Wall-Street-Millionen für einen Putschversuch: Wie ein Jane-Street-Mitgründer ins Visier der Justiz rückte
Ein ehemaliger Kindersoldat, ein Harvard-Stipendiat und ein schwer zugänglicher Wall-Street-Millionär: In einem Verfahren vor einem US-Bundesgericht trifft politische Ambition auf blinden Idealismus – und Millionen Dollar fließen in eine mutmaßliche Verschwörung zum Sturz der Regierung Südsudans. Der Vorwurf: Der Mitgründer des Handelshauses Jane Street, Robert Granieri, finanzierte unwissentlich einen versuchten Staatsstreich.
Die zentrale Figur des Falls ist Peter Ajak, einst prominenter Ökonom und Oppositionsaktivist Südsudans, der seit März 2024 wegen illegaler Waffenexportpläne in Arizona angeklagt ist. Gemeinsam mit Abraham Keech soll er versucht haben, schwere Waffen – darunter AK-47s, Stinger-Raketen und Handgranaten – zu beschaffen. Beide Männer plädieren auf nicht schuldig.
Das Geld dafür – rund sieben Millionen US-Dollar – kam laut Gerichtsdokumenten von Granieri, der angibt, getäuscht worden zu sein. „Der Mann, den Rob für einen Menschenrechtsaktivisten hielt, hat ihn betrogen und seine Absichten verschleiert“, erklärte sein Anwalt. Die erste Begegnung zwischen Granieri und Ajak soll in einem Apartmentgebäude in Midtown Manhattan stattgefunden haben. Bereits am nächsten Tag, so heißt es in den Anklageschriften, informierte Ajak per verschlüsselter Nachricht einen verdeckten Ermittler: „Wir bekommen das Geld.“
Die Finanzierung war zentral. Ohne Granieris Zusage wäre die mutmaßliche Verschwörung, so Ajaks Anwälte, nicht realisierbar gewesen. Neben dem Milliardär taucht auch der Name Garry Kasparov auf. Der russische Dissident und Schachweltmeister stellte einst den Kontakt zwischen Ajak und Granieri her, als er Vorsitzender der Human Rights Foundation war. Kasparov betont, seine Werte seien „klar und unverändert“ – die US-Justiz erhebt gegen ihn keine Vorwürfe.
Die Verteidigung wirft der Staatsanwaltschaft vor, selektiv gegen zwei Schwarze Männer vorzugehen, obwohl auch einflussreiche Unterstützer wie Granieri und Kasparov involviert waren. Parallel deuten Ajaks Anwälte an, dass US-Behörden über die Pläne informiert gewesen sein könnten. Eine „public authority“-Verteidigung steht im Raum. Laut Staatsanwaltschaft habe das State Department im Oktober 2023 jedoch klargestellt, dass keine Finanzierung für nicht-demokratische Regierungswechsel erfolge.
Trotzdem ging das Duo weiter vor – und inspizierte laut Anklage nur Wochen nach dem ersten Treffen mit Granieri ein Waffenlager in Phoenix. Wenig später wurden Ajak und Keech verhaftet.
Granieri, dessen Firma Jane Street im vergangenen Jahr 20,5 Milliarden Dollar Net Trading Revenue generierte, hatte sich über Jahre als diskreter Unterstützer für Menschenrechtsprojekte etabliert. Die Ironie: Ausgerechnet seine Spendenbereitschaft könnte nun als unwissentlicher Katalysator für eine internationale Verschwörung gewertet werden.

