Weiter keine Regierung in Kiew - Klitschko will Präsident werden

25. Februar 2014, 21:13 Uhr · Quelle: dpa

Kiew (dpa) - Streit zwischen den neuen Machthabern in der Ukraine: Trotz eines drohenden Staatsbankrotts konnten sich die bisherigen Oppositionsgruppen in Kiew auf keine Übergangsregierung einigen.

Das Parlament verschob die geplante Abstimmung kurzfristig auf Donnerstag. Die neue Führung ist vor allem uneins darüber, welches Mitspracherecht die Aktivisten vom Unabhängigkeitsplatz (Maidan) nach dem Umsturz bekommen sollen. Oppositionspolitiker Vitali Klitschko bekräftigte, dass er Präsident der Ex-Sowjetrepublik werden will.

Das Parlament in Kiew forderte den Internationalen Strafgerichtshof am Dienstag mit Nachdruck auf, dem entmachteten Präsidenten Viktor Janukowitsch wegen der Gewalt gegen Demonstranten den Prozess zu machen. Das Den Haager Tribunal müsse die Verantwortlichen für «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» ermitteln, hieß es.

Die ukrainische Staatsanwaltschaft schrieb den untergetauchten Janukowitsch zur Fahndung aus - wegen des Verdachts auf Massenmord. Bei den Straßenschlachten kamen seit November Schätzungen zufolge fast 100 Menschen ums Leben, zudem gab es rund 2000 Verletzte.

Die Partei von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko sprach sich dafür aus, Anführer der Straßenproteste in die künftige Regierung einzubinden. Arseni Jazenjuk von Timoschenkos Vaterlandspartei (Batkiwschtschina) kündigte an, es werde keine Hinterzimmerabsprachen geben. Der frühere Außenminister gilt selbst als Kandidat.

Übergangspräsident Alexander Turtschinow forderte, am Donnerstag müsse ein «Kabinett des nationalen Vertrauens» stehen. Die Maidan-Bewegung legte ihrerseits Bedingungen fest. Die 100 reichsten Ukrainer dürften keine Regierungsposten erhalten, hieß es in einer Erklärung. Notwendig seien mindestens sieben Jahre Berufserfahrung. Funktionäre der bisherigen Führung gelten als chancenlos.

Drei Monate vor der für den 25. Mai geplanten Präsidentenwahl begann die Registrierung der Kandidaten. Ex-Boxweltmeister Klitschko will antreten. «Ich bin völlig überzeugt davon, dass in der Ukraine die Spielregeln geändert werden müssen», sagte er. Es müsse Gerechtigkeit herrschen. Trotz der Kandidatur gilt als denkbar, dass Klitschko einen Ministerposten in einer künftigen Übergangsregierung übernimmt.

Auch Timoschenko, die mal mit und mal ohne ihren folkloristischen Haarkranz auftritt, hatte direkt nach ihrer Haftentlassung eine Bewerbung für das Präsidentenamt angekündigt.

Weiter war unklar, wo sich Janukowitsch aufhält. Zuletzt soll er auf der russisch geprägten Halbinsel Krim gesehen worden sein. Laut Opposition hat er die Todesschüsse auf Regierungsgegner in Auftrag gegeben. In Simferopol auf der Krim blockierten Hunderte prorussische Demonstranten das örtliche Parlament. Sie forderten ein Referendum über den Anschluss der Autonomen Republik Krim an Russland.

Moskau äußerte sich angesichts des Einflusses rechtsextremer Kräfte «tief besorgt» über die Zukunft des Nachbarn. Um die Ukraine wieder auf den Weg der Rechtstaatlichkeit zu bringen, müsse der Dialog zur Versöhnung beginnen, forderte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau.

Die nahezu bankrotte Ukraine braucht offenbar weit mehr Geld als gedacht. Die von Turtschinow genannten 35 Milliarden US-Dollar (rund 25,5 Milliarden Euro) reichten kaum bis Jahresende, sagte Jazenjuk. Russland stellte erneut weitere Finanzhilfen für Kiew infrage. Moskau sei «nicht verpflichtet», die restlichen Mittel aus dem im Dezember vereinbarten 15-Milliarden-Dollar-Paket freizugeben, sagte Vize-Finanzminister Sergej Storschak in Moskau.

Polens Außenminister Radoslaw Sikorski sprach sich dafür aus, das Vermögen der ehemaligen Führung in Kiew zu beschlagnahmen. Finanzhilfen waren auch Thema bei Gesprächen der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Kiew. Sie pochte auf Bedingungen: So müsse eine Übergangsregierung gebildet werden. Notwendig sei auch ein mit internationalen Organisationen abgesprochener Wirtschaftsplan.

Auch Deutschland forderte Zusagen. «Voraussetzung für Hilfen ist politische Stabilität und eine Übergangsregierung, mit der man verbindlich einen Hilfs- und Stabilisierungsplan entwickeln kann», sagte Außenamts-Staatsminister Michael Roth «Handelsblatt online». EU-Währungskommissar Olli Rehn befürwortete eine Geberkonferenz.

Das ukrainische Parlament beschloss, zeitgleich mit der Präsidentenwahl am 25. Mai auch Wahlen für den Kiewer Stadtrat und den Bürgermeister der Hauptstadt anzusetzen. Klitschko hatte sich zweimal vergeblich um den einflussreichen Posten bemüht, der seit Juli 2012 unbesetzt ist.

Eineinhalb Jahre nach einem von landesweiten Protesten begleiteten Prozess ließen die neuen Machthaber zwei Männer frei, die wegen Mordes an einem Richter verurteilt worden waren. Dmitri Pawlitschenko hatte dafür lebenslänglich erhalten, sein Sohn Sergej 13 Jahre Haft. Die Verurteilten hatten die Tat vehement bestritten und der Justiz Folter vorgeworfen. Während des Prozesses solidarisierten sich Tausende Fußballanhänger mit den beiden Fans von Dynamo Kiew.

Innenpolitik / Regierung / Ukraine
25.02.2014 · 21:13 Uhr
[5 Kommentare]
Sitz von BSI und BMI (Archiv)
Berlin - Die SPD warnt vor wachsenden Sicherheitsrisiken durch Künstliche Intelligenz (KI) und fordert ein KI-Lagezentrum beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Das geht aus einem Positionspapier der Innen- und Digitalpolitiker der SPD-Bundestagsfraktion hervor, aus dem das "Handelsblatt" berichtet. Das europäisch vernetzte […] (00)
vor 2 Minuten
Olivia Rodrigo
(BANG) - Olivia Rodrigo hat sich einen besonderen Fan-Traum erfüllt und dafür tief in die Tasche gegriffen. Die 23-jährige Sängerin ersteigerte ein legendäres Kleid von Meg White, Schlagzeugerin der Rockband 'The White Stripes'. Für das Vintage-Stück soll Rodrigo eine "exorbitante Summe" bezahlt haben. Das weiße Kleid des Labels Gunne Sax trug Meg White […] (00)
vor 2 Stunden
Studio von "Aktenzeichen XY..."
Frankfurt/Main (dpa) - Zum seit fast 30 Jahren ungeklärten Mord an Manfred Meisel, dem Gründer des «Bierkönigs» auf Mallorca, gibt es laut der Frankfurter Staatsanwaltschaft viele vielversprechende Hinweise. Die Tat war am Mittwochabend Thema in der ZDF-Fahndungssendung «Aktenzeichen XY... International». Bis Mitternacht seien deutlich mehr als 50 […] (00)
vor 1 Stunde
Cities: Skylines – Expanded Edition erscheint für Nintendo Switch 2
Paradox Interactive und Tantalus Media haben heute die Cities: Skylines – Expanded Edition angekündigt. Dabei handelt es sich um eine für die Nintendo Switch 2 optimierte Version des preisgekrönten Städtebau-Spiels von Colossal Order. Die Expanded Edition erscheint am 28. Oktober zum empfohlenen Verkaufspreis von 49 Euro und bietet verbesserte […] (00)
vor 14 Stunden
Hoffnung für ProSieben? Linda Zervakis kommt mit neuer Reportage
In einem ihrer letzten Interviews für die neue ProSieben-Dokumentation «HOPE» sprach Jane Goodall mit Linda Zervakis. In der neuen Dokumentation Linda Zervakis.HOPE geben Jane Goodall, Weltumsegler Boris Herrmann, Sängerin Stefanie Kloß, der Hanau-Überlebende Etris Hashemi, Rennfahrerin Sophia Flörsch, Para-Sportler Wojtek Czyz, Augenarzt Suman Thapa, Gründerin Günes Seyfarth, Hilfsprojekt- […] (00)
vor 1 Stunde
Frauen-Fußballnationalmannschaft - Training
Karlsruhe (dpa) - Nach dem Hype um Jürgen Klopp und seinen XXL-Kader bei der Männer-Nationalmannschaft starten die deutschen Fußballerinnen quasi als Gegenentwurf in ihre WM-Saison. Vor den beiden Heim-Länderspielen gegen Australien und Japan war der Medienandrang beim Training in Eppelheim überschaubar. In aller Ruhe - der größte Aufreger ist der […] (00)
vor 23 Minuten
1,52 Millionen AI-Anfragen pro Woche: OpenAI, Google und Meta plündern fremde Inhalte
Die stille Invasion: 1,52 Millionen KI-Anfragen pro Woche LinkDaddy LLC hat eine bemerkenswerte Datensammlung veröffentlicht, die das Ausmaß der automatisierten Inhaltserfassung durch führende Tech-Konzerne offenlegt. Der Clearwater-basierte SEO- und Digital-Marketing-Spezialist konnte über Cloudflare-Aufzeichnungen dokumentieren, dass identifizierte KI-Crawler in einer rollierenden Sieben-Tage- […] (00)
vor 1 Stunde
Weltmädchentag: Christen dürfen nicht schweigen, wenn Mädchen ihre Rechte vorenthalten werden
Berlin, 08.10.2026 (lifePR) - Wo Mädchen geringer geachtet, früh verheiratet, ausgebeutet oder ihrer Zukunft beraubt werden, braucht es mehr als Hilfe. Es braucht Widerspruch. Zum Weltmädchentag am 11. Oktober fordert die christliche Hilfsorganisation Samaritan’s Purse Christen dazu auf, deutlicher für die Würde, Freiheit und Zukunftschancen von Mädchen […] (00)
vor 1 Stunde
 
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Donnerstagmorgen schwach in den Handelstag gestartet. […] (00)
Matthias Miersch und Thorsten Frei am 07.10.2026
Berlin - Der Umgang mit den politischen Rändern hat nach Angaben von […] (00)
Patrick Lange
Kailua-Kona (dpa) - Patrick Lange macht sich schon auf eine schwere Wehmut-Attacke auf dem […] (00)
Hinrichtung in Tennessee
Washington (dpa) - Im US-Bundesstaat Texas ist ein wegen Mordes zu Tode verurteilter […] (00)
Genelec – Großer Klang für höchste Ansprüche präsentiert auf der Finest Audio Show
Großer Klang für höchste Ansprüche – Genelec präsentiert auf der Finest Audio Show […] (00)
GTA 6 kommt auch über die Cloud nicht auf den PC: Xbox räumt großes Gerücht ab
Grand Theft Auto VI wird zum Release am 19. November 2026 nicht über Xbox Cloud […] (00)
Die Zahlen erzählen die Geschichte Die Produktion im August stieg, doch nicht […] (00)
Cristiano Ronaldo
Porto (dpa) - Cristiano Ronaldo hat sein Schweigen beendet und mit einem langen […] (04)
 
 
Suchbegriff