Trumps Zollpolitik hält Deutschlands Wirtschaft in der Rezession
Die anhaltenden protektionistischen Maßnahmen der US-Regierung unter Donald Trump bringen Deutschlands Wirtschaft in eine prekäre Lage. Experten führender Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren für das laufende Jahr ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), jedoch könnte die US-Zollpolitik dafür sorgen, dass auch dieser geringe Fortschritt geschmälert wird. Im Rahmen der kürzlich vorgestellten Gemeinschaftsdiagnose wird ein Abzug von mindestens 0,1 Prozentpunkten erwartet. Damit droht Deutschland ein drittes Jahr mit rückläufiger Wirtschaftsleistung, während geopolitische Spannungen und Handelsrestriktionen die Herausforderungen zusätzlich verschärfen.
Der sogenannte „Trump-Effekt“ macht sich bemerkbar: Zölle von 25 Prozent auf Aluminium, Stahl und Autos, zusammen mit EU-Gegenzöllen, könnten das BIP dieses und nächstes Jahr um jeweils 0,1 Prozentpunkte drücken. Zollerhöhungen von Anfang April könnten diese Einbußen verdoppeln. Verunsicherung und höhere Produktionskosten dämpfen den Welthandel, während Investoren ihre Entscheidungen vertagen. Noch im Herbst erwarteten die Institute ein BIP-Wachstum von 0,8 Prozent, was nun in weiter Ferne scheint.
Für das Jahr 2024 setzen die Institute dennoch auf eine Aufhellung des Konjunkturklimas und prognostizieren ein Wachstum von 1,3 Prozent. Diese Prognose basiert allerdings auf einer höheren Anzahl an Arbeitstagen, ohne Zollerhöhungen zu berücksichtigen. Risiken bleiben bestehen, insbesondere da Deutschland mit der Konkurrenz aus China zu kämpfen hat, die sowohl die Exporte schwächt als auch den Wettbewerb auf den Weltmärkten intensiviert.
Strukturelle Probleme tragen ebenfalls zur wirtschaftlichen Unsicherheit bei. Eine alternde Bevölkerung, Bürokratie und hohe Energiepreise erfordern Reformen. Die Institute empfehlen eine Absicherung der Sozialsysteme, Anreize für Erwerbstätigkeit sowie qualifizierte Migration. Insbesondere ein CO2-Preis könnte helfen, Treibhausgasemissionen einzudämmen. Zudem benötigt Deutschland eine umfassende Entbürokratisierung, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Die Formierung einer neuen Koalition aus CDU/CSU und SPD, unterstützt von den Grünen, verschafft finanziellen Spielraum. Die Schuldenbremse wird für Verteidigungsausgaben gelockert, und ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro soll hauptsächlich in die Infrastruktur fließen. Die Ökonomen warnen jedoch vor überstürztem Handeln, um Inflation nicht zu fördern. Zudem wird erwartet, dass Deutschland im Zuge der Aufrüstung vermehrt auf Importe von Rüstungsgütern angewiesen sein wird.
Auf privater Ebene bleibt die Sparneigung der Bürger hoch. Trotz mehr verfügbarem Einkommen stieg der private Konsum nur leicht an, während die Sparquote 2024 bei 11,4 Prozent lag. Die Inflation sank im vergangenen Jahr auf 2,2 Prozent und soll laut Expertenmeinung in diesem Jahr stabil bleiben. Die Arbeitslosenquote könnte kurzfristig auf 6,3 Prozent steigen, jedoch wird für das kommende Jahr ein Rückgang auf 6,2 Prozent erwartet. Während im verarbeitenden Gewerbe Arbeitsplätze verloren gehen, entstehen vermehrt Stellen im öffentlichen Dienst, der Erziehung sowie im Gesundheitswesen.
Die gutachterliche Einschätzung, angefertigt von führenden deutschen Wirtschaftsinstituten, bildet nicht nur die Grundlage für die Prognose der Regierung, sondern beeinflusst auch langfristig die Schätzung der Steuereinnahmen.

