Trump in Davos: Schulterschluss mit May und Netanjahu

25. Januar 2018, 21:17 Uhr · Quelle: dpa

Davos (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat zum Auftakt seines mit Spannung erwarteten Besuchs des Weltwirtschaftsforums den Schulterschluss mit Großbritannien und Israel gesucht.

«Wir sind in so gut wie jeder Beziehung auf einer Wellenlänge», sagte Trump in Davos vor einer Begegnung mit der britischen Premierministerin Theresa May. Trumps umstrittener Staatsbesuch in Großbritannien solle noch in diesem Jahr stattfinden, wurde nach dem Treffen bekannt. Anschließend traf er sich mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und versicherte ihm, die Pläne zu einer Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem seien weit vor dem Zeitplan.

Trump war am Vormittag mit der Präsidentenmaschine Air Force One in Zürich gelandet und dann per Hubschrauber nach Davos weitergeflogen. Nach bilateralen Treffen nahm Trump am Abend an einem Essen mit Unternehmern aus Europa teil. Am Donnerstag standen bilaterale Treffen und ein Abendessen mit Konzernchefs auf dem Programm. An diesem Freitag wird Trump dann zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums zur versammelten Wirtschafts- und Politikelite sprechen.

Im Vorfeld hatten Proteste den Besuch begleitet. Auch in Davos selbst ist Trump angesichts seiner «America First»-Politik kein unumstrittener Gast. Während an den Vortagen Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Emmanuel Macron und Kanadas Regierungschef Justin Trudeau den freien Handel und das Zusammenrücken der Welt beschworen, hatte Trump neue Strafzölle für Solarpaneele und Waschmaschinen verhängt, was als direkter Angriff auf die großen Produzenten-Länder China und Südkorea gewertet wurde. «Natürlich sind wir enttäuscht», sagte Südkoreas Außenministerin Kang Kyung Wha am Donnerstag vor Journalisten in Davos. Südkorea wolle aber an einer Lösung mitarbeiten.

Kurz vor Trumps Auftritt versuchte nun sein Finanzminister Steven Mnuchin, gut Wetter im Handelsstreit zu machen. «Wir wollen nicht in Handelskriege geraten», sagte er in Davos. Trump werde auf dem Weltwirtschaftsforum klarstellen, dass die USA offen für Geschäfte seien. «Andererseits sind wir gewillt, Amerikas Interessen zu verteidigen.» Die USA hatten insbesondere China wiederholt unfaire Handelspraktiken vorgeworfen. 

Auch mit dem engen Verbündeten Großbritannien gab es zuletzt Spannungen. Angeblich aus Ärger über den neuen Standort der US-Botschaft in London hatte Trump eine Reise dorthin abgesagt. Dort sollte er die diplomatische Vertretung im Februar offiziell eröffnen. Auch hatte es Streit um islamfeindliche Videos einer rechtsradikalen britischen Gruppe gegeben, die Trump per Twitter weiterverbreitet hatte. May hatte sich davon offen distanziert.

Man möge einander sehr, sagte Trump nun in Davos bei dem Treffen mit der britischen Premierministerin. «Wir lieben Ihr Land», sagte er an May gewandt. Wenn es um militärische Fragen gehe, passe kein Blatt zwischen May und ihn. May bestätigte die besondere Beziehung Großbritanniens zu den USA. Die britische Regierung erklärte, beide Seiten hätten die entsprechenden Stellen angewiesen, die Einzelheiten eines Besuchs Trumps in diesem Jahr auszuarbeiten.

Zuvor hatte May bei einer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum versichert, ihr Land werde trotz des anstehenden EU-Austritts ein Fürsprecher für den Freihandel sein. Sie wolle Großbritannien zum Vorreiter für innovative Technologien wie Künstliche Intelligenz machen. Kritik kam aus der deutschen Industrie: «Dass Premierministerin Theresa May den Brexit in ihrer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum nur gestreift hat, spricht Bände», sagte Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann vom Maschinenbau-Verband VDMA. «Auch anderthalb Jahre nach dem Referendum scheint die britische Regierung keinen klaren Plan zum EU-Austritt zu verfolgen.»

Beim Treffen mit Israels Ministerpräsidenten Netanjahu erklärte Trump, er wolle die finanziellen Hilfen der USA für die Palästinenser solange eingefroren lassen, wie diese nicht zu Friedensverhandlungen bereit seien. «Wir werden sehen, was mit dem Friedensprozess passiert», sagte er. «Aber sie (die Palästinenser) müssen uns ihren Respekt zeigen.»

Die US-Regierung hatte zuletzt 65 Millionen Dollar der Zahlungen für das Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen (UNRWA) auf Eis gelegt. Eine Gruppe von 21 Hilfsorganisationen kritisierte das scharf. «Wir sind tief beunruhigt wegen der humanitären Folgen dieser Entscheidung», heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Brief.

Hintergrund des Streits ist Trumps internationaler Alleingang bei der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels. Danach kam es zu Unruhen in den Palästinensergebieten. Die Palästinenser wollen in Ost-Jerusalem die Hauptstadt eines unabhängigen Staates ausrufen.

Trump sagte, die Pläne zu einer Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem seien weit vor dem Zeitplan. «Wir erwarten, eine kleine Version davon irgendwann im nächsten Jahr zu eröffnen.» Die Palästinenser kritisierten Trumps Alleingang erneut: «Solange Jerusalem vom Tisch ist, bleiben auch die USA (im Friedensprozess) vom Tisch», sagte Nabil Abu Rudeineh, Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Netanjahu dankte Trump für seine Unterstützung und sagte, die Beziehungen beider Länder seien niemals stärker gewesen als derzeit. Er sicherte dem US-Präsidenten die volle Unterstützung seines Landes bei der strikten Anti-Iran-Politik Washingtons zu: «Wir unterstützen Sie komplett in Ihrer unerschütterlichen Position zum Atomdeal mit dem Iran.»

Wirtschaftspolitik / Konferenzen / Weltwirtschaftsforum / Davos / Trump / International / USA
25.01.2018 · 21:17 Uhr
[1 Kommentar]
DRK-Logistikzentrum (Archiv)
Berlin - Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sieht erhebliche Defizite im deutschen Bevölkerungsschutz. Trotz wachsender Sicherheitsrisiken und jüngster Krisen wie Hochwasser oder Stromausfällen sei der Bevölkerungsschutz "völlig unterfinanziert", sagte DRK-Präsident Hermann Gröhe dem "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe). Es passe nicht zusammen, "mit markigen […] (00)
vor 6 Minuten
Dan Levy hat 'großen Trost' nach Catherine O’Haras Tod gefunden
(BANG) - Dan Levy hat "großen Trost" darin gefunden zu sehen, "wie sehr" die verstorbene Catherine O’Hara geliebt wurde. Die Schauspielerin starb im Januar im Alter von 71 Jahren nach kurzer Krankheit. Levy kannte sie persönlich, da er Jahre lang mit ihr gemeinsam für die Comedy-Serie 'Schitt’s Creek' vor der Kamera stand. Und er 42-jährige weiß, dass […] (01)
vor 12 Stunden
«Vehicle Motion Cues» auf einem iPhone
Berlin (dpa/tmn) - Geschichten, Nachrichten, Chats, Social Media - da möchte man vielleicht auch im Auto dabeibleiben. Und dann: komisches Bauchgefühl, Schwindel, Übelkeit? Das liegt daran, dass das Gleichgewichtsorgan andere Informationen aufnimmt, als von den Augen registriert werden. Das Auto bewegt sich, der Bildschirminhalt auf dem Smartphone steht […] (00)
vor 5 Stunden
PlayStation Plus-Titel für den neuen Monat
PlayStation Plus-Mitglieder erwarten schon bald drei spannende Titel. Ab dem 7. April können folgende Spiele heruntergeladen werden: Lords of the Fallen  (PS5) Tomb Raider I-III Remastered Starring Lara Croft  (PS5 & PS4) SWORD ART ONLINE Fractured Daydream  (PS5) Bis zum 6. April besteht zudem die Chance, die Februar-Spiele  PGA Tour […] (00)
vor 8 Stunden
HBO zeigt Fußball-Doku «U.S. Against the World»
Die neue Serie begleitet die US-Nationalmannschaft auf dem Weg zur Heim-WM 2026. Der US-Sender HBO hat den Starttermin für die fünfteilige Sportdokumentation U.S. Against the World: Four Years with the Men's National Soccer Team bekannt gegeben. Die Reihe feiert am 12. Mai um 21: 00 Uhr Premiere und wird parallel beim Streamingdienst HBO Max verfügbar sein. Die Serie begleitet die United […] (00)
vor 5 Stunden
Bosnien-Herzegowina - Italien
Rom/Zenica (dpa) - Am Tag nach dem erneuten Scheitern herrscht von Südtirol bis Sizilien überall la grande tristezza: die große Trauer. In Italiens Cafés gibt es unter regenverhangenem Himmel beim morgendlichen Cappuccino nur ein Thema: Wie konnte die Squadra Azzurra das alles entscheidende Playoff-Spiel in Bosnien-Herzegowina vergeigen und zum dritten […] (09)
vor 14 Stunden
Runde Silber  Und Goldmünzen
Der Bitcoin-Kurs begann eine Erholungswelle über $68.000, kämpft jedoch derzeit damit, die Marke von $68.800 zu überwinden, und zeigt Anzeichen eines erneuten Rückgangs. Bitcoin konnte sich nicht über $68.800 halten und gab die meisten Gewinne wieder ab. Der Kurs handelt unter $67.200 und dem 100-Stunden-Durchschnitt. Es gab einen Durchbruch unterhalb eines […] (00)
vor 48 Minuten
BRAZZELTAG 2026 nimmt Fahrt auf
Sinsheim, 01.04.2026 (lifePR) - Der BRAZZELTAG am 9. und 10. Mai 2026 im Technik Museum Speyer rückt näher und das Programm nimmt konkrete Formen an. Erste Highlights wie Dragster-Auftritte, Stunt-Performances sowie Mitfahrangebote und Einblicke in begehbare Großexponate sind bereits bestätigt. Zusätzlich profitieren Besucher von einer Kooperation mit […] (00)
vor 11 Stunden
 
Büroflächen zu vermieten (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung plant keine Regulierung von Gewerbemieten. Das geht aus […] (00)
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - Von den aktuellen Öl-Engpässen betroffene Länder sollten nach […] (02)
Totes Baby in Mülltonne im Kreis Harburg entdeckt
Rosengarten (dpa) - Nach dem Fund eines toten Babys in einer Mülltonne im Landkreis […] (00)
Reiner Haseloff (Archiv)
Magdeburg - Sachsen-Anhalts früherer Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat sich […] (03)
Einleitung Aventis Energy Inc. (CSE: AVE | FWB: C0O0 | OTC: VBAMF) hat am 1. April […] (00)
Starz zeigt Historienserie «Amadeus» ab Mai
Die Neuinterpretation der berühmten Rivalität zwischen Mozart und Salieri startet im Frühjahr […] (00)
Public Viewing
Berlin (dpa) - Das Feld der 48 WM-Teilnehmer steht, jetzt gibt es die letzte Chance […] (01)
Historischer Start in die Mondmission In der Nacht zum Donnerstag wird es endlich so weit sein: Nach über einem halben Jahrhundert werden wieder Menschen in Richtung Mond starten. An […] (00)
 
 
Suchbegriff