Soho House kehrt für 2,7 Mrd. Dollar an die Privatmärkte zurück – Exklusivität bleibt strategische Sollbruchstelle
Die internationale Mitgliederclub-Kette Soho House zieht sich nach drei Jahren an der Börse wieder vom Kapitalmarkt zurück. Für 2,7 Mrd. Dollar übernimmt MCR Hotels die Gruppe, unterstützt von Großaktionär Ron Burkle und weiteren Investoren. Ziel ist es, das Unternehmen wieder stärker auf operative Details und langfristige Markenpflege auszurichten – ohne den Druck vierteljährlicher Börsenergebnisse.
Das Geschäftsmodell von Soho House lebt seit seiner Gründung 1995 von der Idee exklusiver Treffpunkte für Kreative und Unternehmer. Doch der globale Expansionskurs mit heute 210.000 Mitgliedern hat das ursprüngliche Versprechen verwässert. Die Zahl der Mitglieder pro Haus stieg seit 2021 um 30 % auf durchschnittlich 4.700, was Beobachter als Kern des „Überfüllungsproblems“ sehen. Während die Warteliste auf 111.000 Namen anwuchs, berichten Kritiker von gesunkenen Service-Levels und zu einfacher Aufnahme.
Die Expansion verlief zuletzt gebremster. Unter CEO Andrew Carnie, der 2022 Nick Jones ablöste, reduzierte die Gruppe den Eröffnungstakt von jährlich bis zu zehn neuen Häusern auf drei 2024. Stattdessen wird mehr Kapital in Renovierungen bestehender Standorte gesteckt. Künftig will MCR neue Häuser eröffnen, aber nicht weiter massiv die Mitgliedszahlen bestehender Clubs erhöhen. Geplant sind unter anderem neue Häuser in Barcelona und Manchester.
An den Finanzmärkten war Soho House zuletzt in die Defensive geraten. Der Börsengang 2021 brachte nur kurze Kursgewinne, gefolgt von Verlusten, Aktivistenkämpfen und Angriffen von Short-Sellern. Nun aber meldete das Unternehmen für das zweite Quartal 2024 erstmals einen Nettogewinn von knapp 25 Mio. Dollar bei 1,2 Mrd. Dollar Umsatz – ein Plus von 7 % gegenüber dem Vorjahr.
Vor allem Mitglieder wie prominente Befürworter Jamie Oliver sehen in der Rückkehr ins Privateigentum die Chance, sich wieder stärker auf Details und Atmosphäre zu konzentrieren. Doch die zentrale Frage bleibt: Will Soho House als globaler Mittelklasse-Club wachsen oder Exklusivität zurückkaufen – beides wird schmerzhaft.

