Trump drückt bei KI-Strategie aufs Tempo – Europa gerät weiter unter Zugzwang
Donald Trumps Regierung hat mit einem 28-seitigen Aktionsplan zur Künstlichen Intelligenz klargemacht, dass es nicht nur um Rechenzentren und Chips geht, sondern um geopolitische Führungsansprüche. Die USA wollen ihre technologische Vormachtstellung nicht nur absichern, sondern aktiv zur Normsetzung nutzen. Wer das größte KI-Ökosystem errichtet, kontrolliere Standards, Wertschöpfung und militärische Kapazitäten, heißt es im Papier. Der Fokus liegt auf schnelleren Genehmigungen, niedrigeren Umweltauflagen und dem gezielten Aufbau nationaler Infrastruktur.
Teil des Plans ist, Bundesstaaten mit strenger KI-Regulierung künftig von Fördergeldern auszuschließen. Mit dem Projekt „Stargate“ sollen Milliardeninvestitionen in Rechenzentren gelenkt werden – bislang allerdings ohne abgeschlossene Verträge. Künftig sollen Chipfabriken und Datenzentren bevorzugt dort entstehen, wo politische Unterstützung mit Genehmigungsbeschleunigung zusammenfällt.
Ideologisch fordert Trump eine KI, die „objektive Wahrheiten“ abbildet und sich gegen „woke“ Narrative abgrenzt. Modelle, die Diversität, Klimapolitik oder Desinformation thematisieren, sollen vom Zugang zu öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden. Firmen, die Regierungsaufträge anstreben, müssten demnach künftig ihre Modelle politisch anpassen – ein Kurs, der in Europa auf scharfe Kritik stößt.
Der politische Gegenentwurf der EU stockt. Zwar hat Brüssel mit der „AI-Gigafactory“-Initiative eigene Pläne vorgelegt – Rechenzentren mit über 100.000 spezialisierten KI-Chips –, doch bisher fehlen konkrete Vorgaben und Koordination. Sechs deutsche Konsortien haben sich beworben, darunter Deutsche Telekom, Schwarz Gruppe und Ionos. Ein gemeinsamer Antrag, wie ihn RWTH-Professor Holger Hoos fordert, kam bislang nicht zustande. Auch Spanien und Finnland haben konkurrenzfähige Projekte angekündigt.
Digitalminister Karsten Wildberger lobte in Washington das Mindset der US-Regierung, mahnt aber: „Europa muss eigene Infrastruktur und Modelle aufbauen.“ Boston-Consulting-Partnerin Kirsten Rulf sieht das Problem nicht primär in der fehlenden Hardware, sondern im politischen Vakuum. Während die USA, Frankreich und Großbritannien ihre KI-Strategien aus der Regierungszentrale heraus treiben, fehle es in Deutschland an klarer Zuständigkeit – und an strategischer Führung.
Der Druck auf die EU wächst, zumal US-Konzerne wie AMD und IBM Trumps Kurs öffentlich unterstützen. Die Kombination aus Geschwindigkeit, offenen Ökosystemen und nationaler Priorisierung schafft ein Umfeld, das Kapital und Talente anzieht. Guido Appenzeller von Andreessen Horowitz spricht von einer historischen Weichenstellung: „Die Politik der USA und der EU wird als Fallstudie in die Geschichte eingehen – wie man KI fördert oder blockiert.“
Derweil plant Washington ein Exportprogramm für Chips, Modelle und Standards, um Verbündete von China fernzuhalten. Der KI-Plan wird damit zur Blaupause für eine geopolitisch motivierte Technologiestrategie – mit klarem Anspruch auf globale Vorherrschaft.

