Spannung im FCAS-Bündnis: Airbus und Dassault Aviation auf Kollisionskurs
Die Beziehungen zwischen Airbus und Dassault Aviation im Kampfjet-Bündnis zwischen Frankreich, Deutschland und Spanien sind angespannt, wie auf der internationalen Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris deutlich wurde. Vertreter der beiden Luftfahrtgiganten gingen offen mit ihren unterschiedlichen Visionen bezüglich der künftigen Führung des strategisch wichtigen europäischen Luftkampfsystems FCAS um. Diese Differenzen drohen, einen ähnlichen Bruch zu verursachen wie in den 1980er Jahren, der zur Entstehung der konkurrenzierenden Modelle Eurofighter und Rafale führte.
In einem Interview mit Bloomberg äußerte sich Airbus-Verteidigungschef Michael Schöllhorn besorgt über das endlose Gezänk um Rollenverteilungen. Dassault-Chef Eric Trappier hingegen forderte klar die Führungsrolle seines Unternehmens im FCAS-Projekt ein. Trappier ging sogar so weit, einen möglichen Rückzug Dassaults zu thematisieren, falls die Zusammenarbeit weiterhin ungenügend organisiert bliebe. Trotz dieser Spannungen bleibt die Bedeutung des FCAS-Projekts, das von Airbus, Dassault Aviation und dem spanischen Unternehmen Indra Sistemas getragen wird und dessen Antrieb von MTU Aero Engines und Safran entwickelt wird, unbestritten.
Derweil hat Großbritannien mit dem Global Combat Air Programme ein Konkurrenzprojekt in die Wege geleitet, bei dem BAE Systems, Leonardo und Mitsubishi Heavy Industries beteiligt sind. Damit sind die bestehenden Allianzen des Eurofighter-Projekts, zu denen auch Airbus gehört, bereits infrage gestellt. Die Differenzen im FCAS-Projekt rühren unter anderem daher, dass verschiedene Partner unterschiedliche Vorstellungen über Kompetenzbereiche haben, was die Projektdynamik hemmt.
Airbus-Manager Schöllhorn mahnte zur Rückkehr zu einer sachorientierten Diskussion ohne das Aufwärmen alter Streitigkeiten. Dennoch blieb der Dissens offensichtlich, als er anmerkte, Dassault Aviation habe ein abweichendes Verständnis von multinationalen Programmen. Diese Konflikte treten zu einer Zeit auf, in der Europa im Kontext steigender geostrategischer Herausforderungen, insbesondere der Bedrohung durch Russland und den Forderungen nach höheren Verteidigungsausgaben seitens der USA, aufrüstet.

