Unwetter sorgt für Chaos in Südeuropa und Nordafrika
Die jüngste Serie außergewöhnlicher Winterstürme hat Südeuropa und Nordafrika fest im Griff. Sowohl in Portugal als auch im Süden Spaniens und im nordafrikanischen Marokko bleibt die Lage trotz einer kurzzeitig eingekehrten Regenpause angespannt. Überschwemmungen haben viele Landstriche verwüstet und Tausende zur Flucht gezwungen, während das Risiko von Erdrutschen weiter droht. In Portugal und Spanien berichten die staatlichen Fernsehsender RTVE und RTP von Evakuierungen und Hochwasser, das die Böden stark gesättigt hat. Auch für die kommende Woche sind weitere Niederschläge angekündigt, die neuerliche Überschwemmungen wahrscheinlich machen.
Besonders schwer getroffen ist Marokko. Nordöstlich der Hauptstadt Rabat, vor allem im Ort Ksar al-Kebir, mussten die Einwohner wegen steigender Wasserstände evakuiert werden. Mehr als 154.000 Menschen haben aufgrund der bedrohlichen Lage ihre Häuser verlassen. Die Region war erst Mitte Dezember von schweren Regenfällen heimgesucht worden, die dort 37 Todesopfer gefordert hatten.
Der Sturm "Marta", bereits das siebte Unwetter dieses Jahres, zog mit Starkregen, Orkanböen und hohen Wellen über die Küsten Portugals, Andalusiens und Marokkos hinweg. Zuvor hatte der Sturm "Leonardo" die Region heimgesucht, wobei es in Málaga zu einem tragischen Todesfall kam und in Portugal Tote sowie viele Verletzte bei den Aufräumarbeiten verzeichnet wurden.
Die wirtschaftlichen Verluste lassen sich bereits jetzt in Milliardenhöhe messen. Schäden an Infrastruktur und Landwirtschaft in Portugal und Spanien werden auf über sieben Milliarden Euro geschätzt. Marokko kann ebenfalls erhebliche Landwirtschaftseinbußen verzeichnen. Eine positive Nachricht gibt es dennoch: Die gefüllten Stauseen könnten im kommenden Sommer das gefürchtete Wasserdefizit abfedern.
Besondere Aufmerksamkeit erforderten Ereignisse in Grazalema, einem Gebirgsort in Andalusien, wo die Erde so stark von unterirdischen Wassermassen erschüttert wurde, dass die gesamte Stadt aus Sicherheitsgründen geräumt werden musste. Wissenschaftler beschreiben das seltene Phänomen als "Hidroseísmo", ein Wasserbeben.
Die Erklärung für diese außergewöhnliche Wetterlage liegt in ungewöhnlichen atmosphärischen Bedingungen über dem Atlantik. Ein Hochdruckgebiet, das normalerweise über Grönland und Island liegt, hat sich weiter nach Süden verlagert. Dies beeinflusst die Position des Azorenhochs und lenkt die Atlantikwetterfronten von Großbritannien und Deutschland in südlichere Regionen.

