Steigende Piraterie gefährdet globale Handelsrouten
Die internationale Schifffahrt sieht sich einer wachsenden Bedrohung durch Piraterie ausgesetzt. Laut einem Bericht des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) aus London wurden im vergangenen Jahr 137 Angriffe und versuchte Angriffe auf Handelsschiffe dokumentiert, ein signifikanter Anstieg im Vergleich zu den 116 Zwischenfällen im Jahr 2024. Seit über drei Jahren ist dies der höchste registrierte Wert. Das IMB, das zum Netzwerk der Internationalen Handelskammer gehört und unter anderem in Malaysia eine Meldestelle betreibt, berichtet von 121 erfolgreichen Enterungen, vier Entführungen und zwei Beschießungen. In weiteren zehn Fällen endeten die Attacken lediglich in Versuchen, die nicht vollständig umgesetzt wurden.
In einer Stellungnahme hebt der deutsche Zweig der Internationalen Handelskammer hervor, dass auch weniger dramatische Zwischenfälle weiterhin eine ernste Bedrohung für die Sicherheit von Seeleuten darstellen. Besonders stark betroffen war die vielbefahrene Straße von Singapur, wo 80 der Vorfälle registriert wurden. Dies entspricht einem massiven Anteil von 58,4 Prozent aller dokumentierten Angriffe und spiegelt die Bedeutung dieser Meerenge wider, durch die ungefähr ein Drittel des weltweiten Handels fließt.
Auch deutsche Schiffe blieben nicht verschont, waren aber nur in acht dokumentierten Fällen betroffen. In diesem Kontext ist zu berücksichtigen, dass die Mehrheit deutscher Handelsschiffe unter fremder Flagge fährt, da dies häufig kostengünstiger ist. Besonders bemerkenswert ist ein Vorfall im März nahe Ecuador: Das Containerschiff "Callao Express" entging einer drohenden Attacke, indem die Besatzung bei Sichtung zweier unbeleuchteter Boote schnell reagierte, die Behörden alarmierte und durch kluge Manöver das Schlimmste verhinderte.

