Textilbeschaffung: Südwesttextil fordert Umdenken bei Vergaberecht
Für die Zukunft europäischer Hochleistungstextilien fordert Südwesttextil, dass Merkmale wie die Langlebigkeit oder der Produktionsstandort bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen berücksichtigt werden.
Stuttgart, 26.03.2026 (lifePR) - In öffentlichen Ausschreibungsverfahren wird z. B. hochfunktionale Berufsbekleidung für Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr oder Krankenhäuser beschafft. Das Ergebnis der bisherigen überwiegend kostenbezogenen Ausschrei-bungspraxis führt zu einem weiteren industriepolitisch bedenklichen Abbau von Produktionskapazitäten in Europa, verbunden mit globalen Abhängigkeiten, insbesondere von asiatischen Ländern.
Vergaberechtsreform geht in die falsche Richtung
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert Südwesttextil mit seinen Mitgliedsunternehmen ein Umdenken bei der Vergaberechtsreform. Präsident Bodo Th. Bölzle erklärt: „Wir begrüßen grundsätzlich die Vereinfachung und Beschleunigung von Prozessen, allerdings darf dies nicht zu Lasten der Überprüfung von Standards und Siegeln führen. Im Gegenteil: Wir fordern insbesondere im Hinblick auf die hohen Investitionssummen in Infrastruktur und Verteidigung, dass die vergaberechtlichen Grundsätze weiterentwickelt werden.“ Dazu zählt aus Perspektive des Verbands, dass europäische Produktion gefördert wird, damit im Fall von globalen Krisen die Versorgung gewährleistet ist.
Mehr als die Hälfte des Verkaufspreises verbleibt beim Staat
Dem stehen aktuell standortfeindliche Bedingungen gegenüber. Andreas Merkel, Südwesttextil-Vizepräsident und Geschäftsführer in vierter Generation der Gebr. Otto Baumwollfeinzwirnerei als eine der letzten Spinnereien Europas erklärt: „Wir blenden oft aus, dass im Preis eines textilen Produkts neben Material- und Herstellungskosten jede Menge Steuern, Lohn- und Lohnnebenkosten, Sozialabgaben, Netzentgelte für Energie und viele andere Abgaben stecken. Gerade der Staat als Auftraggeber sollte diese Gesamtbetrachtung aber anstellen, wenn er Aufträge vergibt – im Sinne des größten volkswirtschaftlichen Rückflusses.“
An einem beispielhaften Textilprodukt illustriert das Positionspapier der Industrie, dass der an den Staat abzuführende Anteil den Betrag übersteigt, der für Material, Herstellung, Transport, Löhne, Handel und Gewinnspanne zur Verfügung steht. In der Konsequenz heißt dies: je mehr Fertigungsstufen in Deutschland vorgenommen wer-den, desto höher ist die Abgabenlast. In der Folge werden Produktionsschritte vermehrt ins Ausland verlagert.
Standortnachteil „Made in Germany“?
Gewinner von öffentlichen Ausschreibungen sind mittlerweile regelmäßig Firmen ohne Standort in Deutschland oder Baden-Württemberg. Dies trägt zu einer sehr bedenklichen Entwicklung bei. Rüdiger Reuter, Geschäftsführer der Fuchshuber Techno-Tex GmbH, Hersteller von Hochleistungsgestricken für Schutztextilien in Deutschland, erläutert: „Unser Bekenntnis zum Standort, zu regionalen Partnern und zu kompetenten, gut ausgebildeten Fachkräften bringt uns bei textiler Beschaffung im Bereich der Berufsbekleidung für Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr massiv ins Hintertreffen. Das ist eine absurde Situation. Es kann nicht zielführend sein, hochwertige, inländische Wertschöpfung zu benachteiligen – schon allein, weil wir damit unsere eigene Versorgungssicherheit und auch unsere Sicherheitsinteressen untergraben.“
Qualitätssicherung und Langlebigkeit bei Vergabeverfahren in den Fokus stellen
Um Kapazitäten nicht nur zu erhalten, sondern zur Reduktion globaler Abhängigkeiten sogar aufzubauen, fordert Südwesttextil insbesondere im Rüstungsbereich Produktionsstandorte in Europa bzw. einem NATO-Staat vorzugeben. Für einen fairen Wettbewerb ist insbesondere die Gesamtbetrachtung der Lebenszykluskosten und Produktmerkmale erforderlich. Dafür gilt es, die Qualitätssicherung durch den technischen Kriterienkatalog zu erweitern, Qualitäts- und Nachhaltigkeitssiegel zu kontrollieren und die Leitfäden von Bund und Ländern um qualitative Anforderungen für die Langlebigkeit zu ergänzen. Denn nur ein hochwertig verarbeitetes Produkt mit belastbaren Materialien behält dauerhaft seine notwendigen Funktionen, bspw. die Waschechtheit einer Warnfarbe. Damit sich auch für kleine und mittelständische Unternehmen der Entwicklungsaufwand lohnt und sie sich auf entsprechende Aufträge einstellen können, fordert Südwesttextil eine Verlängerung der Ausschreibungszyklen.
Das vollständige Positionspapier des Verbands mit allen Forderungen finden Sie hier.
Über Gebrüder Otto
Das Unternehmen Gebrüder Otto mit Sitz im oberschwäbischen Dietenheim ist ein europaweit führender Anbieter von textilen Lösungen. Traditionell liegt der Schwerpunkt des Unternehmens auf hochwertigen Garnen und Zwirnen aus Baumwolle, die in der eigenen Garnspinnerei, Zwirnerei und Färberei hergestellt werden. Daneben bietet Otto an seinen zwei Standorten Balzheim und Dietenheim ein kontinuierlich wachsendes, kundenindividuelles Portfolio an technischen und medizinischen Garnen und Textilien an. Besonderen Wert legt Gebrüder Otto auf Nachhaltigkeit, vorausschauende Lösungen und 100-prozentige Kundenorientierung. Eigenmarken wie Piumafil, recot² und „Cotton since 1901“ belegen diesen Anspruch, ebenso wie eine Vielzahl an Auszeichnungen und Zertifizierungen. Gegründet im Jahr 1901 ist Gebrüder Otto bis heute ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Mit etwa 160 Mitarbeitern hat Otto 2025 einen Umsatz von rund 25 Mio. Euro erwirtschaftet.
Über Fuchshuber Techno-Tex GmbH
Die Fuchshuber Techno-Tex GmbH stellt textile Hochleistungsartikel für den Körperschutz sowie zur technischen Anwendung her. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Lichtenstein bei Reutlingen und beschäftigt rund 14 Mitarbeiter. Gegründet wurde Fuchshuber Techno-Tex im Jahr 1984 von Friedrich Fuchshuber. Seit 2017 gehört die Fuchshuber Techno-Tex zur belgischen Concordia-Gruppe.


