Schnee, Sturm und Kälte

Eiskalter Wintersturm legt weite Teile der USA lahm

26. Januar 2026, 13:12 Uhr · Quelle: dpa
Winterwetter in den USA
Foto: Mehmet Eser/ZUMA Press Wire/dpa
Das Extremwetter bringt auch Spaß, wie etwa bei einer ausgelassenen Schneeballschlacht in der US-Hauptstadt Washington.
Menschenleere Straßen, Stromausfall, Flughäfen dicht: Die Auswirkungen des Wintersturms in den USA werden immer weitreichender. Mehr als 10 Tote sind in Verbindung mit dem Unwetter zu beklagen.

Washington/New York (dpa) - Schneegestöber, Flugchaos und Hunderttausende ohne Strom: Winterliches Extremwetter hat das Leben in vielen Regionen der USA weitgehend zum Erliegen gebracht. 

Der Wintersturm erfasste den Süden, Mittleren Westen und auch die Ostküste der Vereinigten Staaten. Für fast 90 Millionen Menschen des Landes gelten weiter Warnungen vor extremer Kälte des US-Wetterdienstes.

Auch forderten die Auswirkungen von Eiseskälte und Schneesturm bereits erste Tote. Die Zeitung «USA Today» berichtete unter Berufung auf örtliche Behörden von mindestens 13 Toten in fünf US-Bundesstaaten seit dem Wochenende, der Sender CNN von mindestens elf. Die in den US-Medien genannten Zahlen schwankten, je nachdem, wie direkt die Todesursachen mit dem Wetter in Zusammenhang gebracht wurden. 

Mehrere Menschen erfroren

Als vermutlich erfroren galten demnach fünf Menschen, die laut New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani am Wochenende in der Millionenmetropole tot im Freien gefunden wurden. Eine offizielle Todesursache wurde bisher nicht festgestellt. 

Tod durch Unterkühlung galt auch in den Fällen von drei Menschen in den US-Bundesstaaten Kansas, Michigan und Texas laut Behörden als wahrscheinlich. Deren Leichen wurden – teils nach stundenlanger Suche – jeweils in eisiger Kälte gefunden. Auch im Süd-Bundesstaat Louisiana waren am Wochenende zwei Männer an Unterkühlung gestorben. 

Mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung ist nach Behördenangaben von dem Wintersturm, der als einer der heftigsten der vergangenen Jahre angekündigt worden war, in irgendeiner Form betroffen. In vielen Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. So können Hilfen schneller bereitgestellt werden. Bundesstaaten und US-Regierung riefen dazu auf, am besten zu Hause zu bleiben.

Insbesondere die Bewohner der südlichen US-Bundesstaaten, in denen empfindliche Kälte und ausgiebiger Schneefall selten vorkommen, forderte das Wetter heraus: Eisglätte führte unter anderem in Texas und Tennessee zu schweren Verkehrsunfällen und Massenkarambolagen auf Fernstraßen, bei denen mindestens zwei Menschen starben. 

Stromausfälle, ausgestorbene Flughäfen und leere Straßen

In der Nacht zum Montag waren immer noch mehr als 820.000 Menschen im Süden und an der Ostküste der USA von Stromausfällen betroffen, wie die Übersichtsseite «poweroutage.us» zeigte. Zu den Blackouts kommt es etwa, wenn die Last des Schnees und Eises auf den meist oberirdischen Leitungen zu groß ist. Auch umknickende Bäume können die Versorgung unterbrechen. Durch fehlende Beheizung des Wassers steige zusätzlich die Gefahr, dass häusliche Rohre in der Kälte bersten, warnten Meteorologen des Senders CNN. 

In vielen US-Großstädten bleiben die Schulen heute geschlossen. Zum Wochenbeginn machen die Wetterverhältnisse weiter vor allem Reisenden zu schaffen. Tausende Flüge waren bereits am Wochenende abgesagt worden. Die Airline Delta kündigte an, Flüge nach Möglichkeit wieder umzusetzen. 

Der Sturm hat auch Auswirkungen auf den Profi-Sport. Die NBA musste zwei für Sonntag geplante Basketball-Partien absagen - unter anderem, weil eine Mannschaft wegen des Wetters nicht zum Spiel anreisen konnte.

US-Hauptstadt mal anders

Ein ausgestorbener Flughafen in der US-Hauptstadt Washington - eigentlich unvorstellbar. Dieser Tage zeigt sich auch am Reagan-Airport jedoch ein extremes Bild: Schalter dicht, Flugzeuge am Boden, so gut wie niemand auf den Terminal-Gängen. 

Auch jenseits ihres Flughafens bietet die Hauptstadt ein außergewöhnliches Bild: Im frostigen Wind ist so gut wie niemand unterwegs, auf den Straßen kämpfen sich Einzelne mit dem Auto durch den Schnee. Eisregen hat die Wege gefährlich glatt gemacht und eine hohe Schneedecke versteckt Bürgersteige und Treppenabgänge. 

Die Einwohner der Hauptstadt wurden aufgerufen, Taschenlampen bereitzulegen und ihre Handys vorsorglich aufzuladen. Die Büros der Bundesbehörden sollen heute geschlossen bleiben.

Skier auf den Straßen, Schlitten im Park

Trotz der angespannten Lage prägten am Sonntag auch fröhliche Winterszenen das Stadtbild: Mitten in Washington rodelten Kinder die verschneiten Hänge des Kapitols hinunter, Passanten stiegen auf Skier um.

Auch in der Metropole New York konnten dem Wetter Winterfreuden abgetrotzt werden: Spaziergänger genossen am berühmten Times Square viel Platz - ein Ort, der sonst tagtäglich von Menschenmassen bevölkert ist. Zahlreiche Schlittenfahrer strömten in den Central Park in Manhattan, wo laut dem Sender CBS News am Sonntag mit fast 30 Zentimetern so hoch Schnee lag wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Abseits davon erinnerten die teils leer gefegten Straßen an Zustände während der weltweiten Corona-Pandemie, als das öffentliche Leben innehielt und viele Leute zu Hause blieben.

Auch Kanadas Metropole Toronto ruft zur Vorsicht auf

In den nächsten Tagen bleibt es eiskalt, der US-Wetterdienst warnte vor allem für den Nordosten des Landes vor weiterem starken Schneefall. Der Sturm werde von der Ostküste allmählich Richtung Atlantik weiterziehen, hieß es.

Auch der Osten Kanadas erlebt aktuell die eher extremen Auswüchse des Winters. Vor allem die Großstadt Toronto rechnet für heute mit weiteren Schneefällen von bis zu 60 Zentimetern, wie die Zeitung «Toronto Star» schreibt. Mehrere Universitäten und Schulen blieben vorsorglich geschlossen. Schon am Sonntag hatte die Stadtverwaltung die Menschen dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben und die Wohnungen nur für die allernötigsten Erledigungen zu verlassen. 

Am Wochenende hatte das Winterwetter auch in Kanada den Flugverkehr beeinträchtigt. Alleine am Internationalen Flughafen von Toronto seien mehr als 60 Prozent der mehr als 900 Ankünfte und Abflüge gestrichen worden, schrieb die Zeitung «The Globe and Mail».

Wetter / Unwetter / Notfall / Strom / Verbraucher / USA / Wintersturm
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