Unruhe in der SPD: Prominente Mitglieder fordern Abrüstung und Dialog mit Russland
Die jüngsten Entwicklungen innerhalb der SPD sorgen für Aufsehen: Eine Gruppe prominenter SPD-Mitglieder fordert in einem kürzlich veröffentlichten 'Manifest' eine Abkehr von der aktuellen Aufrüstungspolitik der Bundesregierung und setzt sich für die Wiederaufnahme diplomatischer Gespräche mit Russland ein. Verteidigungsminister Boris Pistorius reagiert mit scharfer Kritik und spricht von einer 'Realitätsverweigerung' seitens der Unterzeichner.
In dem Positionspapier fordern die sogenannten SPD-Friedenskreise eine grundlegende Neuausrichtung der Außen- und Sicherheitspolitik. Sie betonen, dass Europa weit von einer stabilen Friedens- und Sicherheitsordnung entfernt sei und setzen statt eines Rüstungswettlaufs auf Deeskalation und schrittweise Vertrauensbildung.
Unter den Unterzeichnern befinden sich namhafte SPD-Politiker wie der ehemalige Fraktionschef Rolf Mützenich und Ex-Parteichef Norbert Walter-Borjans. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses 'Manifests' entfaltet zusätzliche Brisanz. Kurz vor dem Parteitag, auf dem die SPD ihre Führung neu wählen und den Prozess für ein neues Parteiprogramm starten will, stellt die Thematik eine potenzielle Quelle für innerparteiliche Spannungen dar.
Dazu kommt der bevorstehende NATO-Gipfel, der die Diskussion über erhöhte Verteidigungsausgaben intensivieren könnte. Bemerkenswert ist, dass sich die Unterzeichner des Manifests für einen Dialog mit Russland starkmachen, obwohl Russlands Präsident Wladimir Putin bisher kein ernsthaftes Interesse an einem solchen Gespräch signalisiert hat.
Die SPD-Friedenskreise lehnen die Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland ab und kritisieren die geplante Erhöhung des Verteidigungshaushalts. Solche Maßnahmen spiegelten lediglich einen Zwang zu immer mehr Rüstung wider, so die Autoren. Die Reaktionen aus anderen Parteien sind unmissverständlich.
Roderich Kiesewetter von der Union und Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann zeigen sich skeptisch und unterstreichen die Herausforderungen der aktuellen geopolitischen Lage. Pistorius betont die Notwendigkeit der eigenen Verteidigungsfähigkeit und hält an einer Verhandlung aus einer Position der Stärke fest.
Auch SPD-Fraktionschef Matthias Miersch distanziert sich von zentralen Annahmen des Manifests und beschwört die Bedeutung der Diplomatie. Ex-SPD-Abgeordneter Fritz Felgentreu kritisiert auf X die Persönlichkeiten hinter dem Papier und hebt die fehlende Beteiligung jüngerer Genossen hervor.
Im Vorfeld des Parteitags bleibt offen, wie sich Parteichef Lars Klingbeil positionieren wird, während die Aufforderung an die SPD-Spitze, klar Stellung zu beziehen, lauter wird.

