Investmentweek

VW verabschiedet sich leise von Wolfsburg

21. April 2025, 10:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Auf der Automesse in Shanghai zeigt Volkswagen seine erste komplett in China konzipierte E-Auto-Generation. Doch hinter den Kulissen geht es um weit mehr: einen Strategiewechsel, der das Machtzentrum des Konzerns verschiebt.

Die Autos kommen aus Hefei – nicht mehr aus Niedersachsen

Wolfsburg verliert an Einfluss. Was auf den ersten Blick nach einem weiteren E-Auto-Debüt auf der Shanghai Auto Show aussieht, ist in Wahrheit ein tiefgreifender Kurswechsel bei Volkswagen. Zum ersten Mal stellt der Konzern Fahrzeuge vor, die nicht mehr in Deutschland entwickelt wurden – sondern in China, für China. Neue Designs, neue Plattform, neue Software. Alles lokal, alles eigenständig. Und das ist kein Ausrutscher, sondern Programm.

Chinachef Ralf Brandstätter spricht von „Liefermodus“, Konzernlenker Oliver Blume nennt es einen Meilenstein. In Wahrheit ist es eine Abkehr von der bisherigen DNA des Konzerns – einer DNA, in der Wolfsburg bisher als Entwicklungszentrale unantastbar galt.

Was Wolfsburg in 50 Monaten macht, schafft Peking in 30

Mit der neuen „China Scalable Platform“ (CSP) will VW beweisen, dass Entwicklung auch schlanker geht. Während die europäische SSP-Plattform im eigenen Haus als überfrachtet gilt – und sich intern bereits um Jahre verspätet –, liefert das chinesische Team pünktlich: 2027 sollen die ersten CSP-Modelle vom Band laufen. Zum Vergleich: In Wolfsburg wird für ähnliche Projekte mit bis zu 50 Monaten Entwicklungszeit gerechnet. In China sind es 30.

Der Grund ist strukturell. In Deutschland stehen sich Marken wie VW, Audi und Porsche bei konzernweiten Plattformen regelmäßig gegenseitig im Weg – Markenegoismen, wie es ein Insider nennt. In China dagegen ist VW bei CSP alleiniger Taktgeber. Keine Gremien, keine Abstimmungen über vier Hierarchiestufen hinweg. Dafür Tempo.

Das technologische Herz wandert nach Osten

Die technische Architektur wird künftig nicht mehr nur in Europa definiert. Mit CSP entsteht eine Plattform, die sowohl vollelektrische Modelle als auch Range-Extender (EREV) unterstützt – also Fahrzeuge, bei denen ein kleiner Verbrenner die Batterie auflädt. Diese Antriebskonzepte gelten in Europa als Übergangslösung. In China dagegen sind sie politisch erwünscht und technisch relevant.

Volkswagen nutzt China zunehmend als Exportbasis – ein strategischer Schachzug gegen sinkende Inlandsnachfrage.

VW baut diese Plattform vollständig im ostchinesischen Hefei – ein Forschungs- und Entwicklungszentrum, das längst mehr ist als ein Ableger: Es ist der neue Taktgeber für das China-Geschäft, vielleicht sogar für das Unternehmen insgesamt.

Eine eigene Software, ohne Partner – ein Novum bei VW

Bisher setzte Volkswagen in China auf Kooperationen, vor allem bei der Software. Doch mit CSP soll auch das Betriebssystem komplett intern entwickelt werden. Ein Konzernsprecher in China bestätigte entsprechende Pläne.

Das ist bemerkenswert, weil VW in Europa jahrelang mit Problemen in der eigenen Softwaretochter Cariad kämpfte. In China scheint die Strategie eine andere zu sein: weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung – und vor allem: weniger deutsche Kontrolle.

BYD ist nicht das Ziel – aber der Taktgeber

Der wirtschaftliche Druck ist enorm. Seit 2023 ist BYD Marktführer in China – nicht nur vor Volkswagen, sondern inzwischen vor dem gesamten Konzern. VW hat darauf bisher wenig Antwort gefunden: Die E-Auto-Auslieferungen sanken zuletzt um 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch bei Verbrennern verliert der Konzern Marktanteile.

Die Reaktion: Lokale Plattformen wie CMP und CSP, schnellere Zyklen, lokale Designs. CMP – die „Compact Main Platform“ – wurde zwei Monate früher fertig als geplant. Für CSP ist nun Tempo das oberste Ziel. Volkswagen weiß: Wer in China heute liefert, ist morgen schon zu spät.

VW sucht neue Märkte für seine China-Autos

Während Europa über Abhängigkeit von China diskutiert, bereitet sich Volkswagen auf eine neue Rolle seiner Werke dort vor: als Exportdrehscheibe. Erste Fahrzeuge gehen bereits nach Vietnam, demnächst sollen Märkte wie Usbekistan, Kasachstan oder Länder in Afrika folgen. Es ist die stille Hoffnung, die Überkapazitäten von mehr als einer Million Fahrzeugen jährlich in China auszugleichen.

Was auffällt: Die Plattform selbst wird wohl nicht nach Europa kommen. Zu groß sind politische Risiken, Datenschutzdebatten und regulatorische Barrieren für chinesische Softwarekomponenten. Doch einzelne Bauteile könnten perspektivisch in die globale SSP einfließen – so zumindest der Plan.

Die Frage, die in Wolfsburg niemand laut stellt

Wenn China in Eigenregie entwickelt, produziert, exportiert – was bleibt dann von Wolfsburgs Führungsrolle? Die Antwort fällt in China nüchtern aus: Man sei „zufrieden mit dem aktuellen Setup“, heißt es offiziell. Inoffiziell ist klar: Die Konzernzentrale beobachtet genau, wie sich die Machtverhältnisse verschieben. Denn CSP ist nicht nur ein Plattformprojekt. Es ist ein Signal.

Ein Signal, dass Innovation dort entsteht, wo der Markt am härtesten ist. Und dass Wolfsburg in diesem Rennen nur dann relevant bleibt, wenn es liefert. Nicht PowerPoint, sondern Produkt.

Finanzen / Automobile
[InvestmentWeek] · 21.04.2025 · 10:00 Uhr
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