Hintergrund

Ungeklärte Morde: Die letzten Rätsel der RAF

28. Februar 2024, 15:27 Uhr · Quelle: dpa
Ab Anfang der 1970er Jahre verübt die RAF über zwei Dutzend Anschläge. Mehr als 30 Menschen werden von der Terrorgruppe umgebracht. Einige Fälle sind bis heute nicht ganz geklärt.

Berlin (dpa) - Über drei Jahrzehnte hinweg ermordet die Rote Armee Fraktion (RAF) führende Personen des Staats oder aus der Wirtschaft. In einigen den Linksterroristen zugeordneten Fällen bleibt allerdings ungeklärt, wer genau den Finger am Abzug hatte oder die Bomben zündete. Ein Überblick:

Siegfried Buback

Bis heute ist unklar, wer am 7. April 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei Begleiter auf der Fahrt zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe tötet. Als das Dienstfahrzeug an einer roten Ampel hält, feuern zwei Terroristen von einem Motorrad aus mit Automatikwaffen auf den Wagen. Ein gesichtsloses «Kommando Ulrike Meinhof» der zweiten RAF-Generation reklamiert die Tat für sich. Zu Beginn der 1980er-Jahre werden Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar und Knut Folkerts zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, ihre Täterschaft Jahrzehnte später aber durch neue Veröffentlichungen infrage gestellt. Die Richter gehen auch von einer Mittäterschaft von Günter Sonnenberg aus. Seine Unterschrift wird auf dem Mietvertrag des unter falschem Namen angemieteten Motorrads ermittelt. Die frühere Terroristin Verena Becker wird im Jahr 2012 wegen Beihilfe zum Mord zu vier Jahren Haft verurteilt.

Hanns Martin Schleyer

Auch die Identität des Todesschützen bei der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer haben die Teilnehmer des RAF-«Kommandos Siegfried Hausner» nie verraten. Sechs Wochen nach der Verschleppung in Köln wird Schleyers Leiche am 19. Oktober 1977 im Elsass mit drei Kugeln im Hinterkopf gefunden. Grund für die Entführung: Die zweite Generation will RAF-Inhaftierte der Gründungsgruppe freipressen. Die Bundesregierung geht nicht darauf ein. Um die Forderungen zu untermauern, entführen palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine «Landshut». Nachdem die Antiterroreinheit GSG 9 die Geiseln befreit, bringen sich Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis Stuttgart-Stammheim um. Wegen Beteiligung an der Entführung werden unter anderen Stefan Wisniewski, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Eine späte Erkenntnis: Aus dem Revolver, mit dem 1977 Schleyer erschossen wird, kommen am 10. Oktober 1986 auch die tödlichen Schüsse auf den Bonner Spitzendiplomaten Gerold von Braunmühl. Auch hier bleibt der Täter unklar.

Karl Heinz Beckurts

Der Siemens-Manager wird am 9. Juli 1986 in der Nähe von München mit einer Bombe getötet. Zu der Tat bekennt sich das RAF-«Kommando Mara Cagol», das zur dritten Generation der Terroristengruppe gehört. Wer konkret dahintersteckt, bleibt noch heute ein Rätsel. Der verdächtigte Horst Ludwig Meyer wird 1999 in Wien erschossen. Auf das Konto der nicht identifizierten Beckurts-Mörder geht nach Einschätzung der Behörden bereits der tödliche Anschlag auf den Industriellen Ernst Zimmermann am 1. Februar 1985 in Gauting bei München. Der Chef der Motoren- und Turbinen-Union stirbt gefesselt in seinem Haus nach mehreren Schüssen in den Hinterkopf. Auch hier gehen die Täterspuren ins Leere.

Alfred Herrhausen

Rätsel bleiben auch nach dem Mord an Alfred Herrhausen, dem Chef der Deutschen Bank. Wer am 30. November 1989 in Bad Homburg seine gepanzerte Limousine in die Luft sprengt, wissen die Ermittler bis heute nicht genau. Gegen 8.30 Uhr verlässt der Manager sein Haus. Begleitet von Sicherheitsleuten in zwei weiteren Limousinen bewegt sich der Tross gen Frankfurt am Main. Plötzlich ertönt ein lauter Knall. Mehrere Kilo Sprengstoff, deponiert auf einem Kinderfahrrad, gehen in die Luft. Die Bombe trifft den Spitzenmanager, der hinten im Auto sitzt. Zu dem Attentat bekennt sich das «Kommando Wolfgang Beer» der dritten RAF-Generation. Die Ermittlung gegen eine Verdächtige, die 1999 festgenommene Andrea Klump, muss mangels Beweisen eingestellt werden.

Detlev Karsten Rohwedder

Der Treuhandchef wird am 1. April 1991 in seinem Düsseldorfer Haus am Schreibtisch erschossen. Der bis heute unbekannte Scharfschütze trifft aus 63 Metern Entfernung mit einer Gewehrkugel. Die Tatwaffe bleibt verschwunden und auch das Motiv ist bis heute unbekannt. Das Attentat reklamiert das RAF-«Kommando Ulrich Wessel» für sich. Haar-Analysen bringen den 1993 in Bad Kleinen erschossenen Wolfgang Grams mit der Tat in Verbindung. Das Rohwedder-Attentat gilt als einer der letzten der mehr als 30 Morde der RAF. Zehn davon gehen auf das Konto der dritten RAF-Generation, die meisten davon bleiben unaufgeklärt. Ein Grund: Die Kommando-Ebene ist namentlich kaum bekannt. Diese Anonymität führte auch dazu, dass eine Reihe von Theorien aufblühten. Dazu gehört, dass die unaufgeklärten Morde womöglich gar nicht auf das Konto der RAF gehen.

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28.02.2024 · 15:27 Uhr
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