Söder und die Kunst der Geschlossenheit: CSU bereit zur Wiederwahl

Markus Söder setzt derzeit alles daran, in der CSU den Eindruck größtmöglicher Einigkeit zu erwecken. Diesem Ziel scheint sein unablässiger Appell zur Geschlossenheit zu dienen – ein Appell, der angesichts vergangener Differenzen innerhalb der schwarz-roten Koalition auf Bundesebene durchaus bedeutungsvoll erscheint. Doch nicht nur auf Bundesebene stehen diese Worte im Vordergrund, auch innerhalb der CSU ist Söders Streben nach Harmonie klar wahrnehmbar. Dies ist kein Zufall: Am bevorstehenden Parteitag erhofft sich Söder eine erneute Bestätigung als Parteichef – eine Phase, in der Geschlossenheit von unschätzbarem Wert ist.
Söders jüngstes Kapitel innerparteilicher Turbulenzen fand im Herbst statt, als er mit einer musikalischen Einlage auf dem Oktoberfest für Aufsehen sorgte. Obwohl sein experimenteller Auftritt in den sozialen Netzwerken hohe Aufmerksamkeit genoss, fiel das Echo innerhalb der konservativen Parteibasis weit weniger positiv aus. Ein Mitglied des CSU-Vorstands fasste die Auswirkungen zusammen und bemerkte, dass Söder seitdem erfreulicherweise sowohl seinen musikalischen als auch kulinarischen Enthusiasmus auf Social Media reduziert habe. Söder selbst sprach von der Herausforderung, das richtige Maß zu finden.
In der CSU wird gelegentlich von einer gewissen "Söder-Müdigkeit" gesprochen. Nach sechs Jahren an der Spitze des Ministerpräsidentenamts ist er gewiss unangefochten, dennoch ist eine leichte Abstumpfung in der Wahrnehmung nicht zu leugnen. Auch wenn es bislang keinen ernsthaften Herausforderer gibt, ist ungewiss, ob dieser Umstand letztlich für die Partei von Vorteil ist.
Markus Söder kann seiner Wiederwahl recht gelassen entgegensehen, da die CSU traditionell ihre Geschlossenheit vor Wahlen unter Beweis stellt. Die Signale aus Berlin, trotz mäßiger Bundestagswahlergebnisse, deuten auf eine gefestigtere Haltung hin, und in Bayern sind die Freien Wähler keine ernsthafte Bedrohung mehr. Auf dem Parteitag soll ein Leitantrag zur Kommunalwahl als Symbol der Geschlossenheit dienen, auch wenn dieser keinen großen Schnittpunkt für hitzige Diskussionen bietet. Die Partei scheint auf einen fortwährenden Kurs des Zielsicherheits zu setzen, bei dem mögliche Spuren der Erschöpfung im Hintergrund verbleiben.

