Versöhnung oder Taktik? - Vucics Reaktion auf die Unruhen in Serbien
Präsident Aleksander Vucic bleibt seinem Ruf als geschickter Stratege treu. Nach dem dramatischen Vorfall in Novi Sad im Herbst 2024, bei dem der Einsturz eines Bahnhofsdaches 16 Menschenleben forderte, eskalierten landesweit die Proteste gegen die als korrupt geltende Führung in Belgrad. Vucic reagierte zunächst mit einem harten Durchgreifen durch Polizeigewalt, jedoch ohne den erhofften Erfolg.
Überraschend lenkte er nun ein und rief zu einer nationalen Versöhnung auf. Die serbische Bevölkerung hegte während der Unruhen große Hoffnungen auf Unterstützung seitens der Europäischen Union, die angesichts Serbiens Status als Beitrittskandidat seit 2012 nicht unberechtigt erscheint. Doch aus Brüssel kam wenig; die EU hielt Abstand, um eigene Konflikte zu vermeiden.
In der Tat legen Mitgliedsstaaten wie Ungarn und die Slowakei zunehmend ein Verhalten an den Tag, das von den ursprünglichen Werten der Union abweicht, was die Brüsseler Politik im Westbalkan schwach erscheinen lässt. Serbien erweist sich als geopolitisches Schachbrett, auf dem nicht nur die EU und Deutschland, sondern auch Russland und China Einfluss gewinnen möchten. Aleksander Vucic hat sich als Meister erwiesen, der diesen internationalen Interessenreigen für die Belange seines Landes zu nutzen versteht, und handelt mit kühler Berechnung.

