Steuererleichterung in der Gastronomie: Kein flächendeckender Preisrutsch in Sicht

Zum Jahresbeginn wird die Mehrwertsteuer für Speisen in Restaurants von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Doch entgegen der Erwartungen vieler Gastro-Liebhaber ist ein breiter Preisrutsch in der Gastronomie nicht zu erwarten.
Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), betont, dass die Preisgestaltung maßgeblich von der allgemeinen Kostenentwicklung abhängt, welche in den vergangenen Jahren drastische Steigerungen in Bereichen wie Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke, Energie und Personalkosten verzeichnet hat. Mit dem kommenden Jahreswechsel erhöht sich der Mindestlohn von 12,82 auf 13,90 Euro, was insbesondere für beschäftigungsintensive Restaurants eine enorme Herausforderung darstellt.
Die Dehoga kann als Verband keine konkreten Preisempfehlungen geben – diese Verantwortung liegt ausschließlich bei den Unternehmern selbst. Viele Gastronomen haben bereits klargestellt, dass Restaurantbesuche kaum günstiger werden. Die Steuersenkung dient vielerorts lediglich dazu, die gestiegenen Kosten teilweise zu kompensieren.
Die Dehoga hat hohe Erwartungen an die Auswirkungen der Steuersenkung, für die sie sich jahrelang eingesetzt hat. Hartges bezeichnet diese Maßnahme als entscheidend für die Zukunftssicherung von Restaurants und Cafés, um Existenzen und Arbeitsplätze in der handwerklich arbeitenden Küche zu schützen. Sie betont die Wichtigkeit einer vielseitigen Gastronomielandschaft, in der nicht nur große Ketten und Imbisse dominieren, sondern auch gemütliche öffentliche Treffpunkte mit ansprechender Atmosphäre.
Die Branche hat bereits das sechste Verlustjahr in Folge erlitten, bedingt durch Corona-Maßnahmen und die eskalierenden Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine. Zwischen Anfang 2020 und November 2025 stiegen die Preise im Gastgewerbe um etwa 34 Prozent.
Dennoch blickt Hartges optimistisch in die Zukunft und hofft, dass sich 2026 eine Besserung einstellt. Diese hänge jedoch von zahlreichen Faktoren ab, darunter geopolitische Entwicklungen sowie die Preise für Nahrungsmittel und Energie.
In Bezug auf die Bürokratie fordert Hartges von der Politik Erleichterungen, wie die Lockerung der Allergenkennzeichnung und bei Reinigungsprotokollen. Protokolle in Toiletten und ständige Kennzeichnungspflichten hält sie für wenig zielführend. Stattdessen sollte mehr pragmatischer Handlungsspielraum gewährt werden, um die Gastfreundschaft zu fördern und den betrieblichen Aufwand zu minimieren.

