Situation nach Demonstration in Hamburg eskaliert

21. Dezember 2013, 21:40 Uhr · Quelle: dpa

Hamburg (dpa) - Steine und Flaschen auf Polizisten, Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen Demonstranten: Bei einer Kundgebung für den Erhalt des linken Kulturzentrums «Rote Flora» hat es am Samstag in Hamburg die schwersten Krawalle seit Jahren gegeben.

Die Polizei löste die Demonstration daraufhin auf. Bis in den Abend hinein kam es im Stadtteil St. Pauli trotzdem immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Einsatzkräften.

Bis kurz vor 21.00 Uhr zählte die Polizei mehr als 70 verletzte Beamte. Zehn von ihnen mussten nach Angaben einer Sprecherin ihren Einsatz daraufhin beenden. Ein Polizist aus Niedersachsen wurde durch einen Steinwurf so schwer verletzt, dass er bewusstlos ins Krankenhaus gebracht werden musste. Genauere Angaben zur Zahl der verletzten Demonstranten und der Festgenommenen gab es zunächst nicht.

Nach Einschätzung der Polizei waren unter den 7300 Demonstranten rund 4500 aus dem linksextremistischen Spektrum - viele davon gewaltbereit. Die Veranstalter sprachen von mehr als 10 000 Teilnehmern. Die Polizei hatte mit Ausschreitungen gerechnet und war mit einem Großaufgebot von mehr als 2000 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz.

Die Situation eskalierte schon kurz nach Beginn der Demonstration am Nachmittag, als in unmittelbarer Nähe des besetzten Kulturzentrums «Rote Flora» Randalierer aus dem sogenannten Schwarzen Block Einsatzkräfte attackierten. Diese stoppten daraufhin den Demonstrationszug und setzten Wasserwerfer ein. Auch von einer Brücke seien Beamte mit Gegenständen beworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin.

Die Organisatoren kritisierten ihrerseits einen «massiven Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern» und warfen der Polizei vor, den Protestzug von Anfang an bewusst gestoppt zu haben. Dies stelle den skandalösen Versuch dar, die politische Auseinandersetzung um die «Rote Flora», die Esso-Häuser und das Bleiberecht von Flüchtlingen hinter Rauchschwaden und Wasserwerfern unsichtbar zu machen, hieß es in einer Erklärung.

Wegen der Krawalle löste die Polizei die Demonstration kurzfristig auf. «Es hat von Anfang an eine aggressive Grundstimmung geherrscht, wir sind massiv angegriffen worden», begründete Polizeisprecher Mirko Streiber den Schritt. «Das ist derart gewalttätig gewesen, das haben wir lange so nicht erlebt.» Ein Drogeriemarkt, in dem sich Kunden befunden hätten, sei mit Steinen attackiert worden, die Scheiben von Sparkassen seien eingeschlagen und Müllcontainer in Brand gesetzt worden.

Nach der Auflösung der Demonstration zogen die Randalierer in Gruppen in Richtung Reeperbahn weiter und lieferten sich ein «Katz-und-Maus»-Spiel mit der Polizei. Auch dort kam es zu Auseinandersetzungen. Die Reeperbahn wurde gesperrt. Unter anderem wurden bei einem SPD-Büro die Scheiben eingeworfen, zwei Polizeiautos wurden beschädigt.

Durch die Krawalle war auch der Nah- und Fernverkehr in Hamburg beeinträchtigt. Weil Demonstranten im Bereich des Schanzenviertels immer wieder auf die Gleise liefen, wurde eine S-Bahn-Strecke teilweise gesperrt. Fernzüge aus Hannover, Berlin, Bremen und Rostock endeten im Hamburger Hauptbahnhof und konnten zeitweise nicht nach Altona weiterfahren. Fernzüge aus dem Norden wurden umgeleitet und endeten dafür in Harburg, erklärte die Bahn.

Der Protest richtete sich gegen eine Räumung des seit mehr als 20 Jahren besetzten Kulturzentrums «Rote Flora», wie sie der Eigentümer Klausmartin Kretschmer angedroht hat. Außerdem ging es um das Bleiberecht für Flüchtlinge und die «Esso-Häuser» an der Reeperbahn. Die Häuser waren am vergangenen Wochenende wegen Einsturzgefahr evakuiert worden. Alle Bürgerschaftsfraktionen hatten in den vergangenen Tagen parteiübergreifend zu einem friedlichen Protest aufgerufen.

Rund 800 Menschen hatten zuvor in Hamburg-St. Georg auf einer Kundgebung friedlich für ein Bleiberecht von afrikanischen Flüchtlingen der sogenannten Lampedusa-Gruppe demonstriert. Vertreter der Flüchtlinge sprachen sich dabei für friedliche Proteste aus. «Wir wollen Kreativität und keine Gewalt», sagte ein Sprecher der Afrikaner.

Demonstrationen / Kommunen
21.12.2013 · 21:40 Uhr
[100 Kommentare]
Chemie-Industrie
Bad Breisig (dpa) - Lohnplus in schwierigen Zeiten: Die rund 585.000 Beschäftigten in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie erhalten mehr Geld. Darauf haben sich die Branchengewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC nach zweitägigen Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Breisig geeinigt. Zudem verpflichten sich die Arbeitgeber zu […] (00)
vor 9 Minuten
In Zeiten steigender Lebenshaltungskosten suchen immer mehr Menschen nach cleveren Wegen, um im Alltag bares Geld zu sparen, ohne auf kleine Freuden verzichten zu müssen. Besonders beim schnellen Essen zwischendurch summieren sich die Ausgaben oft unbemerkt zu beachtlichen Beträgen. Genau hier setzen moderne Sparstrategien an, die weit über das […] (00)
vor 1 Minute
Ein Mann startet ein Softwareupdate auf einem iPhone
Berlin (dpa/tmn) - Apple hat ein Betriebssystem-Update für iPhones mit einigen Neuerungen auf den Weg gebracht. Zu den Highlights des neuen iOS 26.4 gehört die Offline-Musikerkennung. Die funktioniert so: Wer künftig in den Schnelleinstellungen die Shazam-Schaltfläche antippt, kann auch ohne aktuelle Internetverbindung Musik erfassen - die Ergebnisse […] (00)
vor 59 Minuten
Dragon’s Dogma 2 DLC: Fans entdecken verschlüsselte Hinweise im Jubiläums Artwork
Capcom hat am 22. März 2026 das zweite Jubiläum von Dragon’s Dogma 2 mit einem neuen Artwork gefeiert. Was zunächst wie eine nette Geste aussah, entpuppte sich als möglicher Teaser für ein DLC. Die Community hat das Bild gründlich analysiert und mehrere Hinweise entdeckt, die auf eine Erweiterung hindeuten könnten. Offiziell bestätigt ist nichts, aber […] (00)
vor 14 Minuten
«Glücksrad», «Dinge gibts», «Genial daneben»-Comeback im Sommer?
Auf Quotenmeter-Anfrage bestätigte RTLZWEI, eine Showstrecke im Sommer zu planen. Welche Marken darunter fallen, wurde noch nicht gesagt, allerdings wurden bestimmte Titel zumindest nicht explizit ausgeschlossen. Kürzlich sagte der neue RTLZWEI-Chef Thorsten Braun in einem DWDL-Interview: "Früher war RTLZWEI mal als TV-Sender für die 14- bis 29-Jährigen positioniert. Das funktioniert heute […] (00)
vor 1 Stunde
Ski-Weltcup in Hafjell
Hafjell (dpa) - Die deutsche Skirennfahrerin Emma Aicher hat den Triumph im Gesamtweltcup verpasst. Die 22-Jährige fiel nach einem schweren Patzer im zweiten Lauf des abschließenden Riesenslaloms noch von Rang drei auf Platz zwölf zurück und konnte die führende Mikaela Shiffrin dadurch nicht mehr einholen. Die US-Amerikanerin fuhr beim Sieg der […] (00)
vor 11 Minuten
Die Idee, online Geld zu verdienen, klingt am Anfang fast zu gut. Ein paar Klicks, ein paar Apps, vielleicht etwas Krypto – fertig. In der Realität sieht das Ganze dann aber anders aus. Es geht langsamer, ist manchmal unübersichtlich und oft auch einfach den Aufwand nicht wirklich wert. Bevor man sich irgendwo anmeldet, lohnt es sich fast immer, kurz […] (00)
vor 9 Minuten
Das war das Industry Forum 2026 in Augsburg
Augsburg, 25.03.2026 (PresseBox) - Am 17. und 18. März war die Augsburger WWK-Arena wieder ein internationaler Treffpunkt für die Digitalisierung in der Industrie. Auf dem diesjährigen CADENAS Industry Forum versammelten sich zahlreiche Referenten, Aussteller und Besucher, um sich über die Zukunft der digitalen Industrie auszutauschen. Tag 1: Starker […] (00)
vor 1 Stunde
 
Cannabis-Anbau
Berlin (dpa) - Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, zieht knapp […] (02)
Wald in Brandenburg
Berlin (dpa) - Mit mehr Windrädern, Mischwäldern und klimafreundlicheren Kraftstoffen […] (00)
Parlamentswahl in Dänemark
Kopenhagen (dpa) - Auf die wilden Wahlpartys nach der Parlamentswahl in Dänemark […] (00)
Solar-Beben in Berlin: Reiches Radikal-Plan versetzt Hausbesitzer in Schockstarre
Es ist eine Ansage, die Millionen von Eigenheimbesitzern und die gesamte Solarbranche […] (14)
cryptocurrency, business, finance, money, wealth, gold, cash, monetary, investment, ethereum
Die globale Krypto-Handelsplattform BYDFi tritt als Sponsor der Next Block Expo 2026 […] (00)
RTLZWEI-Boss will Streaming-Differenzierung und Fokus auf 30-59
Im DWDL-Interview sprach der neue Senderchef von notwendigen Verschiebungen in der Ausrichtung […] (00)
Gisele Bündchen
(BANG) - Gisele Bündchen empfindet ihr Leben Berichten zufolge als "sinnvoller", seit […] (00)
Crimson Desert: Diese Items musst du dir zum Start unbedingt schnappen
Die weiten Ebenen von Pywel sind wunderschön, aber sie sind auch verdammt gefährlich. […] (00)
 
 
Suchbegriff