Vorsicht auf hoher See: US-Handelsschiffe im Visier iranischer Streitkräfte
Die jüngsten Mitteilungen des US-Verkehrsministeriums lassen die Wellen im internationalen Schiffsverkehr aufhorchen. Amerikanischen Handelsschiffen wird explizit zur Vorsicht bei der Passage durch die strategisch bedeutende Straße von Hormus und den Golf von Oman geraten. Hintergrund dieser Warnung: Berichte über Übergriffe iranischer Streitkräfte, die angeblich versucht haben, amerikanische Handelsschiffe mit kleinen Booten und Hubschraubern in den iranischen Hoheitsgewässern zu kapern. Solche Vorfälle haben offenbar eine längere Vorgeschichte, in der kommerzielle Schiffe Gefahr liefen, von iranischen Sicherheitskräften "angehalten, befragt, geentert, festgesetzt oder beschlagnahmt" zu werden.
Um Risiken zu minimieren, empfiehlt das Ministerium den Kapitänen der Handelsschiffe, sich bei ihrer Routenplanung strategisch geschickt zu bewegen. Konkret soll eine Passage möglichst nah an den Hoheitsgewässern des Oman erfolgen, um den brisanten iranischen Zonen aus dem Weg zu gehen. Diese präventiven Maßnahmen gelten zumindest bis Anfang August und sind eine Reaktion auf die geopolitischen Spannungen in der Region.
Die Straße von Hormus ist nicht einfach nur eine Meerenge, sondern ein unverzichtbarer Knotenpunkt der globalen Energieversorgung. Knapp 30 Prozent des weltweiten Schiffsöls und rund 20 Prozent des Flüssiggashandels passieren diese Route, so die Internationale Energie-Agentur (IEA). Die Primärabnehmer dieses Energieguts sind vor allem China, Indien und andere aufstrebende asiatische Wirtschaftsmächte. Trotz der geopolitischen Unsicherheiten bleibt die Straße von Hormus eine der wichtigsten Lebensadern für den internationalen Seehandel, der allerdings ohne zentrale Kontrollinstitution auskommen muss – ein grundlegender Unterschied zu regulierten Wasserstraßen wie dem Suezkanal. Hier säumen die Schiffswege die Hoheitsgewässer des Irans und des Omans.

