Trump verklagt JPMorgan auf fünf Milliarden Dollar – Machtkampf zwischen Politik und Wall Street eskaliert
Vorwurf: Politisch motivierte Kontosperren
Die Klage wurde am Donnerstag vor einem Gericht im US-Bundesstaat Florida eingereicht. Trump wirft JPMorgan vor, mehrere seiner Konten sowie solche seiner Hotel- und Immobiliengesellschaften geschlossen zu haben, um sich „dem politischen Zeitgeist anzupassen“ und konservative Akteure auszugrenzen.
Besonders schwer wiegt der Vorwurf eines angeblichen „schwarzen Verzeichnisses“, das CEO Jamie Dimon angeordnet haben soll. Dieses habe andere Banken davor warnen sollen, mit Trump, seiner Familie und der Trump Organization Geschäfte zu machen. Dadurch seien nicht nur finanzielle Schäden, sondern auch erhebliche Reputationsverluste entstanden.
JPMorgan weist Anschuldigungen zurück
JPMorgan reagierte umgehend und wies die Vorwürfe entschieden zurück. Man schließe keine Konten aus politischen oder religiösen Gründen, erklärte die Bank. Kündigungen erfolgten ausschließlich, wenn Kunden aus regulatorischer oder rechtlicher Sicht ein erhöhtes Risiko darstellten.
„Wir bedauern, dass der Präsident uns verklagt, halten die Klage jedoch für unbegründet“, teilte das Institut mit. Auch Jamie Dimon äußerte sich nicht direkt zum Verfahren, hatte jedoch kurz zuvor beim Weltwirtschaftsforum in Davos die politischen Eingriffe in den Finanzsektor scharf kritisiert.
„Debanking“ als neues politisches Kampffeld
Der Rechtsstreit fällt in eine Phase wachsender politischer Spannungen zwischen der Trump-Administration und großen US-Banken. Konservative Kreise werfen Finanzinstituten seit Jahren vor, bestimmte Branchen – etwa Waffenhersteller, fossile Energiekonzerne oder Krypto-Unternehmen – aus ideologischen Gründen vom Finanzsystem auszuschließen.
Ein Bericht der US-Bankenaufsicht OCC bestätigte zuletzt, dass mehrere Großbanken zwischen 2020 und 2023 Geschäftsbeziehungen zu ganzen Sektoren eingeschränkt oder nur unter verschärfter Kontrolle zugelassen hatten – häufig unter Verweis auf ESG-Kriterien oder Reputationsrisiken. Die Aufseher selbst räumten ein, dass ihre eigenen Vorgaben Banken möglicherweise zu übervorsichtigem Verhalten gedrängt hätten.
Politische Sprengkraft für Wall Street und Regulierung
Trumps Klage ist damit mehr als ein privater Rechtsstreit. Sie ist Teil einer breiteren politischen Offensive gegen das, was seine Regierung als „finanzielle Diskriminierung“ bezeichnet. Parallel fordert Trump eine Deckelung von Kreditkartenzinsen auf zehn Prozent – ein Vorstoß, den Dimon als „ökonomische Katastrophe“ bezeichnete.
Während die Bankenbranche grundsätzlich von Trumps Deregulierungsagenda profitiert, wächst gleichzeitig der Druck, sich politisch neutral zu verhalten und keine Geschäftsentscheidungen mehr an gesellschaftspolitischen Leitbildern auszurichten.
Marktreaktion und Ausblick
Die Börse reagierte gelassen. Die Aktie von JPMorgan schloss am Tag der Klage leicht im Plus. Investoren gehen offenbar davon aus, dass der Rechtsstreit langfristig weniger finanzielle als politische Bedeutung haben wird.
Dennoch könnte der Fall richtungsweisend sein. Sollte ein Gericht politische Motive bei Kontokündigungen feststellen, stünde nicht nur JPMorgan, sondern das gesamte Risikomanagement der Großbanken unter juristischer und regulatorischer Neubewertung. Es geht um nicht weniger als die Frage, ob der Zugang zum Finanzsystem in den USA zu einer politisch umkämpften Infrastruktur wird – und ob Präsidenten künftig mit Klagen gegen Banken Politik machen können.


