Starker Seegang erschwert Suche nach Überlebenden

19. Januar 2012, 21:53 Uhr · Quelle: dpa

Giglio (dpa) - Die Retter riskieren alles, doch ein aufziehender Sturm lässt die Hoffnung auf Überlebende im Wrack der «Costa Concordia» schwinden. Rund eine Woche nach dem Schiffsunglück vor der italienischen Insel Giglio warnten Meteorologen vor starken Winden und schwerem Seegang.

Meterhohe Wellen könnten das havarierte Schiff abrutschen und sinken lassen. Taucher suchten am Donnerstag unter Lebensgefahr nach Vermissten. Experten bereiteten das Abpumpen des Treibstoffs vor. Der Drogentest des Kapitäns läuft. Die Kreuzfahrtbranche will ihren Ruf retten und fordert eine umfassende Auswertung des Unglücks.

Immer noch werden mehr als 20 Menschen vermisst. Das Auswärtige Amt ging auch am Donnerstag von zwölf vermissten Deutschen aus. Elf Tote wurden bisher geborgen: Vier Franzosen, ein Peruaner und ein Ungar wurden identifiziert. Eine Bestätigung, dass auch Deutsche unter den Toten sind, gab es bisher nicht.

Die Reederei Costa Crociere suspendierte den beschuldigten Kapitän, Francesco Schettino, mit sofortiger Wirkung vom Dienst. Das Genueser Unternehmen werde ihn auch nicht verteidigen, sagte Costa-Anwalt Marco De Luca nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa. Costa Crociere sehe sich selbst als geschädigt an.

Schettino wird mehrfache fahrlässige Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

In etwa zehn Tagen sollen toxikologische Untersuchungen abgeschlossen sein, die Aufschluss über einen möglichen Drogenkonsum des Kapitäns geben. Dies wurde laut Ansa aus Justizkreisen in Grosseto bekannt. Ausgeschlossen scheine es, dass Schettino während der Havarie betrunken war, hieß es.

Der 52-Jährige steht in seiner Heimat unter Hausarrest. Freunde verteidigten ihn. Sie fordern, Schettino nicht länger an den Pranger zu stellen. «Nicht aufgeben, Kapitän», stand auf einem Plakat zur Begrüßung, wie Aufnahmen aus Meta di Sorrento bei Neapel zeigten.

«Das Schiff liegt weiterhin in unsicherer Lage in einer Untiefe», erklärte Luca Cari von den Rettungsmannschaften. Die Taucher müssten deshalb vorsichtig vorgehen. «Jede Verlagerung würde Gefahr bedeuten, und wir müssten die Operationen erneut einstellen.» Rettungsteams und Taucher von Feuerwehr, Küstenwache und Marine konzentrierten sich vor allem auf die vierte Brücke des Schiffes unter Wasser. Wie in den vergangenen Tagen setzten sie Sprengstoff ein, um sich durch die Schiffshaut Zugang ins Innere zu verschaffen.

Das 290 Meter lange Schiff mit mehr als 4200 Menschen an Bord rammte vor einer Woche - in der Nacht zum Samstag - nach einer Kursänderung des Kapitäns einen Felsen, schlug leck und kenterte. Das Schiff liegt in starker Schräglage vor der Insel Giglio.

Das Abpumpen von Öl aus den Tanks des Schiffs wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Die Arbeiten sollen am Samstag beginnen, vielleicht auch schon früher, wie das italienische Umweltministerium mitteilte. Man warte darauf, dass die Rettungsarbeiten auf dem Schiff beendet seien. Die deutsche Niederlassung von Costa Crociere, Costa Kreuzfahrten, teilte mit, das niederländische Bergungsunternehmen Smit Salvage habe einen Plan zum Abpumpen ausgearbeitet.

Nach Angaben der Reederei sollen etwa 2300 Tonnen Treibstoff an Bord sein, offensichtlich überwiegend Schweröl. «Schweröl ist wie dicker, zähflüssiger Honig. Um es abzupumpen, muss es erst auf 45 bis 50 Grad erwärmt werden», sagte eine Sprecherin das Havariekommandos Cuxhaven. Die Tanks der «Costa Concordia» fassen 2400 Tonnen.

Umweltschützer warnen vor Umweltschäden. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) forderte ein Schwerölverbot für Kreuzfahrtschiffe auch im Mittelmeer, so wie es in Nord- und Ostsee der Fall sei.

Die «Costa Concordia» soll der Insel Giglio schon vor dem Unfall deutlich näher gekommen sein als der Betreiber behauptet. Bei einer genehmigten Kursänderung im August 2011 sei das Schiff in rund 230 Metern Entfernung von der Insel vorbeigefahren, sagte ein Sprecher des Schiffsinformationsdienstes Lloyd's List Intelligence in London. Anwalt De Luca sagte, er wisse nichts von Annäherungen dieser Art.

Besatzungsmitglieder sollen mehreren Passagieren nach Angaben von Augenzeugen den Zutritt auf eine Rettungsinsel verwehrt haben. «Not for passengers, for crew only» (Nicht für Passagiere, nur für die Crew) habe ein Schiffsmitarbeiter gesagt, berichtete der Überlebende Matthias Hanke nach RTL-Angaben in der Sendung «stern TV».

In italienischen Medien wie der Zeitung «La Stampa» sorgten Spekulationen über eine angeblich geheimnisvolle Frau auf der Kommandobrücke der «Costa Concordia» für Verwirrung. Von blinden Passagieren war die Rede. Zumindest eine 25-jährige verdächtigte Moldawierin entpuppte sich jedoch als normaler Gast. Domnica Cemortan (25) erklärte dem moldauischen Fernsehen, sie sei als Gast des Kreuzfahrtunternehmens auf dem Schiff gewesen, für das sie kurz zuvor als Hostess gearbeitet habe. Während des Abendessens mit ihren früheren Kollegen habe sich dann das Unglück ereignet.

Für das Personal von Kreuzfahrten sei es kein Geheimnis, dass Kapitän und Offiziere inoffiziell Freunde oder Verwandte einladen könnten, schrieb «La Stampa». Diese im Fall der «Costa Concordia» zu ermitteln, könnte wichtig werden, weil es auch die Verwirrung bei der Zahl der Vermissten erklären könnte.

Die Kreuzfahrtbranche forderte eine umfassende Untersuchung des Unglücks. Die Kreuzfahrtindustrie müsse «eine der weltweit sichersten Freizeitindustrien» bleiben, sagte in London Christine Duffy, Chefin des Kreuzfahrtschiffverbandes Cruise Lines International Association.

Schifffahrt / Unfälle / Italien
19.01.2012 · 21:53 Uhr
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