Vatikan

Was passiert nach dem Tod des Papstes?

21. April 2025, 19:55 Uhr · Quelle: dpa
Wenn ein Papst stirbt, ist der Heilige Stuhl verwaist. Einen Stellvertreter hat der «Stellvertreter Christi» nicht. Was passiert, bis ein neuer Pontifex an der Spitze der katholischen Kirche steht?

Rom (dpa) - Nach dem Tod von Papst Franziskus stehen die mehr als 1,4 Milliarden Katholiken auf Erden ohne Führung da. Die Wahl eines Nachfolgers kann verhältnismäßig schnell erfolgen – oder sich über Wochen hinziehen. Ein Überblick, wie es nun weitergeht:

Warum hat der Papst keinen Stellvertreter?

Nach katholischem Kirchenrecht herrscht ein Papst uneingeschränkt und seine Macht ist unteilbar. Der Glaubenslehre zufolge ist er «Stellvertreter Jesu Christi» auf Erden und Nachfolger des Apostels Petrus, der noch von Jesus eingesetzt wurde. 

Das Wort Papst ist aus dem Griechischen abgeleitet: «pappas» bedeutet «Vater». Er ist auch Bischof von Rom, Primas von Italien und Oberhaupt des Vatikans, des kleinsten Staats der Welt. Oft wird er auch Pontifex genannt, wörtlich übersetzt: der Brückenbauer.

Was bedeutet Sedisvakanz?

So wird die Zeitspanne bis zur Wahl des neuen Papstes bezeichnet. Die Dauer lässt sich nicht genau vorhersagen. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und heißt wörtlich übersetzt «leerer Stuhl». Am Ablauf wurde über die Jahrhunderte immer wieder etwas geändert, aber die großen Linien stehen fest.

Der Tod wird vom Camerlengo, dem Kardinalkämmerer, gemeinsam mit den Ärzten festgestellt. Früher war es so, dass der Kämmerer dem leblosen Papst mit einem kleinen silbernen Hämmerchen dreimal sachte an die Stirn klopfte und seinen Taufnamen rief. Mangels Antwort wurde der Pontifex dann für tot erklärt. Bis heute wird dem Papst nach seinem Tod der Siegelring von der Hand gezogen und zerstört. Arbeitszimmer und Privatgemächer werden versiegelt.

Während der Sedisvakanz dürfen im Vatikan keinerlei wichtige Entscheidungen getroffen werden. Die laufenden Geschäfte werden von einem Kollegium aus Kardinälen geregelt. Dazu gehören insbesondere die Vorbereitungen der Trauerfeiern und der Beisetzung sowie die Wahl des Nachfolgers.

Wie sehen die Trauerfeierlichkeiten aus?

Das Kardinalskollegium bestimmt, wann und wie der Leichnam in den Petersdom zu überführen ist. Dort wird er aufgebahrt, damit Gläubige von ihm Abschied nehmen können. Die Trauerfeiern dauern neun Tage.

Die Bestattung ist in der Regel vier bis sechs Tage nach dem Tod. Zwar war es zuletzt üblich, dass die Verstorbenen im Petersdom auch ihr Grab haben. Doch anders als etwa seine Vorgänger Benedikt XVI. aus Bayern und Johannes Paul II. aus Polen wird Franziskus voraussichtlich nicht im Petersdom seine letzte Ruhe finden, sondern in der Basilika Santa Maria Maggiore, einem seiner Lieblingsorte. Zum Abschied werden Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erwartet.

Wie wird Franziskus' Nachfolger bestimmt?

Spätestens 20 Tage nach dem Tod sollen die Kardinäle aus aller Welt, die das 80. Lebensjahr bislang nicht überschritten haben, im Vatikan zum sogenannten Konklave erscheinen. Das Wort kommt aus dem Lateinischen: «cum clave», auf Deutsch: «mit dem Schlüssel». 

Über den neuen Pontifex können nun 135 Männer entscheiden. Mehr als 100 Kardinäle sind wegen Überschreitens der Altersgrenze außen vor.

Die Wahl des neuen Papstes findet strengstens abgeschirmt in der Sixtinischen Kapelle statt, unter den berühmten Deckenfresken Michelangelos. Jegliche Kommunikation nach außen, die mit der Papstwahl zu tun haben könnte, ist untersagt.

Das Konklave kann nach wenigen Stunden vorbei sein, aber auch Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern: Ein Zeitlimit gibt es nicht. Die längste Wahl begann im Herbst 1268. Erst nach zwei Jahren, neun Monaten und zwei Tagen gab es mit Gregor X. einen neuen Papst. Inzwischen geht es normalerweise aber recht zügig: Franziskus war 2013 nach etwas mehr als 26 Stunden und fünf Wahlgängen gewählt. Sein Vorgänger Benedikt XVI. stand 2005 nach vier Runden fest.

Wie setzt sich das Konklave zusammen?

Wahlberechtigt sind alle Kardinäle, die noch keine 80 Jahre alt sind – nach dem Papst die höchsten Würdenträger der Kirche. Die allermeisten der heute stimmberechtigten Kardinäle wurden von Franziskus ernannt. Einige wurden aber auch noch von Benedikt XVI. und Johannes Paul II. ausgesucht. Die größte Gruppe stammt aus Europa. Insbesondere Franziskus hat aber dafür gesorgt, dass andere Weltregionen viel stärker vertreten sind als früher.

Deutschland ist aktuell mit drei Kardinälen dabei: dem früheren Benedikt-Vertrauten Gerhard Ludwig Müller, dem Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, und dem Erzbischof von Köln, Rainer Maria Woelki.

Was passiert im Konklave?

Zur Wahl benötigt der neue Papst eine Zweidrittelmehrheit. Der erste Wahlgang in der Sixtinischen Kapelle findet zu Beginn am ersten Nachmittag statt. Der weitere Rhythmus an den folgenden Tagen besteht dann aus zwei Wahlgängen am Vormittag und zwei Wahlgängen am Nachmittag.

Auf den Stimmzettel schreibt jeder Kardinal «möglichst in verstellter, aber deutlicher Schrift» unter den Satz «Eligo in Summum Pontificem» («Ich wähle als obersten Brückenbauer») einen Namen und wirft ihn in die Wahlurne. Die Auszählung besteht dann darin, dass die Namen verlesen und Strichlisten gemacht werden. Anschließend werden alle abgegebenen Zettel auf einer Schnur aufgefädelt und verbrannt.

Dazu gibt es in der Sixtinischen Kapelle zwei gusseiserne Öfen. In den älteren der beiden Öfen, der seit 1939 in Gebrauch ist, kommen die Stimmzettel. Im anderen, der erstmals 2005 bei der Wahl Benedikts zum Einsatz kam, wird mit Hilfe von Chemikalien schwarzer oder weißer Rauch erzeugt. Die Abzüge münden beide im selben Schornstein, der auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle zu sehen ist. 

Hat keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit erreicht, steigt schwarzer Rauch auf. Weißer Rauch bedeutet: Wir haben einen neuen Papst. Manchmal erkennt man die Farbe anfangs nicht genau.

Falls sich das Konklave länger hinzieht, können Ruhetage eingelegt werden, damit die Kardinäle Zeit für Gebete, Nachdenken und Gespräche haben. Das Ganze kann sich auch zu einem ziemlichen Poker um die Macht entwickeln. Nach etwas mehr als 30 erfolglosen Wahlgängen ist eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen möglich.

Wie geht es nach der Wahl weiter?

Ist die erforderliche Mehrheit erreicht, wird der siegreiche Kandidat gefragt, ob er die Wahl annimmt. Das ist eigentlich Formsache, aber angeblich zögerte zum Beispiel Benedikt XVI. doch. Wenn der gewählte Kardinal Ja sagt, ist er neues Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche – und bleibt es, bis er stirbt oder, was fast nie vorkommt, zurücktritt. Das Konklave ist vorbei. Draußen werden zum weißen Rauch dann auch die Glocken geläutet.

Kurz darauf wird von der Loggia des Petersdoms der ganzen Welt verkündet: «Habemus papam» («Wir haben einen Papst»). Bei dieser Gelegenheit wird auch bekanntgegeben, welchen Namen sich der neue Papst ausgesucht hat. Von der Loggia aus erteilt er selbst zum ersten Mal den Apostolischen Segen «Urbi et Orbi» («der Stadt und dem Erdkreis»). Aus der wartenden Menschenmenge brandet dann stets großer Jubel auf.

Update: In einer früheren Version des Artikels war die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle falsch angegeben - es sind 135. Zudem wurde korrigiert, dass es sich bei den 135 um die Wahlberechtigten handelt, nicht aber um diejenigen, die theoretisch Pontifex werden können.
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21.04.2025 · 19:55 Uhr
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