Vitalik Buterin: Bitcoin-Maximalisten hatten recht – Aufruf zu einem neuen „Souveränen Web“

Vitalik Buterin, Mitbegründer von Ethereum, äußerte am 10. Januar, dass Bitcoin-Maximalisten in Bezug auf digitale Souveränität weitgehend richtig lagen. Er argumentierte, dass das heutige Internet zunehmend von Unternehmen kontrolliert wird, was die Macht der Nutzer schleichend schwächt.
Buterin betrachtet Souveränität nicht nur als Widerstand gegen Regierungen, sondern als Kampf um den Schutz von Privatsphäre, Aufmerksamkeit und Autonomie vor profitorientierten Online-Plattformen.
Vom offenen Web zum souveränen Web
Buterins Kommentare erfolgten als Reaktion auf einen Beitrag von Tom Kruise, der prognostizierte, dass sich das Internet in drei Teile aufspalten würde: ein „offenes Web“, ein stark kontrolliertes „Festungs-Web“ und ein kleineres, verschlüsseltes „souveränes Web“, das auf Vertrauen basiert.
Buterin stimmte etwa 60% dieser Prognose zu und hob hervor, was er als lange übersehenen Unterschied zwischen nutzerkontrollierten Systemen und dem, was er als „Corposlop“ bezeichnete, ansah.
Er beschrieb „Corposlop“ als eine Mischung aus Unternehmensmacht, polierter Markenführung und Verhaltensweisen, die leise gegen die Nutzer arbeiten. Beispiele hierfür sind aufmerksamkeitsheischende soziale Feeds, großangelegte Datenerfassung, geschlossene Plattformen, die Links zu Konkurrenten blockieren, und sich wiederholende, risikoscheue Medieninhalte. Laut Buterin scheinen diese Systeme auf den ersten Blick hilfreich, entziehen den Nutzern jedoch langsam die Wahlmöglichkeiten.
Der Ethereum-Entwickler erklärte, dass frühe Bitcoin-Unterstützer dieses Risiko bereits vor Jahren erkannten. Ihr Widerstand gegen ICOs, alternative Token und komplexe Anwendungen basierte darauf, Bitcoin unabhängig zu halten, anstatt es in Unternehmensanreize einzubinden. Allerdings kritisierte er, dass sie sich zu sehr auf strikte Grenzen oder staatlichen Druck verließen, anstatt auf Werkzeuge, die die Freiheit der Nutzer erweitern.
Wie das souveräne Web aussehen könnte
Für die Zukunft skizzierte Buterin, was ein nutzerzentriertes Internet priorisieren sollte. Dazu gehören lokal ausgerichtete Apps, die den Datenaustausch begrenzen, soziale Plattformen, die den Menschen direkte Kontrolle über das geben, was sie sehen, und Finanzinstrumente, die extrem risikoreiches Verhalten vermeiden. Er unterstützte auch offene, datenschutzorientierte KI-Systeme, die menschliche Arbeit unterstützen, anstatt sie zu ersetzen.
Zac Williamson, Gründer der datenschutzorientierten Blockchain Aztec, teilte diese Ansichten und argumentierte, dass die Aufmerksamkeitsökonomie das gemeinsame Verständnis geschwächt und Nutzer zu Produkten gemacht habe. Während Williamson warnte, dass die Veränderung von Anreizen Konflikte und Kompromisse mit sich bringen wird, stimmte er zu, dass Kryptographie und dezentrale Systeme einen Weg nach vorn bieten.
Einige Stimmen in der Gemeinschaft bleiben vorsichtig. Mark Paul schrieb, dass Krypto als Alternative zur unternehmenslastigen Technologie begann, aber oft deren Muster wiederholt hat. Er schlug jedoch vor, dass der Sektor diese Phase möglicherweise noch überwinden könnte.
Für Buterin ist die Herausforderung nun sowohl kulturell als auch technisch, mit dem Ziel, Werkzeuge zu entwickeln, die Privatsphäre respektieren, Manipulation widerstehen und den Menschen Raum geben, eigenständig zu denken und zu handeln. Seine abschließende Botschaft war einfach: Systeme ablehnen, die die Handlungsfähigkeit entziehen, und sich zu Software verpflichten, die die Kontrolle zurück in die Hände der Nutzer legt.

