Verteidigung treibt Schulden: Deutschland und Nachbarn erhöhen Kreditbedarf spürbar
Die Bundesrepublik plant für das dritte Quartal eine deutlich höhere Kreditaufnahme: Das Emissionsvolumen für Bundesanleihen und Schatzwechsel steigt um 19 Milliarden Euro auf insgesamt 81,5 Milliarden Euro – ein Zuwachs, der maßgeblich auf zusätzliche Mittel für Verteidigung und Infrastruktur zurückgeht. Ein klarer Fingerzeig auf die fiskalischen Konsequenzen der neuen NATO-Ziele.
Hintergrund ist das jüngste NATO-Treffen, bei dem sich die Mitgliedsstaaten verpflichteten, ihre Verteidigungsausgaben bis 2035 auf 5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anzuheben. Die fiskalischen Auswirkungen dieses Paradigmenwechsels zeigen sich nun erstmals konkret in den Emissionsplänen europäischer Staaten.
Auch Finnland und Belgien schlagen in dieselbe Kerbe. Die finnische Staatsschuldenagentur hob am Freitag ihre Netto-Kreditbedarfsprognose für 2025 von 12,289 auf 13,233 Milliarden Euro an – eine direkte Folge des Plans, die Verteidigungsausgaben bis 2029 auf mindestens 3 % und bis 2035 auf 5 % des BIP zu erhöhen. Belgien wiederum plant eine Erhöhung des Bruttokreditbedarfs für 2025 um satte 7,83 Milliarden Euro auf insgesamt 52,52 Milliarden Euro.
"Die Richtung ist eindeutig: Das Angebot an Bundesanleihen wird deutlich steigen", kommentiert Hauke Siemssen, Zinsstratege bei Commerzbank Research. Wenn man die quantitative Straffung der EZB mit einbeziehe, könne das jährliche Netto-Angebot an Staatsanleihen in der Eurozone bald 225 Milliarden Euro überschreiten.
Parallel zu diesen Entwicklungen steigen die Renditen: Die zehnjährige Bundesanleihe liegt aktuell bei 2,584 %, über 20 Basispunkte höher als zum Jahresbeginn. Im März hatte sie nach Ankündigung des deutschen Konjunkturpakets sogar über 2,90 % notiert. Analysten wie Jussi Hiljanen von SEB Research gehen dennoch von einer Seitwärtsbewegung aus – unter anderem wegen erwarteter Zinssenkungen und wachsender Nachfrage nach Euro-Anleihen im Vergleich zu US-Treasurys.
Gleichwohl warnen Experten vor zunehmendem fiskalischen Druck. Besonders in Belgien, Frankreich und den USA sind die Schuldenpfade laut Pimco-Ökonom Peder Beck-Friis auf einem „dauerhaft steigenden Kurs“ – ein Warnsignal für Investoren.

