Vertrauensverlust bei Worldline: Aktien im freien Fall
Die Aktien des französischen Zahlungsdienstleisters Worldline erleben einen dramatischen Kurssturz, nachdem sie bis Mittwochnachmittag um über 40 Prozent auf ein Rekordtief von knapp 2,70 Euro gefallen sind. Ein kleiner Erholungsversuch brachte den Kurs am Nachmittag auf 2,905 Euro, was einem Verlust von rund 37 Prozent entspricht. Auslöser dieser Turbulenzen ist eine Enthüllungsserie des European Investigative Collaborations (EIC), unter anderem mit dem deutschen „Spiegel“, die unter dem Titel „Dirty Payments“ dubiose Geschäftspraktiken ans Licht bringt.
Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht Payone, ein Gemeinschaftsunternehmen mit Beteiligung der Sparkassen und Worldline. Die Bafin hatte bereits im Januar Payone wegen Versäumnissen in der Geldwäscheprävention unter die Lupe genommen. Anlegern wird in Erinnerung gerufen, wie der Fall Wirecard das Vertrauen in die Branche erschütterte.
Der UBS-Analyst Justin Forsythe weist darauf hin, dass bereits im zweiten Quartal 2023 besorgniserregende Zahlungsströme zur Diskussion standen. Worldline kontert die Vorwürfe und betont, dass seit 2023 bedeutende Fortschritte in der Überwachung von HBR-Kunden aus risikobehafteten Bereichen gemacht wurden. Trotz dieser Bekenntnisse bleibt die Situation schwer einschätzbar. Besondere Sorge bereitet die künftige Zusammenarbeit mit Visa und Mastercard wegen deren strenger Richtlinien. Zudem wird ein Einnahmerückgang befürchtet, falls HBR-Kunden abspringen. Doch der größte Schaden droht durch den Einschnitt im Ruf der Firma.
Worldline, seit 2014 börsennotiert, erlebte einen spektakulären Höhenflug, der mit einem Rekord von 85 Euro im Sommer 2021 seinen Höchststand fand. Seitdem sinkt der Aktienwert drastisch, was insbesondere auf interne Probleme und schwache Geschäftszahlen zurückzuführen ist. Die Marktkapitalisierung stürzte von fast 25 Milliarden Euro auf zuletzt rund 800 Millionen Euro ab.
Während der letzten Jahre konnte der niederländische Wettbewerber Adyen aus der Schwäche von Worldline Kapital schlagen. Mit einem Allzeithoch im Februar von 1.869 Euro hält sich Adyen derzeit bei etwa 1.600 Euro stabil über dem Emissionspreis von 240 Euro aus 2018. Im EuroStoxx 50 ist Adyen mit einem Börsenwert von 50 Milliarden Euro solide positioniert, auf Augenhöhe mit der Deutschen Börse.

