Sinkende BAföG-Zahlen und der Reformbedarf: Ein Balanceakt für die Bildungspolitik
Die Statistik des vergangenen Jahres offenbart einen deutlichen Rückgang der BAföG-Empfänger auf den niedrigsten Stand seit über zwei Jahrzehnten. Laut den aktuellen Daten vom Statistischen Bundesamt wurden 612.800 Personen durch BAföG-Mittel unterstützt, was einem Rückgang von 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Ein leichter Anstieg war in den Jahren 2022 und 2023 zu beobachten, doch dieser Trend hat sich offenbar umgekehrt.
Im Durchschnitt erhielten die Geförderten monatlich 635 Euro, ein Betrag, der leicht unter dem Vorjahresniveau von 640 Euro liegt. Auch die Gesamtausgaben des Bundes für die BAföG-Förderung fielen um 316 Millionen Euro auf insgesamt 3,1 Milliarden Euro, ein Rückgang von neun Prozent. Diese Zahlen werfen ein Schlaglicht auf die dringende Notwendigkeit von Reformen in der Studienfinanzierung.
Der weitaus größte Anteil der Geförderten sind Studierende, die durchschnittlich 657 Euro im Monat erhalten. Dagegen bekommen Schülerinnen und Schüler im Schnitt 539 Euro monatlich. Der Förderbetrag variiert stark und hängt von mehreren Faktoren ab, wie der gewählten Bildungseinrichtung, der Wohnsituation und dem Einkommen der Geförderten und ihrer Eltern.
Die jüngeren Geförderten, meist unter 25 Jahren und in den meisten Fällen nicht mehr bei den Eltern lebend, sind überwiegend Frauen. Wie schon in den Vorjahren ist der Frauenanteil mit 59 Prozent erneut höher als der Anteil der männlichen Geförderten.
Mit dem Start des Wintersemesters 2024/2025 wurde die 'Studienstarthilfe' als neues finanzielles Hilfsinstrument eingeführt. Diese einmalige Unterstützung von 1.000 Euro richtet sich vor allem an Studienanfänger, die Sozialleistungen beziehen und erstmals ein Studium aufnehmen. Im Jahr 2024 wurden auf diese Weise 10.700 Personen gefördert, was Ausgaben von 10,7 Millionen Euro nach sich zog.
Eine umfassende Reform des BAföG scheint erforderlich, wie auch der Koalitionsvertrag der Bundesregierung nahelegt. Geplante Maßnahmen umfassen eine Anpassung der Wohnkostenpauschale und des Grundbedarfs in den kommenden Jahren. Auch das Deutsche Studierendenwerk und der Deutsche Gewerkschaftsbund betonen den Reformbedarf.
Stimmen werden laut, dass das BAföG angesichts seiner Schwächen umfassender, zugänglicher und digitaler gestaltet werden muss, um den tatsächlichen Bedarf zu decken.

