Trumps Steuerfantasie: Warum Zölle niemals das Einkommensteuersystem ersetzen können
Donald Trump kündigt an, Zölle könnten die Einkommensteuer für breite Teile der US-Bevölkerung ersetzen – doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Laut aktuellen Berechnungen der Tax Foundation würden Trumps Tarife, selbst wenn vollständig umgesetzt, rund 167 Milliarden Dollar pro Jahr einbringen. Demgegenüber stehen über 600 Milliarden Dollar, die 2022 von Haushalten mit einem Jahreseinkommen unter 179.000 Dollar an Einkommensteuer gezahlt wurden.
„Diese Idee wurde von allen Seiten gründlich widerlegt – von Linken wie Rechten“, sagte Erica York von der Tax Foundation. Trump argumentiert, höhere Zolleinnahmen könnten durch die Rückverlagerung von Produktionseffekten noch verstärkt werden. Ökonomen widersprechen: Der wirtschaftliche Schaden durch Zölle übersteige jeden Investitionsimpuls.
Die Unsicherheit über die Beständigkeit der Zolleinnahmen verschärft die Problematik zusätzlich. Trumps Handelsstrategie basiert auf Zollerhöhungen als Verhandlungsmittel, die nach Deals oft wieder gesenkt werden. Ein solcher Ansatz liefert keine verlässliche Grundlage für die Finanzierung staatlicher Aufgaben.
Hinzu kommt, dass Zölle, anders als Einkommensteuern, jeden Verbraucher belasten. Gerade ärmere Haushalte, die einen höheren Anteil ihres Einkommens für Konsum ausgeben, würden überproportional getroffen. Damit würde Trumps Vorhaben die Steuerlast faktisch in Richtung der unteren Einkommensschichten verschieben.
Ein weiterer Aspekt: In der Ära vor Einführung der Einkommensteuer 1913 war der US-Staat deutlich schlanker. Programme wie Medicare, Sozialhilfe oder die Finanzierung moderner Infrastrukturen existierten nicht. Heute lässt sich das Niveau staatlicher Ausgaben schlicht nicht durch Verbrauchszölle decken.
Während der Kongress an einem „großen, schönen“ Steuergesetz arbeitet, das bestehende Entlastungen verlängern und neue Senkungen bringen soll, bleibt Trumps Ankündigung eher politische Rhetorik als umsetzbare Strategie.

