Ölpreis schwach, Shell stark? Barclays sieht enormes Aufwärtspotenzial
Schwacher Ölpreis drückt – aber wie lange?
Der Energiesektor leidet derzeit unter fallenden Rohstoffpreisen. Vor allem der Ölpreis hat sich zuletzt deutlich unter früheren Hochs bewegt, was Investoren vorsichtig werden ließ. Auch Shell konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Die Aktie hinkte dem Gesamtmarkt hinterher, obwohl das Unternehmen operativ solide dasteht und weiterhin hohe Ausschüttungen leistet.
Genau hier setzen die Analysten an: Die Bewertung spiegle aus ihrer Sicht ein zu negatives Szenario wider.
Barclays bleibt klar optimistisch
Besonders bullish äußert sich Barclays. Die britische Großbank bestätigt ihre Einstufung „Overweight“ und belässt das Kursziel bei 4.000 Pence, was umgerechnet rund 45,70 Euro entspricht. Vom aktuellen Kurs aus ergibt sich damit ein Aufwärtspotenzial von knapp 50 Prozent.
Barclays-Analystin Lydia Rainforth hält die am Markt kursierenden Befürchtungen vor einer massiven Überversorgung im Jahr 2026 für überzogen. Ihrer Einschätzung nach wird die globale Ölnachfrage weiterhin unterschätzt, während das Angebotswachstum außerhalb der OPEC ab dem kommenden Jahr deutlich an Dynamik verlieren dürfte. In einem solchen Umfeld seien die großen integrierten Ölkonzerne gut positioniert, um von einer Preisstabilisierung oder -erholung zu profitieren.
Hinzu kommt laut Barclays, dass Shell den strategischen Fokus wieder stärker auf das klassische Energiegeschäft gelegt hat und Investitionen disziplinierter steuert – ein Punkt, den Investoren derzeit besonders honorieren.
Goldman Sachs vorsichtiger, aber weiter auf „Kaufen“
Etwas defensiver argumentiert Goldman Sachs. Die US-Investmentbank senkte zwar ihr Kursziel leicht von 39 auf 38 Euro, hält jedoch an der Kaufempfehlung fest. Analyst Michele Della Vigna verweist auf Risiken auf der Rohstoffseite, insbesondere beim Brent-Preis, der unter Druck bleiben könnte.
Goldman rechnet für 2026 mit einem anspruchsvollen Marktumfeld für europäische Ölkonzerne. Niedrigere Ölpreise könnten den finanziellen Spielraum für Aktienrückkäufe begrenzen. Deshalb bevorzugt die Bank Unternehmen mit robusten Bilanzen, niedrigen Förderkosten und einer geringeren Abhängigkeit vom Ölpreis – Kriterien, die Shell aus Sicht der Analysten weiterhin erfüllt.
Dividende als Stabilitätsanker
Ein entscheidender Faktor für viele Investoren bleibt die Dividende. Shell zählt zu den verlässlichsten Ausschüttern im europäischen Energiesektor und kombiniert diese mit regelmäßigen Aktienrückkäufen. Selbst bei moderateren Ölpreisen gilt die Dividendenpolitik als gut abgesichert, was der Aktie ein defensives Profil verleiht.
Gerade in einem volatilen Marktumfeld kann diese Kombination aus laufenden Erträgen und möglichem Kurspotenzial attraktiv sein.
Chance für antizyklische Anleger
Die Einschätzungen von Barclays und Goldman Sachs zeigen: Trotz kurzfristiger Unsicherheiten trauen Analysten der Shell-Aktie deutlich höhere Kurse zu. Während Barclays sogar fast 50 Prozent Potenzial sieht, bleibt Goldman zumindest klar positiv.
Ob dieses Szenario aufgeht, hängt maßgeblich von der Entwicklung der Ölpreise und der globalen Nachfrage ab. Für langfristig orientierte Anleger mit Fokus auf Dividenden könnte das aktuell gedrückte Kursniveau jedoch eine interessante Einstiegsgelegenheit darstellen – insbesondere, wenn sich der Energiemarkt stabilisiert.


