Investmentweek

Trotz hoher Ausbaukosten: United-Internet-Aktie schießt nach oben – wie passt das zusammen?

14. Mai 2025, 10:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
1&1 kämpft mit Kündigungen und Milliardenkosten für den Netzausbau, doch die Börse feiert den Konzern. Woher der plötzliche Optimismus kommt – und warum der Kursanstieg mit Vorsicht zu genießen ist.

Kursrakete trotz schwächerer Gewinne

Die Zahlen wirken auf den ersten Blick ernüchternd: United Internet verzeichnet im ersten Quartal 2025 einen rückläufigen Gewinn je Aktie – von 35 auf 31 Cent, bereinigt um Sondereffekte.

United Internet gets off to a good start in fiscal year 2025
Montabaur, May 12, 2025. United Internet AG got off to a good start in its fiscal year 2025. In the first quarter of 2025, the Company made further investments in new customer contracts and the development of existing customer relationships, and thus in sustainable growth. All in all, the number of fee-based customer contracts was raised by a further 150,000 contracts to 29.17 million. Of this total, 80,000 contracts were added in the Consumer Applications segment and 110,000 contracts in the Business Applications segment. However, the number of fee-based contracts in the Consumer Access segment fell by 40,000.

Das operative Ergebnis stieg nur leicht. Und doch legte die Aktie am Montagvormittag um rund acht Prozent zu. Ein Paradoxon? Nicht ganz. Denn: Die Erwartungen lagen noch tiefer.

Die Börse hatte mit schwächeren Ergebnissen gerechnet – stattdessen lieferte United Internet ein solides Ebitda von 342,6 Millionen Euro. Analysten hatten weniger erwartet. Die Anleger reagieren entsprechend erleichtert – und mutmaßlich auch auf den optimistischen Ausblick des Unternehmens.

Quelle: Eulerpool

1&1: Netzausbau wird zur Belastungsprobe

Was die Zahlen verschleiern: Bei der Tochter 1&1 hinterlässt der Netzausbau deutliche Spuren. Die Anlaufkosten stiegen um rund 60 Prozent auf 67 Millionen Euro.

Quelle: Eulerpool

Gleichzeitig kämpft der Konzern mit einer erhöhten Zahl an Kündigungen, seit Kunden sukzessive vom Netz der Telefónica Deutschland auf das neue eigene Netz beziehungsweise auf das Vodafone-Roaming migriert werden.

Hinzu kommt: Die neue Roaming-Vereinbarung mit Vodafone ist langfristig transparenter, belastet jedoch kurzfristig stärker das Ergebnis, da es – anders als beim bisherigen Partner Telefónica – keine aktivierungsfähigen Einmalzahlungen mehr gibt, sondern laufende Kosten. Im Klartext: Die Ergebnisdelle ist programmiert.

IONOS liefert, AdTech läuft

Stark entwickelte sich hingegen die IONOS Group, die Hosting- und Cloud-Tochter von United Internet. Vor allem die kleineren Sparten wie AdTech trugen dazu bei, dass das Ebitda-Ziel für das Gesamtjahr auf 520 Millionen Euro angehoben wurde – ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch der Umsatz legte um über vier Prozent zu, gestützt durch besseres Domain-Geschäft und digitale Werbung.

IONOS bleibt damit die tragende Säule des Konzerns, während 1&1 Investitionen schluckt und Energie verkauft wird. Der Konzernumsatz wuchs insgesamt auf 1,6 Milliarden Euro – inklusive aller Sparten. Nicht mehr dabei: das zum Verkauf stehende Geschäftsfeld United Internet Energy.

Ein Wachstum auf Pump

Dass das Ergebnis unter dem Strich trotzdem nicht stärker einbricht, liegt auch an einer gewissen Bilanzgymnastik. Abschreibungen auf Netzinvestitionen sowie höhere Vorleistungen werden zwar berücksichtigt – aber eben nicht vollständig durch realisierte Erlöse kompensiert. United Internet lebt derzeit vom Versprechen: Was jetzt schmerzt, soll ab 2026 Gewinn bringen.

Die Netzumstellung wird das Unternehmen 2025 rund 100 Millionen Euro zusätzlich kosten. Danach, so die Hoffnung, sinken die Vorleistungskosten signifikant – weil dann Kunden vollständig auf dem eigenen Netz oder auf Vodafone-Roaming unterwegs sind. Doch ob das klappt, hängt an der Technik, dem Marketing und der Kundentreue.

MDAX-Reaktion übertrieben euphorisch?

Dass die Aktie nach diesen Quartalszahlen zum Top-Performer im MDAX wurde, überrascht – vor allem angesichts der Unsicherheit rund um 1&1. Auch wenn das Management die Jahresziele bestätigt hat, bleibt der Kapitalmarkt wohlwollend, aber nicht blind: Die Analystenerwartungen waren niedrig, und der Optimismus bei IONOS kaschiert vorerst die Baustellen bei 1&1.

Auffällig: Die 1&1-Aktie selbst gab nach anfänglichem Plus leicht nach – minus 0,4 Prozent am Mittag. Die Anleger sehen sehr wohl die operative Belastung. Es sind vor allem Konzernfantasien – etwa mögliche Veräußerungen, Skaleneffekte bei IONOS oder Einsparpotenziale durch den Netzausbau – die derzeit Fantasie erzeugen. Fundamentale Stärke sieht anders aus.

Finanzen / Quartalszahlen
[InvestmentWeek] · 14.05.2025 · 10:00 Uhr
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