend auf Kunststoff. Klingt schlimmer, als es ist – der Kopfbügel besteht weiterhin aus Metall, und die Verarbeitung wirkt insgesamt robust. Einzig die Ohrmuschel-Schieberegler fühlen sich hakelig an und schaben beim Verstellen unangenehm am inneren Bügel. Das Nova Elite gleitet hier butterweich, das Pro Omni bremst mit einem frustrierenden Widerstand.

Die Ohrpolster aus Kunstleder sind ein zweischneidiges Schwert: Einerseits extrem dick und bequem, andererseits werden sie nach etwa einer Stunde spürbar warm. Richtig unangenehm wird es aber erst nach rund acht Stunden Dauerbelastung – ein Wert, den die meisten Gamer vermutlich nie erreichen. Das Gewicht und die flexible Aufhängung des Kopfbügels sorgen dafür, dass das Headset auch nach stundenlangen Sessions nicht drückt. Insgesamt ein ordentlicher Kompromiss zwischen Kostenersparnis und Tragekomfort, auch wenn die edle Haptik des Elites fehlt.

OmniPlay: Die Konnektivität als trumpfendes Ass

Bevor wir über den Klang sprechen, müssen wir über das Feature sprechen, das dieses Headset von praktisch jedem anderen unterscheidet: OmniPlay. Der Name ist Programm. Der Wireless Hub (GameHub) besitzt drei USB-C-Anschlüsse sowie je einen 3,5-Millimeter-Line-Eingang und -Ausgang. Zusammen mit Bluetooth 5.3 kannst du bis zu vier Quellen gleichzeitig anschließen – und per Knopfdruck oder automatisch zwischen ihnen wechseln. PC, Xbox, PlayStation, Switch, Quest und Smartphone – alles kein Problem.

Der Clou: Du kannst simultan Audio von zwei Quellen hören, etwa den Game-Sound vom PC über 2,4 GHz und einen Discord-Anruf oder Podcast vom Smartphone via Bluetooth. Und das ohne merklichen Qualitätsverlust. Die Latenz im Bluetooth-Modus ist vorhanden, aber im Alltag kaum störend. Einzige Enttäuschung: SteelSeries setzt auf den LC3+-Codec, der zwar Hi-Res-tauglich ist, aber noch nicht breit unterstützt wird. AptX oder LDAC sucht man vergeblich – für ein 399-Euro-Headset ein echtes Versäumnis, vor allem für Musikliebhaber.

Die SteelSeries GG Software bietet dir enorme Kontrolle: Du kannst separate EQ-Presets für 2,4 GHz und Bluetooth definieren, gezielt bestimmte Frequenzen anpassen und Q-Faktoren justieren. Konsolen-Gamer ohne PC greifen zur mobilen Arctis-App, die allerdings nur vorgefertigte Presets bietet. Das ist clever gelöst und erinnert an die Flexibilität, die wir zuletzt beim Razer Barracuda X Chroma gelobt haben.

Infinite Power System: Unendliche Spielzeit mit einem Haken

Das Infinite Power System ist genau das, was der Name verspricht: Zwei wechselbare Akkus sorgen dafür, dass dir nie der Saft ausgeht. Während ein Akku im Headset steckt, lädt der andere in der Wireless Station. Der Wechsel dauert Sekunden, und das Headset schaltet sich kurz aus und wieder ein – anders als beim Nova Elite, das einen internen Pufferakku besitzt und unterbrechungsfrei weiterspielt. Kein Drama, aber erwähnenswert.

Im Test hielt das Pro Omni satte 33 Stunden über 2,4 GHz durch – ein hervorragender Wert, der einen kompletten Arbeitstag plus eine ausgedehnte Zockernacht abdeckt. Sollten doch mal beide Akkus leer sein, verspricht SteelSeries nach 15 Minuten Ladezeit vier Stunden Spielzeit. Ein nahezu perfektes Batteriemanagement, das das HyperX Cloud III Wireless mit seinen 120 Stunden zwar in der reinen Laufzeit schlägt, aber sich durch die Hot-Swap-Fähigkeit deutlich von der Konkurrenz abhebt.

Sound: Competitive-Genius mit hörbaren Schwächen

Kommen wir zum Wichtigsten: dem Klang. Die 40-Millimeter-Neodym-Treiber liefern einen breiten Frequenzgang von 10 Hz bis 40 kHz und sind Hi-Res Wireless-zertifiziert (96 kHz/24 Bit). Klingt gut? Ist es auch – aber nur im richtigen Kontext.

In Competitive-Shootern wie Call of Duty oder Valorant spielt das Arctis Nova Pro Omni seine Stärken voll aus. Die räumliche Ortung ist exzellent: Schritte, Schüsse und Explosionen werden präzise im Raum platziert, die Tiefenstaffelung wirkt fließend statt abgehackt. Es fühlt sich fast so an, als hätte man Wallhacks – so treffsicher kannst du Gegner lokalisieren.

Doch sobald du den Competitive-Modus verlässt und in Action-RPGs oder storylastige Spiele abtauchst, kippt die Stimmung. Der Standard-Frequenzgang offenbart eine markante Überbetonung im Bereich 6 kHz bis 12 kHz, während die wichtigen Präsenzfrequenzen um 2–4 kHz unterrepräsentiert sind. Die Folge: Stimmen klingen übermäßig scharf, Zischlaute schmerzen regelrecht in den Ohren, und die gesamte Klangbühne wirkt unnatürlich „clean“. Das objektive MDAQS-Rating bestätigt diesen Eindruck: Mit einer Gesamtwertung von 3,0 liegt das Pro Omni deutlich unter dem Durchschnitt vergleichbarer Gaming-Headsets (ca. 3,7).

Die gute Nachricht: Du kannst das mit der exzellenten EQ-Software fixen. Ein Absenken der Frequenzen bei 8.500 Hz und 10.500 Hz um 5 dB zähmt die Schärfe erheblich. SteelSeries liefert sogar hunderte spielspezifischer EQ-Presets mit, von denen der Preset für „BLEACH Rebirth of Souls“ im Test am angenehmsten wirkte. Dass man überhaupt Hand anlegen muss, ist bei diesem Preis aber ein Wermutstropfen.

Die Active Noise Cancellation (Geräuschunterdrückung) arbeitet dagegen auf hohem Niveau: 81 Prozent der Umgebungsgeräusche werden eliminiert. Klimaanlagen, vorbeirauschende Autos – alles wird weitgehend ausgeblendet. Nur Stimmen dringen noch gedämpft durch, was im Multiplayer-Kontext durchaus gewünscht sein kann.

Mikrofon, OLED und letzte Zweifel

Das ClearCast Pro Mikrofon liefert klare, aber leicht dumpfe und roboterhafte Stimmen. Die KI-gestützte Geräuschunterdrückung filtert Tastaturgeklapper und Hintergrundlärm beeindruckend effektiv heraus – allerdings auf Kosten eines natürlichen Klangbilds. Im Vergleich zum Nova Elite fehlen zudem die internen Mikrofone für die Nutzung ohne ausgeklappten Bügel. Für Competitive-Gaming reicht die Qualität, für Podcaster oder Streamer ist sie allenfalls Durchschnitt.

Ein Punkt, der mir nachhaltig Sorgen bereitet: das OLED-Display des GameHubs. Das Panel zeigt stets statische Elemente wie Lautstärkepegel und Akkustände an – ein klassisches Burn-in-Risiko. Da die Basisstation vermutlich dauerhaft am Strom hängt, wäre ein E-Ink-Display hier die deutlich langlebigere Wahl gewesen. SteelSeries hofft offenbar, dass die OLED-Technik mittlerweile robust genug ist. Wir bleiben skeptisch.

Für wen lohnt sich das SteelSeries Arctis Nova Pro Omni?

Das SteelSeries Arctis Nova Pro Omni ist ein Headset der Extreme. Seine Stärken liegen in der unübertroffenen Multi-Device-Konnektivität, der quasi unendlichen Akkulaufzeit und der herausragenden räumlichen Ortung für Competitive-Gaming. In diesen Bereichen spielt es in einer eigenen Liga. Die Schwächen sind jedoch nicht zu ignorieren: Der plastiklastige Build fühlt sich günstiger an, als es der Preis vermuten lässt, die ab Werk voreingestellte Sound-Charakteristik ist für Nicht-Competitive-Titel ermüdend, und das Mikrofon bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Für jeden, der PC, Konsole und Smartphone nahtlos miteinander verbinden will und hauptsächlich kompetitive Multiplayer-Titel zockt, ist das Pro Omni eine hervorragende Investition. Wer hingegen nur ein Gerät besitzt, viel Musik hört oder atmosphärische Singleplayer-Spiele genießt, findet für weniger Geld bessere Alternativen – etwa das Creative SXFI AIR Gamer oder alternative Modelle von Razer. SteelSeries hat mit dem Arctis Nova Pro Omni die richtigen Prioritäten gesetzt – aber nicht die richtigen für jeden.

Gaming / Gaming Headset / SteelSeries / Arctis Nova Pro Omni / OmniPlay / Infinite Power System / ANC
[pixelcritics.com] · 24.05.2026 · 01:51 Uhr
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