Tarife

Schlichtung für öffentlichen Dienst eingeleitet

30. März 2023, 19:09 Uhr · Quelle: dpa
Am Ende waren die Konflikte um das Einkommen von Millionen Beschäftigten zu groß. Bei den Verhandlungen für den öffentlichen Dienst krachte es. Ob Schlichter den Streit lösen können, ist offen.

Berlin (dpa) - Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen haben die Arbeitgeber die Schlichtung eingeleitet. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und das Bundesinnenministerium riefen die Schlichtung dazu formal an, wie es in Verhandlungskreisen hieß.

Arbeitgeber und Gewerkschaften hatten sich am Vortag nicht auf einen Abschluss für die 2,5 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen einigen können. Verdi und der Beamtenbund dbb erklärten die Verhandlungen gegen Mitternacht für gescheitert. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) kündigte die Einberufung der Schlichtung noch in der Nacht an.

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen kündigt der Chef der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke, weitere Warnstreiks an. «Bis zu Beginn der Friedenspflicht am Sonntag planen wir einzelne Warnstreiks in verschiedenen Teilbereichen, darunter auch in Kitas oder Kliniken», sagte er der «Süddeutschen Zeitung». Es werde sich jedoch vor allem um Informationsformate handeln, es sei nicht geplant, ganze Verwaltungen oder Unternehmen lahmzulegen.

Über die Ostertage gibt es dann keine Warnstreiks im öffentlichen Dienst. Nun wird mit Spannung erwartet, ob die Schlichter den aufgeheizten Tarifstreit lösen können - oder ob auch die Schlichtung scheitert und in einigen Wochen neue Streiks bevorstehen.

Zeit bis Mitte April

Bis zum kommenden Donnerstag soll nun die voraussichtlich 24-köpfige Schlichtungskommission zusammentreten. Die Vorsitzenden sind der ehemalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt für die Arbeitgeberseite und der ehemalige Bremer Staatsrat Hans-Henning Lühr für die Gewerkschaften, wobei Lühr im Fall eines Stimmenpatts in der Kommission die entscheidende Stimme hat. Die Schlichtungskommission hat bis Mitte April Zeit, einen Einigungsvorschlag vorzulegen.

Die Arbeitgeber boten laut Faeser 8 Prozent mehr Einkommen und einen Mindestbetrag von 300 Euro an - dazu eine steuerfreie Einmalzahlung von 3000 Euro mit einer Auszahlung von 1750 Euro bereits im Mai. Verdi und dbb hatten 10,5 Prozent mehr Einkommen gefordert, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Bei der Laufzeit hatten beide Seiten in den Gesprächen Kompromissbereitschaft signalisiert, hieß es in Verhandlungskreisen. Die Gewerkschaften hatten ursprünglich 12 Monate gefordert, die Arbeitgeber 27 Monate angeboten.

DIW: «Irgendwo zwischen den 300 und 500 Euro Mindestbetrag»

Der Städte- und Gemeindebund sieht wenig Spielraum für ein weiteres Zugehen der Kommunen auf die Arbeitnehmer. «Was die Arbeitgeberseite angeboten hat, bedeutet bereits für die Kommunen einen zweistelligen Milliardenbetrag pro Jahr», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg im Deutschlandfunk. Das Angebot der Arbeitgeberseite sei ein deutliches Signal. Er hoffe, «dass alle Beteiligten doch noch zu einer Lösung kommen», sagte Landsberg.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sagte auf NDR Info: «Ich vermute, man wird sich irgendwo zwischen den 300 und 500 Euro Mindestbetrag an zusätzlichem monatlichen Einkommen einigen.» Das Arbeitgeber-Angebot von acht Prozent mehr Gehalt ist laut Fratzscher «eine ganze Menge».

In drei Verhandlungsrunden ab Januar war Gewerkschaften und Arbeitgebern keine ausreichende Annäherung gelungen. Werneke sagte: «Am Ende mussten wir feststellen, dass die Unterschiede nicht überbrückbar waren.» Der Chef des Beamtenbunds dbb, Ulrich Silberbach, sagte: «Wir müssen Reallohnverluste verhindern und brauchen einen nachhaltigen Inflationsausgleich.»

Ministerin Faeser und die Verhandlungsführerin der Kommunen, Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge (beide SPD), zeigten sich enttäuscht. «Ich bedauere sehr, dass die Gewerkschaften jetzt die Verhandlungen abgebrochen haben», sagte Faeser. Die Arbeitgeber seien «bis an die Grenze des Verantwortbaren für die öffentlichen Haushalte» auf die Gewerkschaften zugegangen. Welge sagte: «Die Brücke, die wir geschlagen haben, ist keine, die man nicht hätte begehen können. Insoweit steht uns die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.»

Streiks nach gescheiterter Schlichtung möglich

Wie es nach der Schlichtung weitergeht, ist offen. Spätestens am 18. April müssen nach einer Aufstellung der Gewerkschaften, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, die Verhandlungen der Tarifparteien wieder aufgenommen werden. Der Tarifstreit kann dann endgültig gelöst werden - aber es können auch reguläre Streiks folgen. Streiks nach gescheiterter Schlichtung gab es bereits Anfang der 90er Jahre im öffentlichen Dienst.

Werneke geht nach eigenen Worten von einer weiter hohen Streikbereitschaft der Arbeitnehmer aus, falls sich die Tarifparteien nicht einigen. In den vergangenen Wochen hatten die Gewerkschaften den öffentlichen Verkehr, Kitas, Kliniken und viele andere Bereiche teils lahm gelegt. «Wir hatten bis zum Ende der vergangenen Woche eine halbe Million Teilnehmerinnen und Teilnehmer», sagte Werneke. Das zeige, mit welcher Unterstützung Verdi unterwegs gewesen sei. «Und diese Unterstützung ist ungebrochen.»

Tarife / Gewerkschaften / Streiks / Arbeitgeber / Öffentlicher Dienst / Deutschland
30.03.2023 · 19:09 Uhr
[6 Kommentare]
Außenminister-Treffen der G7
Vaux-de-Cernay (dpa) - Trotz Kritik aus den USA an den europäischen Partnern haben die G7-Außenminister eine gemeinsame Linie zum Iran-Krieg gefunden. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul sagte nach einem Gespräch auch mit seinem US-Kollegen Marco Rubio, es gebe keinen Dissens und auch keine Forderung der USA zu einem militärischen Beitrag vor […] (08)
vor 15 Minuten
Bruce Springsteen
(BANG) - Die kommende Tour von Bruce Springsteen wird "politisch sein". "The Boss" startet seine US-Tour mit der E Street Band am 31. März in Minneapolis, nur wenige Monate nachdem er dort im Januar bei einem Anti-ICE-Konzert seinen Protestsong 'Streets of Minneapolis' erstmals vorgestellt hatte. Die Tour soll am 27. Mai in Washington, D.C. enden. […] (01)
vor 5 Stunden
Illustration - Smartphone-Nutzung
Brüssel (dpa) - Im Kampf gegen Kinderpornografie wird es in der EU ab Ende kommender Woche keine rechtssicheren Kontrollen von Online-Kommunikation mehr geben. Eine Mehrheit der Abgeordneten des Europaparlaments lehnte bei einer Abstimmung in Brüssel am Donnerstag die Verlängerung der Erlaubnis für Online-Plattformen wie Instagram oder LinkedIn ab. Die […] (00)
vor 4 Stunden
Kingdom Come Mitgründer zu DLSS 5: „Hater werden das nicht aufhalten“
Die Debatte um Nvidias DLSS 5 reißt nicht ab – doch während viele Entwickler und Animatoren die Technologie scharf kritisieren, gibt es auch prominente Stimmen, die eine ganz andere Perspektive einnehmen. Daniel Vávra, Mitgründer von Warhorse Studios und Kopf hinter der Kingdom-Come-Deliverance-Reihe, hat sich in einem Social-Media-Beitrag klar […] (00)
vor 6 Stunden
NBC verlängert «Chicago Fire», «Chicago P.D.» und «Chicago Med»
Das „One Chicago“-Universum bleibt stabil: Alle drei Serien kehren auch in der Saison 2026/27 zurück. Der US-Network NBC setzt weiter auf sein erfolgreichstes Franchise und hat gleich drei Formate verlängert: Chicago Fire, Chicago P.D. und Chicago Med erhalten jeweils neue Staffeln für die Season 2026/27. Damit kommen die Serien auf beeindruckende Laufzeiten von 15, 14 und 12 Staffeln. Die […] (00)
vor 1 Stunde
US-Golfstar Tiger Woods
Jupiter Island (dpa) - US-Golfstar Tiger Woods ist laut US-Medienberichten in einen Autounfall verwickelt worden. Das Fahrzeug überschlug sich am Freitagnachmittag (Ortszeit) in der Stadt Jupiter Island im Bundesstaat Florida, wie unter anderem ABC News und NBC News unter Berufung auf das örtliche Sheriff-Büro berichteten. Zum Gesundheitszustand von […] (02)
vor 15 Minuten
Runde Silber  Und Goldmünzen
Analysten sind der Meinung, dass der aktuelle Preis von XRP, der sich bei etwa $1,40 bewegt, unterbewertet ist. Obwohl die Kryptowährung im letzten Jahr über $3 gestiegen ist, erreichte sie kein neues Allzeithoch und hat seitdem einen deutlichen Rückgang erlebt, da ihre technische Struktur schwächer wurde. Trotz dieser Entwicklungen bleiben Analysten optimistisch und argumentieren, dass selbst […] (00)
vor 1 Stunde
Green Bridge Metals: 1. Bohrphase bei „Titac South“ abgeschlossen
Lüdenscheid, 27.03.2026 (PresseBox) - Green Bridge Metals Corp. (ISIN: CA3929211025; WKN: A3EW4S), freut sich, ein Update zu seinem laufenden Phase-1-Diamantkernbohrprogramm dem Projekt “Titac” bereitzustellen, das sich im “South Contact District” des Unternehmens im Nordosten des US-Bundesstaates Minnesota befindet. Das Projekt “Titac” beherbergt eine […] (00)
vor 3 Stunden
 
Deutsches Kriegsschiff (Archiv)
Berlin - Angesichts der jüngsten Gespräche für ein Ende des Iran-Kriegs pocht der […] (07)
Bäume Während Der Wintersaison
Klare Nächte im Südosten, Niederschlag aus Nordwest In der Südosthälfte der Republik […] (00)
Wallstreet in New York
New York - Die US-Börsen haben am Freitag deutlich nachgelassen. Zu Handelsende in […] (00)
Butter in einem Supermarkt (Archiv)
Berlin - Linken-Chef Jan van Aken fordert angesichts drohender Preissteigerungen bei […] (00)
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, anlagestrategien, austausch
Der Krypto-Experte X Finance Bull hat erläutert, wie XRP sich positioniert, um einen […] (00)
HEAT – Werft einen Blick auf Karten und Spielmodi
World of Tanks: HEAT hat den neuesten Teil seiner Videoreihe „Foundations“ […] (00)
Vor dem Großen Preis von Japan
Suzuka (dpa) - Das Weltmeister-Team McLaren hat sich im Formel-1-Training von Japan […] (03)
Die Meta Apps Instagram, Facebook und WhatsApp
Hamburg (dpa/lno) - Im Verfahren um eine Musterfeststellungsklage des Bundesverbands […] (00)
 
 
Suchbegriff