Unternehmen suchen Nachwuchstalente auf der Gamescom: Bundeswehr und BND in Köln
Die Rekrutierung junger Talente erfordert heutzutage innovative Ansätze, weshalb deutsche Sicherheitsbehörden auf der Gamescom in Köln präsent sind. Der Bundesnachrichtendienst (BND) und die Bundeswehr betreiben dort Messestände, um den Messebesuchern ihre Karrieremöglichkeiten näherzubringen. Der BND geht hierbei neue Wege, indem er ein eigenes Computerspiel anbietet, das eine Spionagemission simuliert. Mit "BND-Legenden: Operation Blackbox" können Interessierte in die Rolle einer Agentin schlüpfen und konkrete Aufgaben lösen – ohne ein Risiko der Enttarnung. Wie Julia Linner, Sprecherin des BND, betont, möchte man die oftmals als "Blackbox" wahrgenommene Arbeit des Dienstes ein wenig transparenter gestalten.
Der BND-Stand umfasst 100 Quadratmeter und wird von 40 Mitarbeitern begleitet. Die Investmentkosten belaufen sich auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. Mit blauen Poloshirts bekleidet, steht das Team bereit, potenzielle Nachwuchstalente zu werben, die sich durch Technikaffinität und ein Gespür für unterschiedliche Rollen auszeichnen.
Nur wenige Schritte weiter bietet die Bundeswehr an verschiedenen Stationen interaktive Erlebnisse. Besucher können virtuelle Panzerfahrten unternehmen und an einem Hubschraubersimulator teilnehmen. Zusätzliche Attraktionen wie Schutzwesten und sportliche Herausforderungen warten auf Interessierte. Messestand-Leiter Marco Mann hebt hervor, dass der Messeauftritt ein moderner Ersatz für die traditionellen Gespräche am Küchentisch darstellt. Auch eine Einheit der Elektronischen Kampfführung (Eloka) zeigt Präsenz, mit einem Spiel, das mithilfe künstlicher Intelligenz entwickelt wurde. Seit 2009 nimmt die Bundeswehr an der Gamescom teil und erhöht kontinuierlich ihre Standfläche, die in diesem Jahr 150 Quadratmeter beträgt.
Während einige Besucher neugierig sind, zeigt sich Kritik. Jürgen Grässlin von der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen hinterfragt den Nutzen der Bundeswehr und des BND auf der Messe und hebt die Gefahren hervor, die von einer Übertragung virtueller Spieleindrücke auf reale Schlachtfelder ausgehen könnten. Dennoch betont Felix Falk vom Branchenverband Game, dass Gamer über wertvolle Fähigkeiten verfügen, die heute auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind – etwa Teamfähigkeit und Stressresistenz. Auch Bitkom erkennt das Potenzial der Gaming-Community, insbesondere in Kontexten wie dem ukrainischen Militär, das talentierte Spieler für Drohnensteuerungen rekrutiert.

