Wahlen in der Ukraine: Ein Balanceakt zwischen Sicherheit und Demokratie
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigt sich bereit, in einem Zeitraum von 60 bis 90 Tagen Wahlen abzuhalten, sofern die USA und Europa die nötige Sicherheit inmitten des anhaltenden Krieges mit Russland garantieren können. In einem Gespräch mit Journalisten erklärte Selenskyj seine Entschlossenheit und wandte sich zugleich an die Abgeordneten seiner Fraktion, um die notwendigen Gesetzesänderungen vorzubereiten. Diese sind erforderlich, da das bestehende Kriegsrecht in der Ukraine Wahlen untersagt.
Fragen der Sicherheit und der Anpassung des Wahlgesetzes stehen im Vordergrund. Das ukrainische Gesetz sieht bislang vor, dass erst nach Aufhebung des Kriegsrechts Wahlen möglich sind, während Verfassungsänderungen in dieser Phase untersagt sind. Seit Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 fanden im Land keine regulären Wahlen statt. Die Amtszeiten wichtiger politischer Ämter nähern sich jedoch ihrem Ende: Die des Präsidenten im Mai 2024 und die des Parlaments im August 2024.
Vergleichbare Regelungen existieren in vielen Ländern weltweit. So endet in Deutschland eine Wahlperiode des Bundestags bei einem Verteidigungsfall erst sechs Monate nach dessen Beendigung. US-Präsident Donald Trump hatte derweil zuvor Selenskyj aufgefordert, Wahlen abzuhalten, und ihn als 'Diktator' bezeichnet – in einer Rhetorik, die den Kreml-Positionen ähnelt.
Gleichzeitig äußert die Ukraine Bedenken, dass Russland versuchen könnte, die Wahlen zu manipulieren, um eine kremlfreundliche Regierung zu etablieren. Eine entscheidende Frage bleibt, wie die Wahlbeteiligung der mehr als 5,8 Millionen Flüchtlinge und der Bürger in von Russland kontrollierten Gebieten sichergestellt werden kann.

