Öffentlicher Dienst

Tarifrunde mit Winterstreiks?

03. Dezember 2025, 14:15 Uhr · Quelle: dpa
Tarifrunde für Länderbeschäftigte
Foto: Carsten Koall/dpa
Proteste zum Verhandlungsauftakt.
Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Einkommen für Millionen von Landesbeschäftigten, während Arbeitgeber dies ablehnen. Möglicherweise drohen Winterstreiks, die den Alltag beeinflussen könnten.

Berlin (dpa) - Die Vorstellungen könnten konträrer nicht sein: Die Gewerkschaften des öffentlichen Diensts fordern sieben Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 300 Euro mehr. Die Länder als Arbeitgeber lehnen das als unbezahlbar ab. Ein Überblick über die Tarifrunde für Millionen Landesbeschäftigte, die in Berlin begonnen hat:

Für wen wird verhandelt?

Für insgesamt rund 2,2 Millionen Beschäftigte. Direkt betroffen sind laut Verdi mehr als 900.000 Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder außer Hessen, das separat mit den Gewerkschaften verhandelt. Da das Tarifergebnis im Nachhinein in den einzelnen Ländern per Gesetz auf die Beamtinnen und Beamten und Versorgungsempfänger übertragen werden soll, sind auch diese rund 1,3 Millionen Personen in der Gesamtzahl enthalten. Verhandelt wird etwa für Lehrkräfte an Schulen, Lehrende an Hochschulen sowie Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken. Strafvollzug und Justizwesen sind genauso betroffen wie die Kitas in Berlin.

Was fordern die Gewerkschaften?

Sieben Prozent mehr Geld im Monat – mindestens aber 300 Euro zusätzlich. Das soll die unteren Lohngruppen stärken. 200 Euro pro Monat mehr soll es für Nachwuchskräfte geben - und die Aussicht auf unbefristete Übernahme. Alle Zeitzuschläge sollen um 20 Prozentpunkte steigen. Das Ganze bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Verdi-Chef Frank Werneke begründet die Forderungen so: «Wir haben in der gesamten Breite des öffentlichen Dienstes, nicht nur in den Ländern, aber eben auch in den Ländern, im großen Umfang ungedecktem Personalbedarf.» Das betreffe Unikliniken, die Straßenbauverwaltung, das Justizwesen und in den Stadtstaaten auch eine Menge bürgernaher Dienstleistungen.

Wie bewerten die Arbeitgeber die Forderungen?

Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) bekräftigt beim Start seine harte Position, die Gewerkschaften verlangten schlicht zu viel. Seine Aussage, es handele sich um «astronomische Forderungen», mit der der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) bereits im Vorfeld Kritik der Gewerkschaften auf sich gezogen hatte, wiederholte er nicht.

Bereits seit 2013 seien die Tabellenentgelte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder um durchschnittlich rund 42 Prozent erhöht worden - bei unteren Lohngruppen sogar um bis zu rund 59 Prozent, argumentiert Dressel. Die Verbraucherpreise hätten nur um rund 33,6 Prozent zugelegt. Bei den Finanzen sehe es in den Ländern dagegen schlecht aus - vor allem ein «dramatisches Ausgabenwachstum» bei den Sozialleistungen übertreffe das schmale Einnahmewachstum weit. Auf besonders harte Kritik stößt bei Dressel die Forderung nach einem zusätzlichen freien Tag für Gewerkschaftsmitglieder - da dies wohl eher der Mitgliederwerbung als dem Tarifgefüge diene.

Was macht die Verhandlungen vom Start weg schwierig?

Unterschiedliche Einschätzungen zur Lage. Werneke argumentiert, die Gewerkschaften seien «absolut entschlossen» zu verhindern, dass es schlechtere Tarifverträge in den Ländern als in Bund und Kommunen gibt. Dies sei «nicht einsehbar». Für den öffentlichen Dienst dort - unter anderem Busfahrer und Müllwerker waren betroffen - ergab eine Tarifrunde im April mehr Geld in zwei Stufen, zunächst drei Prozent, mindestens aber 110 Euro mehr, dann noch einmal 2,8 Prozent mehr. Weniger gilt bei den Gewerkschaften als nicht akzeptabel.

Die Länder sehen angesichts der für sie zu hohen Forderung dagegen die eigene Handlungsfähigkeit bedroht. Sachsens Finanzminister Christian Piwarz (CDU) sagte sogar, es gehe am Ende um die Frage: «In welchem Umfang können wir uns diesen öffentlichen Dienst noch leisten?» 

Was spüren die Bürgerinnen und Bürger von der Tarifrunde?

Voraussichtlich Warnstreiks und Protestaktionen. Die Streikkassen seien «ausreichend» gefüllt, sagt Werneke. Verdi-Vizechefin Christine Behle verkündet: «Die Mobilisierungsfähigkeit ist gut.» Zwar handele es sich bei rund 60 Prozent der Betroffenen um Beamtinnen und Beamte, die nicht streiken dürften. «Aber insbesondere an Unikliniken, Universitäten, aber auch klassischen Bereichen wie Straßenbauverwaltung erleben wir derzeit tatsächlich ein großes Bedürfnis, nicht abgehängt zu werden.» Werneke kündigte bereits im Vorfeld in einem Interview an, wo Warnstreiks nötig seien, werde zu breiter Beteiligung aufgerufen: «Das kann beispielsweise Universitätskliniken, angestellte Lehrerinnen, Polizeiangestellte, auch Personal betreffen, das die winterlichen Straßen räumt.»

Bis zu einem möglichen neuen Tarifvertrag kann es dauern. Die vorerst letzte Verhandlungsrunde ist für 11. bis 13. Februar in Potsdam angesetzt.

Tarife / Bundesländer / Einkommen / Gewerkschaft / Deutschland / Fragen & Antworten
03.12.2025 · 14:15 Uhr
[6 Kommentare]
Bombenanschlag in Pakistan
Islamabad (dpa) - Eine heftige Explosion hat einen Personenzug im Westen Pakistans erfasst und viele Menschen in den Tod gerissen. Zu den Todesopfern bei dem Zwischenfall in der Unruheprovinz Baluchistan wurden unterschiedliche Zahlen genannt. Ein Polizeisprecher sprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von 30 Toten und mehr als 100 Verletzten.  […] (00)
vor 1 Stunde
Hitzestau? Sonys körpernahe mobile Klimaanlage kühlt dich ab!
Eine Klimaanlage als Wearable? Ja, die gibt’s wirklich, und das schon seit 2019. Jetzt hat der Hersteller Sony seine Reon Pocket Pro noch verbessert, für höhere Kühlwirkung. Nebenbei kann das Gerät den Körper von seinem Platz zwischen den Schulterblättern aus auch wärmen. Es wird einfach an den Hals geclipst und verrichtet dann mindestens 5,5 Stunden am […] (02)
vor 4 Stunden
KI
Stuttgart (dpa) - Künstliche Intelligenz ist in den Zukunftsplanungen der deutschen Wirtschaft fest verankert, doch auf dem Weg in den produktiven Arbeitsalltag in den Unternehmen verliert sie oft massiv an Schwung. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des IT-Beratungsunternehmens Zoi. Für einen erfolgreichen KI-Einsatz mangle es weniger an Geld, sondern an der […] (00)
vor 14 Stunden
R-Type Dimensions III im Test: Der Herr verzeiht, R-Type nicht!
R-Type Dimensions III ist ein Remake des Shoot-´em Up SNES -Klassikers. Es wurde mit der Erlaubnis von Rechteinhaber Irem von Tozai Games von Grund auf neu überarbeitet und von ININ Games für Nintendo Switch,  PlayStation 5, Xbox Series X / S und Steam am 19.05.2026 veröffentlicht. Wir haben uns abermals in das Cockpit eines R-90 […] (00)
vor 9 Stunden
National Geographic schickt Antoni Porowski auf globale Entdeckungsreise
Die neue Reise-Dokumentation «Best of the World with Antoni Porowski» startet Anfang Juni bei National Geographic. National Geographic erweitert seine bekannte «Best of the World»-Marke um eine neue TV-Produktion. Wie der Sender bekanntgab, startet die vierteilige Reisedokumentation Best of the World with Antoni Porowski am 7. Juni um 21 Uhr bei National Geographic. Bereits einen Tag später […] (00)
vor 7 Stunden
Tennis French Open
Paris (dpa) - Alexander Zverev winkte kurz ins Publikum und sah eher erschöpft als glücklich aus. Der deutsche Tennisstar hatte beim Hitzestart der French Open eiskalt zugeschlagen und den französischen Lokalmatadoren Benjamin Bonzi mit 6: 3, 6: 4, 6: 2 wie erwartet besiegt. Beim Auftakt seiner Titel-Mission zeigte der 29-Jährige eine solide, aber […] (00)
vor 3 Stunden
man, drinking, whiskey, brandy, liquor, smoking, tobacco, cigarette, addiction, habit
Die jüngste Kursentwicklung von XRP zeigt eine zunehmende Unentschlossenheit, da die Volatilität auf höheren Zeitebenen abnimmt, während kurzfristige Charts wiederholte Reaktionen von etablierten Unterstützungs- und Widerstandszonen zeigen. Solche Phasen der Kompression gehen oft bedeutenden Richtungsbewegungen voraus, was die bevorstehenden Handelssitzungen für die […] (00)
vor 1 Stunde
Frische im Alltag trotz tierischer Mitbewohner
Mörfelden-Walldorf, 24.05.2026 (lifePR) - Haustiere bereichern den Alltag, bringen aber je nach Situation auch typische Gerüche mit sich. Besonders in Innenräumen, in denen Hund oder Katze eng mit dir zusammenleben, lassen sich diese nicht immer vermeiden. Feuchtigkeit im Fell nach Spaziergängen, nasse Decken oder die natürliche Haut- und […] (00)
vor 12 Stunden
 
Erster Impfstoff für Menschen gegen Borreliose wirkt in Studie zu 73,2 Prozent
Für Hunde gibt es ihn bereits, für Menschen lässt er schon viel zu lange auf sich […] (00)
ARD-Logo (Archiv)
Kiew - Bei den nächtlichen russischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt ist […] (02)
Lagertank Notfall in Kalifornien
Los Angeles (dpa) - Angesichts der gefährlichen Lage rund um einen […] (00)
Junge Liberale (Archiv)
Berlin - Vor der Neuwahl des FDP-Vorstands drängen die Jungen Liberalen darauf, die […] (03)
Strategische Finanzmanöver In einem mutigen Ausdruck finanzieller Klugheit hat […] (00)
Dave Flemming verstärkt Baseball-Berichterstattung von NBC Sports
Der langjährige Kommentator der San Francisco Giants übernimmt künftig Spiele für «MLB Sunday […] (00)
Sarah Engels
(BANG) - Sarah Engels hat endlich Zeit, ihre Teilnahme beim Eurovision Song Contest […] (00)
FC Bayern München - VfB Stuttgart
Berlin (dpa) - Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat Stürmerstar Harry Kane nach […] (01)
 
 
Suchbegriff