Vorschlag für den Wohnungsbau: Einfacher bauen für bezahlbaren Wohnraum
Angesichts der angespannten Lage im deutschen Wohnungsbau plädieren sieben führende Verbände der Branche für ein Umdenken. Die aktuelle Praxis, häufig Wohnungen im Goldstandard zu errichten, stoße aufgrund hoher Kosten an ihre Grenzen. Eine Umstellung auf vereinfachte Bauweisen könne dazu beitragen, Wohnungen erschwinglicher zu machen und dem Mangel effektiv entgegenzuwirken, so die Forderung der Verbände in Berlin. Der Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko, kritisierte die staatliche Förderpolitik, die teures Bauen favorisiere und forderte stattdessen eine Konzentration auf den 'bezahlbaren Schwarzbrot'-Wohnungsbau.
Die Krise im Sektor wird durch dramatische Rückgänge bei den Baugenehmigungen manifest. Verglichen mit 2023, erwarten Experten des Forschungsnetzwerks Euroconstruct im Jahr 2026 einen massiven Einbruch auf lediglich 175.000 neue Wohneinheiten. Aktuell besteht ein Defizit von rund 800.000 Wohnungen. Laut einer Analyse des Bauforschungsinstituts Arge sind die Baukosten in Großstädten binnen vier Jahren um 42 Prozent gestiegen.
Besonders überhöhte Standards im Bereich Schallschutz und Energieeffizienz stehen in der Kritik. Dirk Salewski, Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, spricht von einem Hang zu unnötigem 'Zuckerguss'. Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, betont, dass einfachere Baulösungen wie dünnere Decken oder der Verzicht auf Balkone und Aufzüge erhebliche Kosteneinsparungen mit sich brächten.
Die Forderung nach einem Umdenken wird durch eine Studie unterstützt, die besagt, dass viele der gegenwärtigen Baustandards verzichtbar seien und einer effektiven Klimapolitik nicht im Wege stünden. Bauministerin Klara Geywitz kündigt bereits an, einen Gebäudetypus mit reduzierten Vorschriften zu entwickeln.
Das wirtschaftliche Gewicht der Wohnungsbau-Branche ist immens. Die Beratungsfirma DIW Econ prognostiziert, dass der Rückgang im Wohnungsbau eine erhebliche Belastung für die deutsche Wirtschaft darstellen und massive Steuermindereinnahmen verursachen könnte.
Das Verbändebündnis Wohnungsbau appelliert an die Politik, eine Sonderförderung zu etablieren und fordert 23 Milliarden Euro jährlich für den Bau von Sozial- und bezahlbaren Wohnungen, um die Krise abzumildern. Wirtschaftsminister Robert Habeck betont die essenzielle Bedeutung der Wohnungswirtschaft für einen wirtschaftlichen Aufschwung. (eulerpool-AFX)

