Startup will für längeres Leben sorgen: Embryonen aus Stammzellen als Ersatzteillager

Die Art der Medizin, die sich mit lebensverlängernden Maßnahmen beschäftigt, wird auch als Longevity Medicine bezeichnet. Ein Biotech-Unternehmen mit Sitz in Israel möchte in diesem Bereich nun zu drastischen Maßnahmen greifen und künstlich Menschen im Embryonalstadium erzeugen, um Gewebe für Transplantationsbehandlungen zu gewinnen.

2-cell Embryo
Foto: 2-cell, Bruno Vellutini, Flickr, CC BY-SA 2.0

Wie aus dem Science-Fiction-Film

Das Startup hört auf den Namen Renewal Bio und macht sich aktuelle Entwicklungen in der Stammzelltechnologie sowie sogenannten künstlichen Gebärmuttern zunutze. Vorgestellt wurde das entsprechende Verfahren von Jacob Hanna, seines Zeichens Biologe am Weizmann Institute of Science in Rehovot. So zeigte der Wissenschaftler etwa, dass er im Labor Mäusestammzellen nutzen kann, um realistisch aussehende Mäuseembryonen zu schaffen, die dann in einer künstlichen Gebärmutter über mehrere Tage wachsen konnten um dann über schlagende Herzen, einen Blutfluss und eine Schädelfalte zu verfügen.

Bei dem Experiment handelt es sich um eine Premiere: Erstmals wurde ein derart fortgeschrittener Embryo geschaffen, ohne dabei Spermien, Eizellen und eine echte Gebärmutter zu verwenden. „Dieses Experiment hat enorme Auswirkungen. Man fragt sich, welches Säugetier als Nächstes an der Reihe sein könnte“, kommentiert Bernard Siegel vom World Stem Cell Summit.

Hanna selber sagt, dass er bereits daran arbeitet, die Technik auch auf menschliche Zellen zu übertragen. Das Ziel ist, künstliche menschliche Embryone herzustellen, die etwa einer Schwangerschaft nach dem 50. Tag entsprechen. Grundlegende Organe und winzige Gliedmaßen sind zu diesem Zeitpunkt bereits ausgebildet.

Diverse Möglichkeiten

Der Embryo – auch wenn er künstlich ist – baut den Körper auf natürliche Art und Weise auf. „Können wir diese organisierten Embryo-Entitäten mit frühen Organen nutzen, um Zellen zu erhalten, die für Transplantationen verwendet werden können? Wir sehen das als einen möglicherweise universellen Ausgangspunkt“, so Hanna.

So könnten etwa embryonale Blutzellen verwendet werden, um das Immunsystem von älteren Menschen zu unterstützen und wieder in Gang zu bringen. Eine andere Version sieht vor, eine embryonale Kopie einer Frau mit altersbedingter Unfruchtbarkeit zu erschaffen und mittels dieser dann gesunde, „junge“ Eizellen für die Befruchtung zu erzeugen.

Wie genau diese Visionen technisch umgesetzt werden sollen, möchte das Team von Renewal Bio allerdings noch nicht verraten. „Wir wollen nicht zu viel versprechen, und wir wollen die Leute nicht verängstigen“, so Omri Amirav-Drory, CEO des Startups.

Erstaunliche Ähnlichkeit mit echten Embryonen

Hanna zufolge komme man mit den aktuellen Versuchen mit künstlichen Mäuse-Embryonen der natürlichen Vorlage bereits sehr sehr nahe. Laut ersten Analysen betrage diese Ähnlichkeit 95 Prozent ­— zumindest, wenn man die einzelnen Zellen betrachtet.

Die Verfahren zur Erzeugung der künstlichen Embryonen sind allerdings noch relativ ineffizient. Von 100 Versuchen mit Mäuseembryonen war weniger als einer erfolgreich. Und auch bei denen, die sich erfolgreich entwickelten, kam es zu Anomalien wie etwa Herzproblemen.

Versuche mit eigenen Zellen

Die nächste von Hanna geplante Versuchsreihe ist ambitioniert. Er will eigene Blut- oder Hautzellen nutzen, um synthetische menschliche Embryos herzustellen. Hanna selber stört sich nicht an der Vorstellung von tausenden künstlichen genetischen Klonen von sich selbst. Er betrachtet die künstlichen Embryos als „Wesen ohne Zukunft“, die nicht lebensfähig sind. Der Schritt aus dem Reagenzglas ins echte Leben ist derzeit so oder so nicht möglich, da es an der Plazenta und der Verbindung über die Nabelschnur zur Mutter mangelt.

Ethische Herausforderungen

Eine Debatte darüber, ob synthetische Embryos irgendwelche Rechte haben, scheint mit Weiterentwicklung dieser Technik allerdings unumgänglich. Damit verbunden wäre auch die Frage, ob sie aus ethischer Sicht überhaupt Grundmaterial für Medizin und Wissenschaft liefern dürfen.

Auch Hanna hat diese Problematik bereits erkannt und denkt über Möglichkeiten nach, um ethische Dilemmas zu vermeiden. „Wir halten das für wichtig und haben viel in dieses Thema investiert“, sagt er. So wäre es etwa möglich, mittels genetischer Veränderungen die Bildung von Herz, Lunge oder Gehirn zu verhindern und so das Lebenspotential der Embryos einzuschränken.

Noch ein langer Weg

Renewal Bio hat die notwendigen Technologien bereits vom Weizmann-Institut lizensiert und möchte nun in die Verbesserung der Inkubatortechnik sowie Techniken zur Überwachung der Embryos investieren. Amirav-Drory betont, dass das Unternehmen noch in einem frühen Stadium ist und überhaupt erstmal lernen muss, wofür die Technologie eingesetzt werden könnte. Bis wir Menschen mit Produkten von künstlichen Embryos behandeln können, muss also noch viel geforscht und diskutiert werden.

via Weizmann Institute of Science

Wissenschaft / Medizin / Stammzellen
09.08.2022 · 19:00 Uhr
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