Trump fordert Waffenruhe – Russlands Großangriff erschüttert diplomatische Vorstöße
270 Drohnen in einer Nacht – ein neuer Höchstwert seit Kriegsbeginn. Die russische Armee hat in den frühen Stunden des Sonntags eine breit angelegte Angriffswelle gegen die Ukraine gestartet, bei der mindestens ein Mensch in Kiew ums Leben kam. Drei weitere, darunter ein Kleinkind, wurden verletzt. Die ukrainische Luftwaffe meldete, rund ein Drittel der Drohnen abgefangen zu haben. Offiziell hat Moskau den Angriff bislang nicht bestätigt.
Aus Sicht westlicher Geheimdienste verfolgt Russland mit diesen Masseneinsätzen eine klare Strategie: die ukrainische Flugabwehr überlasten. Laut britischem Militärgeheimdienst enthalten viele Drohnen nur geringe oder gar keine Sprengladung und dienen der Täuschung. Ziele lagen neben der Hauptstadt auch in den Regionen Dnipropetrowsk und Donezk.
Nur Stunden später will US-Präsident Donald Trump erneut mit Wladimir Putin telefonieren. Ziel des Gesprächs: eine Waffenruhe. Bereits zum dritten Mal seit Trumps Amtsantritt setzen Washington und Moskau damit auf direkten Draht – während der Krieg am Boden weiter eskaliert.
Trump, der das Gespräch auf seiner Plattform Truth Social öffentlich ankündigte, sprach von einem „hoffentlich produktiven Tag“. Er betonte, der Krieg hätte „niemals stattfinden dürfen“. Begleitet werden die diplomatischen Bemühungen von zunehmendem politischem Druck: Außenminister Marco Rubio erklärte, die Regierung habe Moskau deutlich auf neue Sanktionen hingewiesen. Im US-Kongress zeichne sich eine parteiübergreifende Mehrheit für weitere Maßnahmen ab, sollte keine Bewegung in die Verhandlungen kommen.
Die europäischen Staats- und Regierungschefs suchen derweil Anschluss an die amerikanischen Initiativen. Ein Telefongespräch zwischen Kanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem britischen Premier Keir Starmer und Trump war für Sonntagabend angefragt. Merz betonte zudem, Italien müsse stärker eingebunden werden. Nach einem Treffen mit Giorgia Meloni sagte er in Rom: „Wir waren uns einig, dass Italien hier eine Rolle spielen muss.“
Doch während die Diplomatie langsam tastet, bleibt der militärische Druck bestehen. Zwar hatten Russland und die Ukraine am Freitag in Istanbul erstmals wieder direkt verhandelt – doch der Kanzler zeigte sich ernüchtert. Trotz „maximal konstruktiver Haltung“ der Ukraine habe das Treffen enttäuscht.
Symbolträchtiger Hintergrund am Sonntag: Während Papst Leo XIV. im Vatikan inthronisiert wurde, trafen sich US-Vizepräsident J.D. Vance und Wolodymyr Selenskyj zum ersten Mal seit ihrer Kontroverse im Weißen Haus. Das Bild: ein Händedruck, ein Lächeln – während über Kiew noch Drohnenwracks rauchten.

