Temporeicher Stillstand: Warnstreik legt Berliner Nahverkehr lahm
Erneut stehen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im Mittelpunkt eines Tarifkonflikts, der Pendler und Reisende hart trifft. Ein umfassender Warnstreik der Gewerkschaft Verdi sorgt für nahezu 48 Stunden Stillstand im Berliner Tram-, U-Bahn- und Busverkehr, während Teile der Stadt in ein Verkehrschaos zu stürzen drohen. Lediglich einige von Subunternehmen betriebene Busse halten die Stellung, während die S-Bahn unbeeindruckt weiterfährt und auf den Linien S1, S3 und S5 sogar zusätzliche Züge einsetzt, um den Druck aufzufangen.
Doch nicht nur Autofahrer spüren die Auswirkungen: Die Straßen der Hauptstadt sind überfüllt, da viele Berufspendler und Einwohner gezwungen sind, alternative Fortbewegungsmittel zu nutzen. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hat eine Warnung ausgesprochen; vereiste Radwege könnten zur Gefahr für Fahrradfahrer werden. Sprecher Karl Grünberg betonte die tückischen Übergänge zwischen Straßen und Radwegen, an denen Schnee, trotz frostiger Temperaturen, die Spurwechsel für Radfahrer riskant machen.
Währenddessen herrscht bei den Streikenden auf den BVG-Betriebshöfen eine rebellische Atmosphäre. Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt beschreibt die Stimmung als kämpferisch, passend zum dritten und intensivsten Warnstreik in der laufenden Tarifverhandlung. Die Forderungen der Gewerkschaft sind hoch: 750 Euro mehr im Monat für jeden der rund 16.000 Beschäftigten sowie ein 13. Monatsgehalt und Zusatzvergütungen sind im Gespräch.
Parallel zum BVG-Stillstand haben auch andere städtische Bereiche mit Arbeitsniederlegungen zu kämpfen. Berliner Entsorgungsbetriebe und Versorgungsunternehmen melden Streiks, die mit einer gemeinsamen Demonstration enden sollen. Diese Aktionen sind ein Signal für die parallel laufenden Verhandlungen zwischen Verdi und Bund sowie Kommunen.
Die Arbeitgeberseite bezeichnete die Aktionen als „völlig unverhältnismäßig“, während im Hintergrund die Verhandlungen weiterlaufen. Eine neue Gesprächsrunde ist für die nächste Woche angesetzt, doch ein Ultimatum schwebt bereits bedrohlich über den Verhandlungen. Sollte keine Einigung bis zum 21. März erfolgen, droht Verdi mit einem unbefristeten Streik – ein drohendes Verkehrschaos, das von einer überwältigenden Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder abgenickt werden müsste.
Eine Abkühlung der Situation ist nicht in Sicht, zumal das letzte Angebot der Arbeitgeber abgelehnt wurde. Eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 17,6 Prozent mit einer Laufzeit bis 2028 und rückwirkenden Zahlungen reichte der Gewerkschaft nicht aus. Der Riss zwischen den Parteien bleibt tief, während die Berliner sich mit dem Verkehrsstillstand arrangieren müssen.

