Verteidiger fordern Freispruch im VW-Dieselskandal
Im Gerichtssaal des Braunschweiger Landgerichts sorgte der jüngste Auftritt der Verteidiger in der VW-Diesel-Affäre für einige Spannung. Betroffen ist der frühere Leiter der Aggregate-Entwicklung bei Volkswagen, für den die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von vier Jahren beantragt hat.
Hingegen fordern die Anwälte des Angeklagten einen Freispruch und attackierten dabei die Darstellung der Staatsanwaltschaft entschieden. Besonders heftig kritisierten sie deren Argumentation und bezeichneten die vorgebrachten Vorwürfe als zynisch und teils unhaltbar.
Der Prozess, der nunmehr seit September 2021 andauert, war geprägt von umfangreichen Beweisaufnahmen mit 168 Verhandlungstagen und der Aussage von rund 150 Zeugen. Die Staatsanwaltschaft sieht die Schuld der Angeklagten als erwiesen an und fordert dementsprechend hohe Strafen.
Entzündet hat sich der Konflikt um die Abschalteinrichtung, die im September 2015 in den USA bekannt wurde und den Abgasskandal, auch als "Dieselgate" bekannt, ins Rollen brachte. Dieses Täuschungsprogramm wurde weltweit bekannt und erschütterte den Konzern nachhaltig.
Die Rolle, die die verschiedenen Beteiligten gespielt haben, bleibt indessen weiter unklar. Noch immer gilt: Aussage steht gegen Aussage. Während Ingenieure behaupten, sie hätten Bedenken geäußert, bestehen ihre Vorgesetzten darauf, dass nie illegales Verhalten thematisiert wurde.
Martin Winterkorn, ehemals Volkswagen-Konzernchef, sollte ursprünglich ebenfalls auf der Anklagebank sitzen, wurde jedoch aus gesundheitlichen Gründen vom Verfahren abgetrennt. Wann und ob sein Verfahren neu aufgerollt wird, bleibt ungewiss.
In dieser Woche werden die umfangreichen Verteidiger-Plädoyers fortgeführt. Es wird erwartet, dass die Stellungnahmen für jeden der Angeklagten erneut mehrere Stunden oder gar ganze Verhandlungstage in Anspruch nehmen. Ein Ende des langwierigen Verfahrens mit einem abschließenden Urteil ist daher noch nicht in Sicht.

