Investmentweek

Unicredit macht Druck – Berlin blockt ab

04. Juli 2025, 12:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die italienische Großbank will die Commerzbank übernehmen und wirbt mit sechs Versprechen an die Bundesregierung. Doch Kanzler Merz und Finanzminister Klingbeil zeigen Andrea Orcel die kalte Schulter. Die Übernahmepläne stoßen auf massiven politischen Widerstand.

Ein Brief, sechs Versprechen – und keine Antwort

Unicredit-CEO Andrea Orcel meint es ernst. In gleich drei Schreiben an die Bundesregierung wirbt der Italiener für einen Zusammenschluss seiner deutschen Tochter HypoVereinsbank mit der Commerzbank.

Mit im Gepäck: sechs vollmundige Zusagen – von Investitionen über Standortgarantien bis hin zur Sicherung des Filialnetzes. Der Tenor: Diese Fusion sei nicht weniger als eine Chance für einen neuen „nationalen Bankenchampion“.

Die Regierung reagierte reserviert. Kanzler Friedrich Merz und Finanzminister Lars Klingbeil lehnten Gespräche ab. Stattdessen verwiesen sie Orcel an die Commerzbank selbst.

Auch von dort kam eine klare Botschaft: Ohne Vorlage eines detaillierten Konzepts – keine Gespräche. Ein Schritt, den Orcel als faktisches Übernahmeangebot interpretiert und daher ablehnt.

28 Prozent – per Derivat

Unicredit besitzt offiziell rund neun Prozent der Commerzbank-Aktien, hat sich über Derivate jedoch bereits Zugriff auf 28 Prozent gesichert. Damit liegt die italienische Bank gefährlich nahe an der Schwelle von 30 Prozent – dem Punkt, ab dem ein Pflichtangebot an alle übrigen Aktionäre notwendig wäre. Formell legal. Politisch heikel.

Denn die Bundesregierung hält über den staatlichen Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS) noch rund zwölf Prozent an der Commerzbank – und betrachtet sich daher nicht nur als Aktionär, sondern auch als Wächter über ein strategisch wichtiges Institut.

Versprechen statt Plan: Orcel wirbt mit sechs Zusagen für die Übernahme – verweigert aber der Commerzbank-Führung ein belastbares Fusionskonzept.

Was Orcel anbietet

In seinem Brief an Merz verspricht Orcel:
– Langfristige Investitionen in IT, Service und Filialnetz
– Schutz bestehender Jobs und Weiterbildungsangebote für Commerzbank-Mitarbeitende
– Keine zentralistischen Entscheidungen aus Mailand – sondern deutsches Kreditgeschäft unter deutscher Aufsicht
– Entscheidungsfreiheit über den Standort der neuen Zentrale – auf Wunsch durch die Bundesregierung selbst
– Zeit für eine mehrjährige Integration, keine überhastete Fusion
– Fokus auf Start-ups und Mittelstand, mit Blick auf neue Wachstumschancen

In Berlin hört man die Botschaften – nur glaubt man sie nicht.

„Wie ein Elefant im Porzellanladen“

In Regierungskreisen ist der Frust groß. Orcel habe versucht, die Kontrolle über die Commerzbank zu gewinnen, ohne vorher den politischen Dialog zu suchen. Stattdessen habe er „alle Tricks genutzt, die der Kapitalmarkt hergibt“. Dass er sich jetzt um Gesprächsangebote bemüht, gilt als verspäteter Versuch der Schadensbegrenzung.

Inhaltlich bleibt die Sorge: Wird die Commerzbank – sollte die Übernahme gelingen – ebenso abgebaut wie die HypoVereinsbank? Seit der Unicredit-Übernahme 2005 hat sich dort die Zahl der Beschäftigten um rund 60 Prozent verringert.

Auch die Befürchtung, die neue Großbank könne bei einer Krise zur Belastung für den deutschen Finanzplatz werden, steht im Raum. Unicredit hält eine große Menge italienischer Staatsanleihen – ein Risiko, das im Berliner Finanzministerium niemand übersehen möchte.

Verdi sagt Nein, Commerzbank sagt Nein, Berlin sagt Nein

Auch die Gewerkschaft Verdi hat Orcel mittlerweile schriftlich eine Absage erteilt. Vorstandschefin Bettina Orlopp bleibt ebenfalls bei ihrer Position: Ohne belastbares Konzept kein Gespräch.

Das Timing des Italieners – mitten in Haushaltsverhandlungen und Bankenregulierung auf EU-Ebene – sei „höchst unglücklich“, wie ein Beamter es formuliert.

Dass Orcel nicht locker lässt, hat allerdings Gründe: In Italien ist die Übernahme der Banco BPM ins Stocken geraten. In Deutschland schienen die Chancen greifbarer – bis Berlin intervenierte.

Ein Spiel mit offenem Ausgang

Rechtlich ist Orcel aktuell nicht zu stoppen. Doch ohne die Zustimmung der Bundesregierung – und ohne das Wohlwollen der Commerzbank-Führung – wird eine feindliche Übernahme zum politischen Himmelfahrtskommando.

Das wissen auch die Aktionäre. Noch bleibt Orcel bei seinen freundlichen Worten. Doch hinter den Kulissen wächst der Druck. Unicredit braucht Wachstum. Orcel braucht einen Deal.

Ob die Commerzbank dabei das nächste Kapitel schreibt – oder ein Lehrstück für politisch ungewollte Übernahmen wird – entscheidet sich in den kommenden Wochen.

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 04.07.2025 · 12:00 Uhr
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