SPD-Weichenstellungen: Klingbeil und Bas an der Parteispitze
Nach einem desaströsen Wahlergebnis der SPD bei der Bundestagswahl tritt die Partei nun mit einem neuen Führungsduo auf: Vizekanzler Lars Klingbeil und Arbeitsministerin Bärbel Bas übernehmen gemeinsam das Ruder der traditionsreichen Sozialdemokraten. Die beiden sollen frischen Wind in die kriselnde Partei bringen. Doch Klingbeil muss gleich zu Beginn einen bitteren Rückschlag hinnehmen: Er erreichte das zweitschlechteste Ergebnis in der Geschichte der SPD-Vorsitzwahlen, was die internen Spannungen in der Partei offenbart.
Unmut schwelte auf dem Parteitag, auch wenn die Diskussionen vergleichsweise ruhig verliefen. In der Abstimmung zur Parteiführung zeigten viele Delegierte ihren Unmut, als Klingbeil nur 64,9 Prozent der Stimmen erhielt. Einzig Oskar Lafontaine schnitt im Jahr 1995 noch schwächer ab - dabei hatte er jedoch einen Gegenkandidaten. Klingbeil bezeichnete das Ergebnis als schmerzlich, betonte jedoch die Notwendigkeit der Umstrukturierungen der letzten Monate als Schritt zurück zur Stärke.
Bas wiederum erhielt mitreißende Unterstützung und wurde mit beeindruckenden 95 Prozent der Stimmen gewählt. Zuvor hatte Klingbeil sich zur Verantwortung für das schlechte Wahlergebnis bekannt und forderte seine Partei auf, nach intensiven Diskussionen geeint nach vorne zu blicken. Doch auch in der Partei selbst brodelt es: Klingbeils Umgang mit Saskia Esken und deren Statuswechsel zur einfachen Abgeordneten stieß besonders bei Bas auf Kritik.
Auch inhaltlich plant die SPD eine Neuausrichtung. Bas setzt auf Rückbesinnung zu traditionellen Kernthemen, während es auf dem Parteitag auch eine hitzige Debatte zur Außenpolitik gab. Verteidigungsminister Boris Pistorius widersetzte sich vehement einem geforderten Kurswechsel gegenüber Russland, was zu spürbaren Spannungen innerhalb der Partei führte. Ralf Stegner und andere prominente Genossen forderten in einem Manifest verstärkte Diplomatie und eine Abkehr von der bisherigen Rüstungspolitik.

