Vertrauter Timoschenkos wird Übergangspräsident der Ukraine

23. Februar 2014, 15:16 Uhr · Quelle: dpa

Kiew (dpa) - Nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch besetzen die neuen Machthaber in Kiew mit Volldampf die wichtigsten Posten in der krisengeschüttelten Ukraine. Das Parlament bestimmte am Sonntag seinen neuen Chef Alexander Turtschinow zugleich zum Übergangspräsidenten.

Die Abgeordneten votierten dafür, dem Vertrauten von Oppositionsführerin Julia Timoschenko vorübergehend die Vollmachten des Staatschefs zu übertragen. Die Ex-Regierungschefin war am Vortag nach rund zweieinhalb Jahren aus ihrer umstrittenen Haft entlassen worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte Timoschenko in einem Telefonat zu ihrer Freilassung. Die CDU-Chefin halte die Rückkehr der 53-Jährigen in die Politik für einen der wichtigsten Faktoren zur Stabilisierung der Lage in der Ex-Sowjetrepublik, teilte Timoschenkos Vaterlandspartei (Batkiwschtschina) am Sonntag mit.

Das Parlament hatte bereits Präsidentenwahlen für den 25. Mai angesetzt. Dann will auch Timoschenko kandidieren. Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko hatte schon vor Monaten seine Bewerbung angekündigt. Der abgesetzte Staatschef Janukowitsch hat jedoch bisher nicht seinen Rücktritt erklärt. Unklar war weiter, wo sich der 63-Jährige derzeit aufhält.

Turtschinow rief die Parlamentarier dazu auf, sich bis Dienstag auf ein «Kabinett des nationalen Vertrauens» sowie eine Koalition zu einigen. Timoschenko teilte mit, sie werde sich nicht um das Amt der Regierungschefin bewerben. Ein Kandidat ist ihr Fraktionschef Arseni Jazenjuk.

Die in Haft erkrankte Timoschenko hielt am Samstagabend - nur Stunden nach ihrer Freilassung - eine emotionale Rede vor mehr als 100 000 Menschen auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew. Sie saß dabei im Rollstuhl.

Der kommissarische Innenminister Arsen Awakow teilte mit, 64 bei Protesten festgenommene Regierungsgegner seien auf freien Fuß gesetzt worden. Zudem habe er interne Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs gegen 30 Mitglieder seiner Behörde einleiten lassen, sagte Awakow. Dabei gehe es um ihre Rolle bei den blutigen Straßenkämpfen zwischen Sicherheitskräften und Regierungsgegnern in Kiew, bei denen seit Dienstag mindestens 82 Menschen getötet worden waren.

Der bisherige Regierungschef Nikolai Asarow war Ende Januar auf Druck der Opposition zurückgetreten. Seine Minister waren seither nur noch kommissarisch im Amt. Sie wurden am Sonntag offiziell vom Parlament gefeuert. Die Regierungsgegner hatten in der Nacht zu Samstag die Kontrolle in Kiew übernommen. Die bisherige Regierungspartei machte Januowitsch und seine engsten Vertrauten in einer Mitteilung persönlich für die Lage im Land verantwortlich.

Nach der Rückkehr Timoschenkos gibt es auch in Russland Hoffnung auf eine stabilere Lage im Nachbarland. Die erfahrene Politikerin könnte die Situation in Kiew beruhigen helfen, sagte der einflussreiche Abgeordnete Leonid Sluzki in Moskau. Dem Westen werde es nicht gelingen, die «Brudervölker zu entzweien», betonte er. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen forderte angesichts der politischen Neuordnung in der Ukraine die Menschen dazu auf, nun friedlich die Zukunft ihres Landes zu bestimmen.

Übergangspräsident Turtschinow sagte, die wirtschaftliche Lage der Ukraine sei «katastrophal». Der Internationale Währungsfonds IWF zeigte sich bereit, das nahezu bankrotte Land zu unterstützen. «Wenn die ukrainischen Behörden sich an den IWF wenden, sei es mit der Bitte um Beratung, sei es wegen Diskussionen über finanzielle Hilfen, gekoppelt an Wirtschaftsreformen, stehen wir selbstverständlich bereit», sagte IWF-Chefin Christine Lagarde in Sydney beim Treffen der G20-Finanzminister. Nötig seien aber legitimierte Gesprächspartner.

Auf frisches Geld aus Russland muss die Ukraine hingegen weiter warten. Der russische Finanzminister Anton Siluanow bekräftigte einmal mehr, dass Moskau zunächst die Regierungsbildung abwarten wolle, bis es von Kremlchef Wladimir Putin zugesagte Milliardenhilfen weiter auszahle.

Janukowitsch hatte Ende November auf Druck Russlands ein historisches Abkommen mit der EU über engere Zusammenarbeit auf Eis gelegt - der Auslöser für die Proteste, die schließlich zu seinem Sturz führten.

Demonstrationen / Regierung / Ukraine
23.02.2014 · 15:16 Uhr
[15 Kommentare]
Bundesweiter "Blitzermarathon" - Gera
Berlin (dpa) - Seit Wochenbeginn ist die Polizei in mehreren Bundesländern verstärkt Temposündern auf der Spur - am Mittwoch besonders. Nach Angaben des ADAC steht der Haupttag des sogenannten Blitzermarathons an. Während in mehreren Bundesländern über Tage die Geschwindigkeit auf Straßen überprüft wird, haben einige Landesteile wie Bayern und Baden- […] (00)
vor 4 Minuten
Bessie Carter hat sich selbst versprochen, dass sie aufhören wird, Red Flags zu daten.
(BANG) - Bessie Carter hat sich selbst versprochen, dass sie "aufhören wird, Red Flags zu daten". Die 'Bridgerton'-Schauspielerin, die zuvor mit ihrem Co-Star Sam Phillips zusammen war, erzählte jetzt, dass sie Single ist und "noch nie glücklicher war". Das liege unter anderem auch daran, dass sie einige "wunderbare Freunde" habe. Bessie – Tochter der […] (01)
vor 10 Stunden
Screenshot vom Spiel «Pragmata»
Hamburg (dpa/tmn) - Die Artemis-II-Mondmission hat weltweit für eine Welle der Raumfahrt-Begeisterung gesorgt. Grund genug für Publisher Capcom, den Veröffentlichungstermin seines lang erwarteten Space-Sience-Fiction-Abenteuers «Pragmata» vorzuziehen - und zwar auf den 17. April. Von diesem Datum an können Weltraumbegeisterte in den Raumanzug von Hugh […] (00)
vor 3 Stunden
GTA 6 vor neuem Schub? Nächster Take-Two-Call wird für Fans plötzlich richtig spannend
Seit Monaten wirkt es so, als würde die GTA-Community auf genau diese Momente zusteuern. Der nächste Investoren-Call von Take-Two ist zwar noch nicht offiziell mit Datum auf der Investor-Relations-Seite eingetragen, aber der Konzern veröffentlicht seine Quartalszahlen traditionell im Mai. Und genau dieser Zeitraum bekommt für Grand Theft Auto VI-Fans […] (00)
vor 5 Stunden
Netflix plant neue Survival-Show mit Alan Ritchson
Der Action-Star führt durch ein Format, in dem Influencer ohne Komfort ums Überleben kämpfen müssen. Streaminganbieter Netflix baut sein Reality-Portfolio weiter aus und hat eine neue Survival-Wettbewerbsshow mit Alan Ritchson angekündigt. Der Schauspieler, bekannt aus Actionproduktionen wie «War Machine», wird die Teilnehmer durch das Format begleiten und sie an ihre körperlichen und mentalen […] (00)
vor 3 Stunden
WM-Qualifikation Deutschland - Österreich
Nürnberg (dpa) - Als die Fußballfans in Nürnberg den Erfolg gegen Österreich bejubelten, war der Arbeitstag von Giulia Gwinn längst vorbei. Die Kapitänin der Nationalmannschaft musste beim 5: 1 (1: 0) schon in der ersten Halbzeit raus, nachdem sie bei einem Zusammenprall unglücklich auf die linke Schulter gefallen war. «Wir haben sie aus […] (07)
vor 7 Stunden
Die Bedeutung der Wachsamkeit in den Marktdynamiken In der heutigen schnelllebigen Finanzlandschaft kann ungewöhnliche Aktivität innerhalb der Marktnetzwerke als entscheidender Indikator für Investoren dienen. Solche Anomalien können nicht nur potenzielle Risiken aufzeigen, sondern auch ungenutzte Chancen für Wachstum und Innovation enthüllen. Als […] (00)
vor 33 Minuten
Meta Pixel und Business Tools: So werden Verbraucher im Netz ausspioniert
Lahr, 14.04.2026 (lifePR) - Wer im Internet unterwegs ist, könnte durch Meta Business Tools wie das Meta Pixel weit stärker ausgespäht werden, als vielen Betroffenen bewusst ist. Wer Facebook oder Instagram nutzt, im Netz auf Seiten mit Cookies surft und online einkauft, könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit von diesem Tracking betroffen sein. Nach einem Bericht von Stiftung […] (00)
vor 10 Stunden
 
Polizeibeamte (Archiv)
Berlin - Der Deutsche Beamtenbund hat gefordert, dass die geplante steuerfreie 1.000- […] (05)
Öltanks (Archiv)
Wiesbaden - Die Verkaufspreise im deutschen Großhandel sind im März 2026 um 4,1 […] (01)
Cem Özdemir und Manuel Hagel (Archiv)
Stuttgart - Bei den Sondierungen von Grünen und CDU in Baden-Württemberg ist offenbar […] (00)
Millionen-Grab A100: Der absurde 8-Millionen-Plan zum Lichtausknipsen
In Zeiten klammer Kassen und maroder Brücken sorgt ein neues Projekt der Autobahn […] (01)
«Nord Nord Mord» stellt sich fünf Fragezeichen
Ein Klassentreffen der Polizeischule soll von Sievers organisiert werden, verläuft aber nicht […] (00)
Humanoide Roboter, KI & Co.: Die digitale Transformation der Industrie geht in die nächste Runde
Automatisierte Produktionsabläufe mit Künstlicher Intelligenz, schnellere Fertigung […] (00)
Lewis Capaldi
(BANG) - Lewis Capaldi hat darüber gewitzelt, mit Lewis Hamilton verwechselt worden […] (00)
iPhone Akku schnell leer? Die häufigsten Ursachen & Lösungen 2026
Man kennt es: Morgens das iPhone vom Ladekabel genommen, alles wirkt normal – und […] (00)
 
 
Suchbegriff