Siltronic im Spannungsfeld zwischen KI-Boom und trügerischen Märkten

Der Markt für Halbleiter-Wafer bleibt für Siltronic auch im Jahr 2026 ein herausforderndes Terrain. Während der aufkommende KI-Boom die Nachfrage nach leistungsfähigen Computer-Prozessoren und Speicherchips mit hoher Bandbreite anheizt und somit größere Silizium-Wafer von Siltronic zur Herstellung dieser Chips begehrt sind, zeigt die breite Industrie ein zurückhaltendes Bestellverhalten. Insbesondere die Automobilbranche und Smartphone-Hersteller arbeiten noch an der Reduzierung ihrer vollen Lagerbestände, was die Nachfrage dämpft. Siltronic sieht sich daher im kommenden Jahr mit einem Preisdruck außerhalb von Langzeitverträgen und ungünstigen Wechselkursentwicklungen konfrontiert. Dies alles wurde anlässlich der Präsentation der vorläufigen Geschäftszahlen für das Jahr 2025 kommuniziert.
Die Märkte für 300-Millimeter-Wafer expandieren zwar, doch der Markt für 200-Millimeter-Wafer steht aufgrund des Überhangs an Lagerbeständen auch weiterhin unter Druck. Lieferverschiebungen und die Schließung einer Produktionslinie für kleinere Wafer in Burghausen, die im vergangenen Jahr umgesetzt wurde, beeinflussen das Geschäftsjahr 2026 weiter negativ. Obwohl sich die Tochtergesellschaft von Wacker Chemie noch keine detaillierte Prognose zutraut, übertreffen die Resultate von 2025 die durchschnittlichen Analystenerwartungen, was auch an den Verschiebungen in das vierte Quartal zu verorten ist.
Der Branchenexperte Constantin Hesse von Jefferies zeigt sich wenig überrascht ob der vorsichtigen Erwartungen. Er weist darauf hin, dass das Unternehmen bereits mehrfach die anhaltend schwierige Situation betont hat, und geht davon aus, dass Anleger ihre Prognosen nach unten korrigieren werden. Die Siltronic-Aktie verzeichnete in der Folge des vorsichtigen Ausblicks im Frühhandel einen Kursrückgang um 2,5 Prozent auf 50,75 Euro, befindet sich jedoch im Vergleich zum Mehrjahrestief im September auf einem Erholungskurs.
Das Jahr 2025 endete trotz eines Umsatzrückgangs von 4,7 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro besser als gedacht, was dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zugutekam, der bei 317 Millionen Euro lag und damit solide 23,5 Prozent des Umsatzes ausmachte. Der Erfolgsfaktor lag insbesondere in den kostensenkenden Maßnahmen und positiven Nachfrageimpulsen aus dem KI-Segment, die den Druck aus dem weniger profitablen Produktmix kompensierten. Ohne die Einflussfaktoren der Werksschließung in Burghausen und negative Wechselkurse wäre das operative Umsatzniveau stabil geblieben. Positiv ist auch der verbesserte Netto-Cashflow zu bewerten, der 2025 von einem Minus von 297 Millionen Euro auf minus 85 Millionen Euro zurückging. Der Cashflow war im Schlussquartal sogar positiv, trotz fortlaufender Investitionen in die neue Fabrik in Singapur.

