Automobilindustrie

VW will sparen: Werksschließungen und Entlassungen drohen

02. September 2024, 19:36 Uhr · Quelle: dpa
Volkswagen verschärft seinen Sparkurs. Werksschließungen und Entlassungen werden nicht mehr ausgeschlossen. Betriebsrat und Gewerkschaft sind entsetzt.

Wolfsburg (dpa) - Die Situation bei Europas größtem Autobauer Volkswagen spitzt sich zu. Im Rahmen seines Sparprogramms schließt die Kernmarke VW jetzt auch Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen nicht länger aus, wie das Unternehmen nach einer Führungskräftetagung mitteilte. Die mit dem Betriebsrat geschlossene Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung werde aufgekündigt. Sie schloss betriebsbedingte Kündigungen bis 2029 aus. Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaft zeigten sich entsetzt.

Aus Sicht des Vorstands müssen die Kernmarken VW umfassend restrukturiert werden, hieß es. «Auch Werkschließungen von fahrzeugproduzierenden und Komponenten-Standorten können in der aktuellen Situation ohne ein schnelles Gegensteuern nicht mehr ausgeschlossen werden.» Zudem reiche der bisher geplante Stellenabbau durch Altersteilzeit und Abfindungen nicht mehr aus, um die angepeilte Einsparziele zu erreichen. 

IG Metall und Betriebsrat machen gegen Pläne mobil

Gewerkschaft und Betriebsrat kündigten umgehend massiven Widerstand an. Die Pläne seien «ein Angriff auf unsere Beschäftigung, Standorte und Tarifverträge», hieß es in einer Sonderausgabe der Betriebsratszeitung «Mitbestimmen». Dagegen werden wir uns erbittert zur Wehr setzen», erklärte Betriebsratschefin Cavallo. «Mit mir wird es keine VW-Standortschließungen geben!» Niedersachsens IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sprach von einem «unverantwortlichen Plan», der die «Grundfesten von Volkswagen erschüttert».

Konkreten Zahlen, wie viele der rund 120.000 Stellen in Deutschland wegfallen könnte, nannte VW auf Nachfrage bisher nicht. Auch zu möglichen Standorten, die geschlossen werden könnten, gab es noch keine Angaben. Nach Angaben des Betriebsrats hält der Markenvorstand aber mindestens ein Fahrzeugwerk und eine Komponentenfabrik in Deutschland für entbehrlich.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil forderte VW auf, Standortschließungen zu vermeiden. Dass bei VW Handlungsbedarf bestehe, sei unstreitig, sagte der SPD-Politiker, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, laut Mitteilung. VW müsse aber zunächst alle anderen Möglichkeiten zur Kostensenkung prüfen. «Dabei erwarten wir, dass sich die Frage einer Schließung von Standorten durch die erfolgreiche Nutzung von Alternativen schlichtweg nicht stellt. Die Landesregierung wird darauf ein besonderes Augenmerk legen.»

Erste Werksschließung seit mehr als 30 Jahren

Die letzte Schließung eines Produktionsstandorts liegt bei VW mehr als 30 Jahre zurück: 1988 hatte VW seine Fabrik in Westmoreland in den USA dicht gemacht. In Deutschland wurde noch nie ein VW-Werk geschlossen. Neben dem Stammwerk in Wolfsburg unterhält VW Fabriken in Hannover, Emden, Osnabrück, Braunschweig, Salzgitter, Kassel, Zwickau, Dresden und Chemnitz. Die Tochter Audi hatte jüngst bereits ihr Werk in Brüssel auf den Prüfstand gestellt.

Konzernchef Oliver Blume begründete den Kurs mit der sich zuspitzenden Lage. «Die europäische Automobilindustrie befindet sich in einer sehr anspruchsvollen und ernsten Lage. Das wirtschaftliche Umfeld hat sich nochmals verschärft», sagte er laut Mitteilung. Um die angepeilten Ergebnisverbesserungen von zehn Milliarden Euro bis 2026 zu erreichen, müssten die Kosten nun stärker als bisher geplant sinken. «Der Gegenwind ist deutlich stärker geworden», sagte Markenchef Thomas Schäfer laut Mitteilung. «Wir müssen deshalb jetzt noch mal nachlegen und die Voraussetzungen schaffen, um langfristig erfolgreich zu sein.» Laut «Handelsblatt» geht es um bis zu vier Milliarden Euro, die zusätzlich eingespart werden müssen.

Konflikt zwischen Blume und Betriebsrat

Erstmals seit dem Amtsantritt von Olive Blume vor fast genau zwei Jahren steuert VW auf einen massiven Konflikt mit der Arbeitnehmerseite zu. Anders als sein Vorgänger Herbert Diess, der regelmäßig mit dem mächtigen Betriebsrat aneinander geraten war, hatte Blume sich bisher weitgehend geräuschlos mit dem Betriebsrat abgestimmt. Die konkreten Sparmaßnahmen überließ er seinen Markenvorständen. Jetzt forderte Betriebsratschefin Cavallo ihn auf, sich direkt in die Diskussion um die Marke einzubringen. Das Problem der Kernmarke sei am Ende auch das Problem des Konzernchefs.

Mit der Ankündigung habe der Vorstand den bisher geltenden Grundkonsens aufgekündigt, dass Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung bei Volkswagen gleichberechtigte Ziele seien, kritisierte Cavallo. «Für uns ist das eine Zeitenwende», sagte sie am Abend bei einer Pressekonferenz vor dem Werkstor. Das Unternehmen müsse sich auf eine wieder härter werdende Auseinandersetzung einstellen, «weil einfach die Grundfesten erschüttert sind». Auf der Betriebsversammlung am Mittwoch rechne sie mit lautstarken Unmutsäußerungen aus der Belegschaft. «Ich glaube, dass es auf der Betriebsversammlung ungemütlich werden wird für die Vorstände.»

Kernmarke seit Jahren Sorgenkind

Die Kernmarke Volkswagen hat seit Jahren mit hohen Kosten zu kämpfen und liegt bei der Rendite weit hinter Konzernschwestern wie Skoda, Seat und Audi zurück. Ein 2023 aufgelegte Sparprogramm sollte hier die Wende bringen, das Ergebnis bis 2026 um zehn Milliarden Euro verbessern. Unter anderem sollen die Personalkosten in der Verwaltung um 20 Prozent sinken. Beim Personalabbau setzte VW bisher auf Altersteilzeit und Abfindungen, entsprechende Programme wurden im Frühjahr noch einmal ausgeweitet und 900 Millionen Euro für Abfindungen von bis zu 474.000 Euro für besonders lang gediente Mitarbeiter zurückgelegt.

Sinkende Verkaufszahlen, der stockende Hochlauf der Elektromobilität und neue Konkurrenz aus China machen der Branche insgesamt zu schaffen. Bei VW brach der Konzerngewinn nach Steuern im ersten Halbjahr um 14 Prozent ein, bei Mercedes-Benz sogar um fast 16 Prozent. BMW verdiente im zweiten Quartal acht Prozent weniger. Der Zulieferer ZF kündigte nach einem Gewinnrückgang an, bis Ende 2028 in Deutschland zwischen 11.000 und 14.000 Stellen zu streichen. Continental will sein schwächelndes Autozuliefergeschäft womöglich komplett abspalten und an die Börse bringen.

Automobilindustrie / Niedersachsen / Deutschland / Hessen / Sachsen
02.09.2024 · 19:36 Uhr
[38 Kommentare]
Andrej Ilic (Archiv)
Berlin - Im ersten Sonntagsspiel des 28. Bundesliga-Spieltags haben sich Union Berlin und der FC St. Pauli 1: 1 getrennt. Die Partie begann zunächst besser für die Gäste - in der 25. Minute brachte Mathias Pereira Lage sie mit einem sehenswerten Volley aus 25 Metern in Führung. Dabei dominierte Union in der ersten Halbzeit eigentlich das Spielgeschehen, […] (01)
vor 31 Minuten
Patrice Aminati
(BANG) - Patrice Aminati gibt ein trauriges Gesundheits-Update. Die Influencerin erhielt vor über drei Jahren eine schlimme Diagnose: Sie leidet an schwarzem Hautkrebs. Seit einiger Zeit wird sie palliativ behandelt – die Krankheit gilt nicht mehr als heilbar. Nun macht die 30-Jährige beunruhigende Neuigkeiten öffentlich: Sie befindet sich […] (01)
vor 5 Stunden
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 21 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 19 Stunden
«plan b»: Neue Ideen gegen die Wohnungsnot
Die ZDF-Doku zeigt, wie kreative Konzepte den angespannten Wohnungsmarkt entlasten sollen. Am Sonntag, 3. Mai 2026, um 15.30 Uhr widmet sich die ZDF-Reihe plan B einem der drängendsten Probleme in Deutschland: der Wohnungsnot. Die Ausgabe „Gesucht? Gefunden! Schluss mit der Wohnungsnot“ ist bereits seit dem 29. April im Streaming verfügbar. Die Dokumentation von Brianna Lache macht deutlich, […] (00)
vor 4 Stunden
1. FC Union Berlin - FC St. Pauli
Berlin (dpa) - Der 1. FC Union Berlin hat den FC St. Pauli im Abstiegskampf der Bundesliga auf Distanz gehalten. Im Stadion An der Alten Försterei trennten sich der Hauptstadtclub und die Hamburger 1: 1 (0: 1). Bei sechs noch ausstehenden Spielen bleibt Unions Vorsprung auf die Kiezkicker auf dem Relegationsplatz 16 so bei komfortablen sieben Punkten. […] (00)
vor 32 Minuten
kostenloses stock foto zu bargeldersatz, bitcoin, bitcoin-einführung
Die jüngsten Äußerungen und Aktionen von US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit dem Konflikt mit Iran sorgen weiterhin für Aufsehen. In den letzten 24 Stunden gab es erneut kontroverse Entwicklungen. Aktuelle Entwicklungen im Konflikt Obwohl das Wochenende in Bezug auf die Kursbewegungen von Bitcoin ruhig verlief, gab es auf der politischen […] (00)
vor 31 Minuten
Diabetes: Wenn der Blutzucker aus dem Gleichgewicht gerät
Höchst i. Odw., 05.04.2026 (lifePR) - Diabetes mellitus gehört zu den großen Volkskrankheiten unserer Zeit. Millionen Menschen in Deutschland und weltweit leben mit der Diagnose Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch einen gestörten Zuckerstoffwechsel, bei dem der Körper entweder zu wenig Insulin produziert oder die Zellen […] (00)
vor 9 Stunden
 
US-Flagge (Archiv)
Washington - Das letzte vermisste Besatzungsmitglied des abgestürzten F-15E-Kampfjets […] (02)
Lars Klingbeil (Archiv)
Berlin - Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant eine neue Milliarden- […] (00)
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump beschreibt die Rettung des im Iran nach […] (01)
Mann stirbt nach Polizeischüssen bei Verfolgungsfahrt
Saarbrücken (dpa) - Bei einer Verfolgungsfahrt in Saarbrücken ist ein 22-Jähriger […] (03)
Erstes Apple iPad wurde 16 Jahre alt
Vor genau 16 Jahren begann eine neue Ära in der […] (00)
John Lithgow
(BANG) - John Lithgow ist der Meinung, dass die Ansichten von J. K. Rowling zu Trans- […] (00)
Rohstoffmärkte unter Druck: Kupfer und Öl verlieren an Momentum
Kupferpreise erreichen mehrmonatige Tiefstände Der Kupfermarkt zeigt derzeit […] (00)
«aspekte»: Biennale von Venedig im Fokus
Die ZDF-Kultursendung reist zur 61. Biennale von Venedig und beleuchtet Kunst im Spannungsfeld […] (00)
 
 
Suchbegriff