Solarer Boom in Deutschland: Auf der Sonnenseite der Energiewende, aber nicht sorgenfrei
Der Ausbau der Solarenergie in Deutschland ist auf dem Vormarsch, doch die Herausforderungen bleiben groß. Zwar nähert sich der Gesamtbestand der installierten Leistung mit 107,5 Gigawatt dem für 2030 anvisierten Ziel von 215 Gigawatt, doch der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) warnt, dass der Schwung nicht nachlassen darf.
Besonders bei privaten Haushalten und Unternehmen wird der Strombedarf zunehmend durch Solarenergie gedeckt, sei es zum Kochen, Waschen oder Laden von Elektrofahrzeugen. Aktuell stellen die nahezu 5,3 Millionen Photovoltaikanlagen etwa 15 Prozent des deutschen Strombedarfs sicher. Dabei wurde 2024 ein Rekordniveau erreicht: 59,5 Millionen Megawattstunden wurden ins Netz eingespeist, was 13,8 Prozent der innerdeutschen Stromproduktion entsprach. Dies spiegelt eine fortlaufende Steigerung wider, denn 2023 lag der Anteil noch bei 12 Prozent.
Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar, unterstreicht den Fortschritt der Photovoltaik als preiswerteste Stromerzeugungsform ebenso wie die Verlangsamung des Ausbaus, die dem Ziel von 2030 entgegensteht. Eine stärkere Solarisierung von Dächern, Fassaden und Freiflächen sei unverzichtbar, um den wachsenden Strombedarf zu decken und kommenden Klimafolgen effizient zu begegnen. In diesem Kontext hebt der Verband die Bedeutung der Speicherkapazitäten hervor.
Derzeitig in Deutschland vorhandene zwei Millionen Batteriespeicher mit 20 Gigawattstunden müssten bis 2030 auf 100 bis 150 Gigawattstunden ausgebaut werden. Die im Koalitionsvertrag versprochenen rechtlichen Erleichterungen für Batterienspeicher seien unverzüglich nötig, um den Vollausbau zu erreichen.
Die günstigen Preise aus China begünstigen die hiesige Solarlandschaft, da 86 Prozent der Photovoltaikanlagenimporte aus dem Reich der Mitte stammen. Während Deutschland Exporteinbußen verzeichnet, sank die lokale Produktion von Solarmodulen um 56 Prozent. Erschwert wird dies durch die starke Konkurrenz aus China, die zur Insolvenz von Unternehmen wie Meyer Burger in Deutschland beiträgt.
Laut der Bundesnetzagentur befindet sich der Großteil der Anlagen auf Dächern, mit über 71 Gigawatt installierter Leistung. Freiflächenanlagen tragen fast 33 Gigawatt bei, während weit verbreitete Balkonkraftwerke trotz einer Million Installationen nur knapp ein Gigawatt leisten.

