US-Märkte verlieren Stabilitätsprämie – Investoren bewerten Anleihen und Aktien neu
Die Verwerfungen an den US-Finanzmärkten nehmen historische Züge an. Nach Wochen extremer Kursausschläge bei Aktien, Anleihen und im Devisenmarkt vollzieht sich ein fundamentaler Wandel in der Wahrnehmung amerikanischer Anlageklassen. US-Werte, lange als globaler Sicherheitsanker gesetzt, tragen zunehmend einen politischen Risikoaufschlag – ein Szenario, das vor wenigen Monaten noch undenkbar schien.
Mark Haefele, Chief Investment Officer der UBS, hatte bereits im März davor gewarnt, dass US-Investitionen künftig ähnlich wie chinesische Titel eine Risikoprämie benötigen könnten. Was damals als theoretische Überlegung erschien, wird nun Realität: Institutionelle Anleger ziehen Kapital aus US-Aktien ab, trotz zwischenzeitlicher Kursrallys wie am Mittwoch. Der S&P 500 und andere Leitindizes konnten sich am Freitag zwar stabilisieren, doch das Grundvertrauen bröckelt.
Noch gravierender fällt die Neubewertung bei US-Staatsanleihen aus. Einst Synonym für „risikofreie“ Assets, verlieren sie diese Rolle zunehmend. Das Verhalten der Anleger zeigt eine klare Tendenz: Kapital fließt aus US-Bonds in alternative Märkte wie deutsche Bundesanleihen – trotz geringerer Liquidität. Sollte sich dieser Trend verfestigen, wäre das nicht weniger als ein Paradigmenwechsel im globalen Finanzsystem.
Die Federal Reserve verfolgt die Entwicklung mit wachsender Sorge. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman bringt die Dynamik auf den Punkt: Trump zerstöre in wenigen Monaten das Vertrauen, das sich die USA über acht Jahrzehnte aufgebaut hätten. Seine Zitat: „Die USA verlieren ihre Glaubwürdigkeit – und mit ihr ihren Sonderstatus an den Märkten.“
Diese Entwicklung zwingt Anleger dazu, eine alte Grundregel zu hinterfragen: das Credo, auch in Krisen investiert zu bleiben. Lässt sich diese Haltung noch halten, wenn Volatilität zur neuen Normalität wird – und politische Entscheidungen unmittelbare Märkteffekte auslösen?
Kurzfristig wirkt Trumps jüngste Entscheidung, Elektronikprodukte wie Smartphones und Chips von neuen Zöllen auszunehmen, stabilisierend – ein positives Signal für Tech-Werte wie Apple. Doch das Vertrauen in die Berechenbarkeit amerikanischer Politik ist angezählt. Die Gefahr einer „Volatilitätsmüdigkeit“ steigt – mit der Folge, dass sich Investoren strategisch von US-Märkten distanzieren und Kapitalströme global neu sortieren.

