Wall Street vor gordischem Knoten – Vor Jackson Hole und Zinssenkungen im Fokus
Am New Yorker Aktienmarkt zeichnen sich weiterhin kaum nennenswerte Bewegungen ab, da die Marktteilnehmer gespannt auf die bevorstehende Rede von Jerome Powell, dem Chef der US-Notenbank, am Freitag in Jackson Hole blicken. Viele Investoren halten sich vorerst zurück, um nicht in die Risikoecke gedrängt zu werden, insbesondere angesichts der hohen Marktbewertungen und der uneinheitlichen Signale aus dem US-Immobiliensektor, die bislang keine klaren Richtungen vorgegeben haben. Der Broker IG prognostizierte den Dow Jones Industrial Index im Vorfeld des Handelsstarts mit einem leichten Anstieg von 0,2 Prozent auf 44.989 Punkte, während der technologieorientierte Nasdaq 100 mit einem leichten Rückgang von 0,1 Prozent auf 23.691 Punkte erwartet wurde. Beide Indizes bewegen sich damit weiterhin dicht unter ihren jüngsten Höchstständen.
An den Geldmärkten wird spekuliert, dass die Fed im September und Ende des Jahres Zinssenkungen durchführt, um den schwächelnden Arbeitsmarkt zu stützen, obwohl die Inflationsrisiken verringert wirken. Die Analystin Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank merkt jedoch an, dass die Marktteilnehmer möglicherweise neue Gründe brauchen, um an den Aktien festzuhalten, da die Zinssenkungserwartungen größtenteils eingepreist sind. Die weit verbreiteten Marktunruhen in den Monaten von August bis Oktober sowie steigende langfristige Anleiherenditen könnten Investoren dazu verleiten, Gewinne abzuschöpfen.
Der geopolitische Hintergrund bleibt angespannt. Trotz jüngster Gespräche von US-Präsident Donald Trump mit den Führern Russlands und der Ukraine sowie europäischen Verbündeten sind keine bedeutenden Fortschritte in Richtung eines Endes des Ukraine-Krieges erzielt worden. Der russische Außenminister Sergej Lawrow reagierte reserviert auf die diplomatischen Bemühungen.
Unter den vorbörslich auffälligen Aktien sticht Intel heraus. Die Titel des Chipkonzerns legten um sechs Prozent zu, nachdem bekannt wurde, dass der japanische Technologie-Riese Softbank eingestiegen ist. Dies wird als strategischer Schritt angesehen, um den angeschlagenen US-Konzern zu unterstützen und zugleich Softbanks Chip-Geschäft zu stärken. Davor, angetrieben durch Gerüchte über eine mögliche US-Staatsbeteiligung, verzeichnete die Aktie bereits Kursgewinne, gefolgt von Gewinnmitnahmen.
Auch Palo Alto Networks konnte mit Aktiengewinnen von 6,7 Prozent glänzen, nachdem das Unternehmen einen weniger drastischen Ergebnisrückgang als erwartet vermelden konnte. Home Depot zeigte sich vorbörslich ebenfalls in guter Verfassung mit einem Kursplus von 1,6 Prozent. Die Baumarktkette kämpft zwar mit einer zurückhaltenden Nachfrage und Preisschwankungen durch die unberechenbaren US-Zollmaßnahmen, bleibt aber vorerst stabil.
Anders verlief es für Medtronic, deren Aktien um 3,2 Prozent sanken, da weder der Zwischenbericht noch die angepasste Gewinnprognose überzeugen konnten. Die geplante Aufnahme neuer unabhängiger Vorstandsmitglieder – eine Reaktion auf Elliott Investment Managements gestiegene Anteile - konnte den Kursverlust ebenfalls nicht vermeiden.

