Thyssenkrupp: Neue strategische Weichenstellung für mehr Unabhängigkeit
Thyssenkrupp geht entschlossen seinen Weg in Richtung Strategieanpassung weiter. Nachdem der Industriegigant bereits Schritte zur Eigenständigkeit seiner Stahl- und Marinesparten unternommen hat, plant das Essener Unternehmen, auch die verbleibenden drei Geschäftsbereiche eigenständig aufzustellen. Ziel ist es, die Thyssenkrupp AG in eine Konzernführungsgesellschaft mit autonomen Einheiten zu transformieren, an denen Mehrheitsbeteiligungen gehalten werden sollen, wie das Unternehmen ankündigte.
Das ambitionierte „Zukunftsmodell“ wird noch in diesem Jahr dem Aufsichtsrat präsentiert werden. In einem Bericht der „Bild“ wurden Details zum angestrebten Umbau hin zu einer Holdingstruktur bekannt. Die geplante Öffnung der Geschäftsbereiche für Drittbeteiligungen sei Kernbestandteil der Strategie. Wichtige Schritte sind bereits erfolgt, darunter die Abspaltung eines Minderheitsanteils von Thyssenkrupp Marine Systems sowie das geplante Joint-Venture in der Stahlsparte. Die Börse reagierte positiv: Die Aktie verzeichnete ein Plus von rund 7,5 Prozent und notierte bei 9,28 Euro.
In den kommenden Jahren sollen auch die Bereiche Werkstoffe und Autoteile fit für den Kapitalmarkt gemacht werden. Eine eigenständige Aufstellung folgt, sobald die Voraussetzungen geschaffen sind. Das Segment „Decarbon Technologies“ wird ebenfalls mittelfristig verselbstständigt, sobald der Markt für grüne Technologien dynamischer wird. Bis auf das Joint-Venture soll Thyssenkrupp die Kontrolle behalten und plant Mehrheitsbeteiligungen. Das Ziel sei ein fokussierter und agiler Industriekonzern.
Vorstandschef Miguel López betont, dass die Eigenständigkeit der Segmente die unternehmerische Flexibilität und Transparenz steigern wird. Damit sichere Thyssenkrupp die Teilhabe an der zukünftigen Ertragskraft der Unternehmensbereiche. Den fast 96.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern böten sich dadurch klare Zukunftsperspektiven, so Arbeitsdirektor Wilfried von Rath.
Die zurückhaltende Haltung der nordrhein-westfälischen Landesregierung unterstreicht die komplexe Balance zwischen Innovation und Tradition. Während das Unternehmen die Verantwortung für den Umbau trägt, betont die Landesregierung die fortwährende Unterstützung bei der Förderung von Zukunftstechnologien und der Sicherung heimischer Arbeitsplätze.
Die Bemühungen um eine Verselbstständigung der Sparten haben bei Thyssenkrupp Tradition. Bereits unter der früheren Vorstandsvorsitzenden Martina Merz wurden Initiativen in Richtung einer „Group of Companies“ eingeleitet, bei der die Unternehmensbereiche eigenständig agieren.

