Ehemalige RAF-Terroristin

Versuchter Mord, Raub, Waffenbesitz – Klette vor Gericht

25. März 2025, 13:51 Uhr · Quelle: dpa
Jahrelang lebte die ehemalige RAF-Terroristin unentdeckt in Berlin. Nun steht sie vor Gericht und wirkt ruhig, neugierig und gelassen.

Verden/Celle (dpa) - Mehr als ein Jahr nach ihrer Festnahme in Berlin hat der Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette vor dem Landgericht Verden begonnen. Mit schwarzem Pullover und dunkelblauer Jeans bekleidet betrat die weißhaarige Angeklagte den Gerichtssaal und umarmte ihre Anwälte. Sie wirkte entspannt und schaute mehrfach neugierig in den Zuschauerraum. Während der Anklageverlesung wirkte sie ruhig und gelassen. 

Die Staatsanwaltschaft wirft der 66-Jährigen versuchten Mord unter anderem aus Habgier vor. Die Anklage spricht zudem von versuchtem und vollendetem schweren Raub als «Mitglied einer Bande» sowie von unerlaubtem Waffenbesitz. Demnach soll die Deutsche 13 Überfälle gemeinsam mit den ehemaligen RAF-Mitgliedern Ernst-Volker Staub (70) und Burkhard Garweg (56) begangen haben. Die beiden Männer sind weiter auf der Flucht. Bei den Überfällen soll Klette meistens das Fluchtauto gefahren haben.

Der Gerichtsprozess ist aus Sicherheitsgründen nicht in den Räumen des Landgerichts Verden, sondern im Staatsschutzsaal des Oberlandesgerichts Celle. Die Angeklagte wurde hinter einer Glaswand platziert.

Raubüberfälle in drei Bundesländern?

Nach den Ermittlungen sollen Klette und ihre Komplizen von 1999 bis 2016 Geldtransporter und Kassenbüros in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein überfallen haben. Dabei sei das Trio «arbeitsteilig und äußerst konspirativ» vorgegangen, sagte die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklage, die rund eineinhalb Stunden dauerte. Ihr zufolge verkleideten sich die Tatverdächtigen mitunter mit Perücken und falschen Schnurrbärten. Manchmal trugen sie Sturmhauben oder verdeckten ihre Gesichter mit Tüchern.

Den Ermittlungen zufolge planten sie die Verbrechen genau: Sie sollen unter falschen Namen Fahrzeuge gemietet, die Tatorte ausgespäht und gezeichnet haben. Auch über die Aufteilung der Beute sollen sie im Vorfeld gesprochen haben.

Millionen-Beute für das Leben im Untergrund?

Klette, Garweg und Staub hätten die zeitintensive Planung und die Ausführung der Raubüberfälle als ihre Arbeit angesehen, sagte die Staatsanwältin bei Verlesung der Anklage. Demnach wollten sie mit den Straftaten «ihren Lebensunterhalt» finanzieren. Bei den Taten sollen sie 2,7 Millionen Euro erbeutet haben.

Um Widerstände zu überwinden, hatte das Trio den Ermittlungen zufolge Waffen dabei: Eine täuschend echt aussehende Panzerfaust, Elektroschocker und Pistolen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft soll das Trio in Kauf genommen haben, Menschen zu verletzen oder zu töten. Laut Anklage bedrohten die drei ihre Opfer. 

Jahrelange Ermittlungen

Schon seit vielen Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Verden gegen Klette und ihre mutmaßlichen Komplizen Staub und Garweg. Am 26. Februar 2024 nahmen Einsatzkräfte die ehemalige RAF-Terroristin in Berlin-Kreuzberg fest, wo sie unter falschem Namen lebte. Auch im Gerichtssaal wirkte die 66-Jährige mit ihren locker zusammen gebundenen Haaren wie eine freundliche Nachbarin. 

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Der Prozess startete unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Vor den Eingängen des Gerichtsgebäudes standen Justizbeamte und Polizisten mit Maschinenpistolen. Vor dem Oberlandesgericht Celle versammelten sich rund 50 Unterstützer der Angeklagten. Auf Transparenten stand unter anderem «Freiheit für alle politischen Gefangenen».

Verteidigung kritisiert Umgang mit Klette 

Die Anwälte der 66-Jährigen fordern ein faires Verfahren. «Frau Klette soll nicht besser oder schlechter gestellt werden als irgendeine andere angeklagte Person», sagte Verteidiger Lukas Theune vor Prozessbeginn. Angesichts bisheriger Erfahrungen sei er skeptisch, ob das gelingt.

Nach Schilderung des Anwalts erfährt Klette in der Untersuchungshaft eine gesonderte Behandlung. Auch bei den Transporten zu den Prozessterminen soll seine Mandantin nach dem Willen der Bundesanwaltschaft immer an Händen und Füßen gefesselt werden. Schwer bewaffnete Spezialeinsatzkräfte sollen sie begleiten.

Weitere Ermittlungen wegen Terroranschläge

Hintergrund der Sicherheitsvorkehrungen ist die Vergangenheit der Angeklagten. Klette gehörte der sogenannten dritten Generation der linksextremistischen Roten Armee Fraktion (RAF) an. 1998 erklärte sich die RAF, die mehr als 30 Menschen tötete, für aufgelöst. Die nun zu verhandelnden Taten haben keinen terroristischen Hintergrund, wie die Ermittler betonen. So fiel zu Beginn des ersten Prozesstages kein einziges Mal der Begriff «RAF».

Gegen die 66-Jährige besteht auch Haftbefehl wegen des Verdachts der Beteiligung an Terroranschlägen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr versuchten Mord in zwei Fällen sowie Mittäterschaft bei Sprengstoffexplosionen bei drei Anschlägen der RAF in der Zeit von Februar 1990 bis März 1993 vor. Zu diesem Komplex wird eine weitere Anklage erwartet, die zu einem weiteren Gerichtsprozess führen kann. Die Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung RAF an sich ist inzwischen verjährt.

Kriminalität / Extremismus / Justiz / Prozess (Gericht) / Terrorismus / Berlin / Niedersachsen / Nordrhein-Westfalen / Schleswig-Holstein / Deutschland
25.03.2025 · 13:51 Uhr
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