Sparlotterie der Sparkassen: So verdienen Banken Milliarden am PS-Sparen
Ein Produkt mit emotionaler Verpackung
Die Vermarktung folgt überall demselben Muster. Glücksversprechen, Leichtigkeit, regionale Nähe. Die Botschaft: Man tut etwas Vernünftiges, hat eine Gewinnchance und unterstützt gleichzeitig gute Zwecke. Psychologisch ist das geschickt. Das Produkt wirkt weder wie klassisches Glücksspiel noch wie eine nüchterne Finanzanlage, sondern wie eine Mischung aus Sparvertrag und sozialem Engagement.
Tatsächlich kaufen die Teilnehmer monatlich Lose – meist für fünf Euro pro Stück. Ein Teil des Betrags wird auf einem Sparkonto angesammelt, ein kleiner Teil fließt in einen Lotterietopf, ein weiterer Teil in regionale Spendenprojekte. Was nach einer Art moderner Sparbüchse klingt, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als hochgradig ineffiziente Geldanlage.
Über eine Milliarde Euro pro Jahr – zuverlässig eingesammelt
Nach Recherchen und Umfragen fließen jährlich mehr als eine Milliarde Euro in die Sparlotterien der Sparkassen. Über 270 Millionen Lose werden verkauft, Tendenz stabil bis steigend. Und das sind konservative Zahlen, da nicht alle regionalen Sparkassenverbände vollständige Angaben machen.
Für die Institute ist das Produkt attraktiv aus mehreren Gründen:
- Stetige Liquidität: Monatliche Einzahlungen sorgen für planbare Mittelzuflüsse.
- Extrem niedrige Kosten: Verwaltung, Marketing und Abwicklung sind standardisiert.
- Hohe Margen: Ein erheblicher Teil der Erträge verbleibt bei den Sparkassen.
- Kundenbindung: Das Produkt ist emotional aufgeladen und langfristig angelegt.
PS-Sparen ist damit weniger ein Sparprodukt als ein Cashflow-Instrument für die Institute.
Die Rendite-Realität für Kunden
Für die Teilnehmer sieht die Bilanz deutlich schlechter aus. Der „Sparanteil“ der Lose wird in der Regel nicht oder nur minimal verzinst. Real – also nach Inflation – verliert das angesparte Geld über Jahre hinweg an Kaufkraft.
Die Gewinnwahrscheinlichkeit ist gering. Statistisch betrachtet liegt der Erwartungswert der Lotterie deutlich unter dem Einsatz. Das ist kein Zufall, sondern das Grundprinzip jedes Glücksspiels. Die Spendenkomponente mag gesellschaftlich sinnvoll sein, stellt aus Sicht des Anlegers jedoch einen zusätzlichen Kostenblock dar – freiwillig oder unfreiwillig.
Unterm Strich bedeutet das:
Ein Teil des Geldes wird sicher entwertet, ein kleiner Teil verlost, ein kleiner Teil gespendet – und ein relevanter Teil verbleibt bei der Sparkasse.
Psychologischer Effekt statt finanzieller Logik
Warum funktioniert das Produkt trotzdem so gut? Die Antwort liegt weniger in der Rendite, sondern in der Psychologie.
- Niedrige Einstiegshürde: Fünf Euro wirken harmlos.
- Monatliche Routine: Der Abzug erfolgt automatisch, kaum spürbar.
- Glücksillusion: Die Aussicht auf Gewinne verzerrt die Wahrnehmung.
- Moralischer Anker: Spenden rechtfertigen das schlechte Finanzprodukt emotional.
Viele Teilnehmer sehen PS-Sparen nicht als Investment, sondern als „Sparen mit Bonus“. Genau das ist der Denkfehler. Denn jeder Euro, der hier gebunden wird, fehlt für sinnvolle Vorsorge oder renditestarke Anlagen.
Besonders problematisch für einkommensschwächere Haushalte
Auffällig ist, dass PS-Sparen besonders häufig von Menschen genutzt wird, die wenig Zugang zu Kapitalmarktprodukten haben. Gerade Haushalte mit geringer Finanzbildung oder niedrigerem Einkommen greifen zu solchen Angeboten, weil sie einfach, vertraut und lokal beworben sind.
Ausgerechnet diese Gruppen verzichten damit langfristig auf Vermögensaufbau. Während ein ETF-Sparplan über Jahrzehnte reale Renditen ermöglicht, bindet PS-Sparen Kapital in einem System mit negativem Erwartungswert.
Ein gutes Produkt – für die Sparkassen
Aus Sicht der Sparkassen ist PS-Sparen nahezu ideal:
- politisch akzeptiert
- regulatorisch unkritisch
- emotional positiv besetzt
- finanziell lukrativ
Das erklärt, warum das Produkt kaum modernisiert wird und warum es bis heute offensiv beworben wird – obwohl es aus Anlegersicht klar unterlegen ist.
Fazit: Nett verpackt, schlecht gerechnet
PS-Sparen ist kein harmloses Sparprodukt, sondern ein strukturell schlechtes Finanzinstrument für Kunden. Es kombiniert geringe Verzinsung, schlechte Gewinnwahrscheinlichkeit und reale Kaufkraftverluste – verpackt in emotionales Marketing.
Wer sparen, vorsorgen oder Vermögen aufbauen will, findet heute deutlich bessere Alternativen: transparente Sparpläne, breit gestreute ETFs, echte Verzinsung. Das „Milliarden-Glücksspiel“ der Sparkassen zeigt vor allem eines:
Nicht alles, was nach Sparen aussieht, dient auch dem Vermögensaufbau.
Für die Sparkassen ist PS-Sparen ein Volltreffer.
Für die Kunden ist es meist eine teure Gewohnheit.


